Mick haupt 1498491 unsplash

Wie die sieben Geheimnisse offenbart wurden (Dritter Teil)

27.06.2019  •  Aus diePosaune.de
 

Fortgesetzt von Wie die sieben Geheimnisse offenbart wurden (Zweiter Teil)

Die unerkannte Berufung

Einige Tage nach der Hochzeit, während wir in Chicago lebten, hatte meine Frau einen Traum, der so lebhaft und eindrucksvoll war, dass sie davon erheblich erschüttert wurde. Das Ganze war für sie so realistisch gewesen, dass es ihr eher wie eine Vision vorkam. Zwei oder drei Tage lang erschien ihr alles andere unreell – sie fühlte sich wie benommen – und nur dieser außergewöhnliche Traum war für sie Realität.

In ihrem Traum überquerten sie und ich die große Straßenkreuzung zwischen Broadway und Sheridan Road, die nur einige Häuserblocks von unserer damaligen Wohnung entfernt lag. Plötzlich bot sich am Himmel ein ehrfurchtgebietender Anblick. Es war ein beeindruckendes Schauspiel – der Himmel war erfüllt von einer massiven Ansammlung strahlender Sterne, die wie ein großes Banner geformt war. Die Sterne begannen zuerst zu vibrieren und auseinanderzustreben und verschwanden dann. In ihrem Traum machte sie mich gerade auf die verschwindenden Sterne aufmerksam, als eine weitere große Ansammlung funkelnder Sterne auftauchte, in Erschütterung geriet, sich auflöste und wie die erste wieder verschwand.

Während sie und ich in ihrem Traum die verschwindenden Sterne betrachteten, erschienen plötzlich drei große weiße Vögel vor diesem Hintergrund am Himmel. Diese großen weißen Vögel flogen direkt auf uns zu. Als sie näherkamen, erkannte meine Frau, dass es Engel waren.

„Dann“, so schrieb meine Frau ein oder zwei Tage nach dem Traum in einem Brief an meine Mutter, den ich kürzlich zwischen alten Familienfotos entdeckte, „dämmerte es mir, dass dies Christi Rückkehr war, und ich war so glücklich, dass ich vor lauter Freude weinte. Aber plötzlich dachte ich an Herbert und begann mir Sorgen zu machen.“

Sie wusste, dass ich sehr wenig religiöses Interesse an den Tag gelegt hatte, auch wenn wir zwei- oder dreimal eine Kirche in der Nähe von uns besucht hatten.

Dann schien es, als ob unter den Engeln in ihrem Traum „Christus hervorkam und direkt vor uns stand. Zuerst hatte ich etwas Zweifel und Angst, weil ich nicht wusste, wie er uns aufnehmen würde, weil ich daran dachte, dass wir unser Bibelstudium vernachlässigt und uns zu sehr mit Dingen beschäftigt hatten, die nichts mit seinen Interessen zu tun hatten. Aber als wir zu ihm kamen, legte er seine Arme um uns beide, und wir waren voller Glück! Ich dachte, dass die Leute auf der ganzen Welt sein Kommen gesehen hätten. Soweit wir sehen konnten, kamen die Leute gerade auf die Straßen der großen Kreuzung gelaufen. Einige freuten sich, andere hatten Angst.“

„Dann schien es, als hätte er sich in einen Engel verwandelt. Zuerst war ich furchtbar enttäuscht darüber, aber dann sagte er mir, dass Christus in sehr naher Zukunft tatsächlich kommen würde.“

Zu dieser Zeit gingen wir häufig ins Kino. Sie fragte den Engel, ob dies falsch sei. Er antwortete ihr, dass Christus eine wichtige Arbeit als Vorbereitung seines Kommens für uns zu tun hätte und dass uns keine Zeit für „Filme“ (es waren damals die Tage des „Stummfilms“) bleiben würde. Dann schienen die Engel und das ganze Schauspiel zu verschwinden, und sie erwachte, erschüttert und voller Fragen!

Am nächsten Morgen erzählte sie mir von ihrem Traum. Ich war verlegen. Ich wollte nicht darüber nachdenken, hatte aber gleichzeitig Bedenken, dies alles einfach von der Hand zu weisen. Ich versuchte, einen vernünftigen Weg zu finden, das Ganze persönlich zu umgehen und das Problem trotzdem zu lösen.

„Warum erzählst du es nicht dem Prediger von der Kirche an der Ecke“, schlug ich vor, „und fragst ihn, ob es irgend etwas zu bedeuten hat.“

Damit hatte ich eine Möglichkeit gefunden, das Ganze aus meinen Gedanken zu verbannen.

Lassen Sie mich hier einflechten, dass in 99.999 von 100.000 Fällen, in denen Leute in unserer Zeit denken, Gott würde zu ihnen in einem Traum oder einer Vision sprechen, es sich lediglich um reine Einbildung oder irgendeine Form von Selbsthypnose oder Selbsttäuschung handelt. Aber falls dies eine Vision von Gott gewesen war, dann versuchte ich, wie Jona, davor davonzulaufen. Jedoch später, zu dem von ihm gewählten Zeitpunkt, arbeitete Gott mit mir in deutlicher Weise, genauso wie er das mit Mose, Jesaja, Jeremia, Jona, Andreas, Petrus und dem Apostel Paulus getan hat.

Geschäftlicher Zusammenbruch

Dann kam die vernichtende Wirtschaftskrise von 1920. Eine kurze, aber für das Jahr katastrophale Krise. Meine großen Werbekunden waren weniger die städtischen Banken als vielmehr Firmen aus der Landmaschinenbranche und verwandten Gebieten. Und davon wurden viele nun vom Konkursverwalter übernommen: die Reifenfirma Goodyear, J. I. Case, Moline Plow, John Deere, Emmerson-Brantingham, Dalton Adding Machine. Ein landesweit bekannter Firmenchef, den ich persönlich kannte, beging Selbstmord. Ohne eigenes Verschulden, durch äußere Umstände, wurde meiner beruflichen Existenz der Boden entzogen.

In Portland, Oregon, wohin ich daraufhin mit meiner Familie zog, gründete ich einen Werbeservice für Wäschereibesitzer. Die Wäschereibranche lag umsatzmäßig in den USA an elfter Stelle, gehörte aber zu den rückständigsten Wirtschaftszweigen. Ich tat mich mit einem Rationalisierungsexperten zusammen, dem meiner Meinung nach besten im ganzen Land. Ich nahm nur Kunden an, die uns erlaubten, ihre Firma auf eine leistungsfähigere Basis zu stellen – sowohl von der Qualität der Wäschereinigung als auch von den Geschäftsmethoden her, die ich überwachte. Ich musste in der Werbung Versprechungen machen können, die meine Kunden einzuhalten in der Lage waren.

1926 jedoch machte eine große Werbeagentur aus dem Osten dem Wäschereibesitzerverband ein Angebot: Großannoncen in Frauenzeitschriften. Der Verband konnte seine Mitglieder dazu zwingen, 85 Prozent ihres verfügbaren Werbeetats für diese Annoncen zur Verfügung zu stellen. Erst als die Sache unter Dach und Fach war, erfuhr ich davon. Den Umsatz meiner Klienten hatte ich verdoppeln und verdreifachen können, mein Geschäft wuchs. Und nun wurde mir, wieder ohne eigenes Verschulden, erneut geschäftlich der Boden unter den Füßen entzogen.

Es gab dafür einen Grund: Gott sorgte dafür, dass mir das Werbegeschäft aus der Hand genommen wurde.

Die doppelte Herausforderung

Im Herbst 1926, ich war damals 34, kam zum geschäftlichen Kollaps noch eine weitere schwere Belastung für mich: eine sehr beunruhigende doppelte Herausforderung.

Nach neun Jahren glücklicher Ehe fing meine Frau an, statt des Sonntags den Samstag als Feiertag zu begehen: den Sabbat!

Das verwirrte mich, bestürzte mich! Ich war sauer. Religiöser Fanatismus, so wirkte es auf mich! Was sollten meine Geschäftsfreunde denken? Meine Frau behauptete, sie habe diese Lehre in der Bibel gefunden.

Alle Gegenargumente, die ich vorbrachte, fruchteten nichts.

„In der Bibel steht doch“, protestierte ich, „dass man den Sonntag halten soll!“

„Kannst du mir die Stelle in der Bibel zeigen?“ wollte sie wissen.

„Nein“, erwiderte ich. „Ich bin nicht sehr bibelfest. Meine Interessen und meine Studien haben auf geschäftlichem Gebiet gelegen. Aber all diese Kirchen können doch nicht unrecht haben – ­sie berufen sich in ihren Lehren auf die Bibel, und sie halten alle den Sonntag.“

„Wenn“, lächelte sie freundlich – aber in meinen Augen impertinent – „wenn du mir in der Bibel nachweisen kannst, dass Sonntag geboten ist, dann will ich mich geschlagen geben.“

Die Herausforderung musste ich aufgreifen. Meine Ehe hing davon ab!

Die zweite demütigende Herausforderung kam, ungefähr gleichzeitig, von meiner Schwägerin, College-Absolventin, frisch verheiratet.

„Herbert Armstrong“, hielt sie mir verachtungsvoll entgegen, „du bist ja völlig unwissend! Wer auch nur einen Funken Bildung hat, der weiß, dass der Mensch durch Evolution entstanden ist.“

Ich war stolz. Bildung und Wissenserwerb hatte ich nicht vernachlässigt. Ich meinte über Evolution Bescheid zu wissen, und ich glaubte nicht daran. Nun freilich musste ich zugeben, dass ich mich noch niemals gründlich und intensiv damit befasst hatte.

Nach dem „Fanatismus“ meiner Frau empfand ich diese zweite Herausforderung als sehr demütigend. Zwei schwere Schläge für meinen Stolz, und dazu noch mein berufliches Desaster. Man kann sich vorstellen, in welch verzweifelter seelischer Verfassung ich damals war. Trotzdem war ich fest entschlossen, die Behauptungen meiner Frau und meiner Schwägerin zu widerlegen.

Die doppelte Herausforderung trieb mich zu entschlossenen, fast Tag und Nacht dauernden Recherchen. Zu hartnäckigem Forschen, das sechs Monate währte, ehe ich fundierte Antwort erlangte. Ganz aufgehört haben die Recherchen allerdings bis heute nicht.

Beide Herausforderungen hatten einen gemeinsamen Ausgangspunkt – die Schöpfungsgeschichte in der Bibel und die Frage der Ursprünge. Doch das war erst der Anfang.

Die Herausforderungen kamen zu einem Zeitpunkt in meinem Leben, da ich erzwungenermaßen genug Muße hatte. Mit intensiver Konzentration stürzte ich mich ins Studium. 

Fortgesetzt in Wie die sieben Geheimnisse offenbart wurden (Vierter Teil)

De Moa