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LOUISA GOULIAMAKI/AFP/GETTY IMAGES

Griechenland wird bis 2060 eine europäische Kolonie bleiben

Wird Italien als nächstes an der Reihe sein?

Wenn man den Schlagzeilen Glauben schenkt, wird Griechenland diesen Sommer zum Status eines „normalen“ Landes zurückkehren. Das europäische Rettungsprogramm läuft aus und Griechenland wird wieder in der Lage sein, sich Geld auf dem freien Markt zu leihen.

Bei näherem Hinschauen bietet sich jedoch ein ganz anderes Bild. Die europäische Union plant, Griechenland in den kommenden Jahrzehnten praktisch zu verwalten. Der frühere griechische Finanzminister Yanis Varoufakis umriss die Realität in einem Artikel für Project Syndicate am 26. Februar:

Solange nicht 75 Prozent von Griechenlands Staatsverschuldung zurückgezahlt sind – frühestens 2060 – wird das Land unter „verstärkter Überwachung“ stehen. (Verstärkte Überwachung reimt sich im Englischen unglücklich auf „verstärktes Verhör“).

In der Praxis bedeutet das 42 Jahre lang vierteljährliche Überprüfungen. Während dieser Zeit kann die europäische Kommission und die [europäische Zentralbank] EZB in Zusammenarbeit mit dem [internationalen Währungsfond] IMF Griechenland neue „Sparmaßnahmen“ auferlegen (wie zum Beispiel selbstauferlegte Sparsamkeit, Notverkäufe öffentlichem Eigentums und Beschränkungen gewerkschaftlich organisierter Arbeitnehmer). Kurz gesagt, die nächsten zwei Generationen der Griechen werden mit der Troika und ihrem „Verfahren“ (vielleicht unter anderem Namen) als ein fester Bestandteil ihres Lebens aufwachsen.

Die Einzelheiten dieser verstärkten Überwachung müssen noch überarbeitet werden. Aber der gegenwärtige Rettungsplan erlaubt den europäischen Aufsehern, ein Veto gegen griechische Gesetze einzulegen. Die europäischen Bürokraten wollen sich etwa so viel Kontrolle über Griechenland vorbehalten, wie der amerikanische Präsident über die Vereinigten Staaten hat.

Selbst wenn Europa nur ein Vetorecht für Griechenlands Ausgaben bis zum Jahr 2060 hat, bedeutet das schon viel Einflussnahme. Die Kontrolle der Finanzen einer Nation ist die Grundlage ihrer Souveränität. Der EU Observer nannte den 13. Juli 2015 – das Datum der letzten größeren Auseinandersetzung zwischen Griechenland und Europa – „den Tag, an dem Griechenland nach 185 Jahren Freiheit seine Unabhängigkeit verlor; den Tag, an dem die Demokratie in dem Land starb, in dem sie erfunden wurde.“

Varoufakis Artikel ist nicht der einzige Grund, warum jetzt darauf hingewiesen wird.

Italien ist vielleicht schon so weit, in Griechenlands Fußstapfen zu treten und fordert Europa heraus, doch seine eigene Souveränität zu kontrollieren.

Mit „Europa“ meine ich Deutschland. Die Deutschen haben die Bedingungen durchgesetzt, die den Griechen auferlegt wurden, denn es waren größtenteils deutsche Steuergelder, die zur Rettung der griechischen Wirtschaft verwendet wurden. Aus den Wahlen am 4. März in Italien könnte sich ein europäischer Kampf der Titanen ergeben: Europas größtes Schuldnerland gegen Europas größte Volkswirtschaft.

Mehrere führende politische Parteien in Italien ließen bereits verlauten, dass sie die Vorschriften der EU über Ausgaben nicht mehr einhalten würden. Sie haben für Deutschland nur ein Achselzucken und ein Oh ja? Warum kommt ihr nicht her, wenn ihr was wollt?

Eine der etablierten Parteien, die Lega Nord, will neue Banknoten einführen, die zur Bezahlung von Staatsschulden verwendet werden können. Das ist alles technisch sehr kompliziert, aber der wirtschaftspolitische Sprecher der Partei Claudio Borghi fasste es mit den Worten zusammen: „Wenn die Leute sagen, dass sehe wie eine Parallelwährung aus, will ich dem nicht widersprechen.“

Ambrose Evans-Pritchard schrieb im Telegraph: „So eine Regierung stünde ständig wegen aller möglichen Probleme mit Brüssel auf Kriegsfuß, von der Steuerpolitik bis zur Flüchtlingskrise.“

Das ähnelt dem, was die Griechen versuchten – und sie werden noch bis 2060 die Folgen tragen müssen.

Aber ein Kräftemessen zwischen Italien und Deutschland wäre nicht einfach nur eine Wiederholung dessen, was mit Griechenland passierte. Italien ist ein G7-Land; es ist viel mächtiger und die Geldsummen, um die es sich handelt sind weit größer.

Manchmal sind die Vorhersagen über internationalen Beziehungen so wie Vorhersagen über Erdbeben. Man weiß nicht, wann die Katastrophe eintritt, aber man kann in etwa die Gegend vorausahnen, wo es irgendwann zu einem Erdbeben kommen wird. Bei den internationalen Beziehungen gibt es wie bei Erdbeben Ruhezeiten und Konfliktlinien. Die Auswirkungen der Wahl in Italien könnten erdbebenähnlich sein.

Die griechische Krise sagt uns nicht unbedingt, wie so ein Erdbeben verlaufen wird. Deutschland hat im Moment keine Regierung und eine stabile Koalition ist nicht in Sicht. Italien könnte das zu seinem Vorteil ausnutzen. Aber was mit Griechenland passiert ist, noch passiert und weiter passieren wird, zeigt uns, was auf dem Spiel steht.

Varoufakis schrieb in seinem Buch Adults in the Room: My Battle With Europe’s Deep Establishment (Erwachsene im Raum: Meine Schlacht mit Europas tiefem Establishment), dass der griechische Premierminister befürchtete, die Deutschen würden einen Staatsstreich gegen ihn anzetteln, wenn er ihre Forderungen nicht erfüllte. Wenn tatsächlich damit gedroht wurde, dann war es sicherlich eine verzweifelte Drohung.

Eins ist sicher: Deutschland wird auf lange Sicht auch weiterhin Europa beherrschen. Das sieht man klar an der gegenwärtigen Unterordnung Griechenlands unter die von Deutschland beherrschte Europäische Union.

Herbert W. Armstrong sagte bereits am 9. Mai 1945 voraus, dass Deutschland Europa über „eine europäische Union“ beherrschen würde. Ein von Deutschland angeführtes Europa, damals noch unvorstellbar, ist gegenwärtig die offensichtliche Realität.

Man muss einmal darauf hinweisen und sei es auch nur, um auf die fantastische Verlässlichkeit von Herrn Armstrongs Vorhersagen aufmerksam zu machen. Er hatte Recht, weil seine Vorhersagen auf der Prophetie der Bibel basierten. Sie können mehr darüber in unserer kostenlosen Broschüre He was Right (Er hatte Recht) erfahren.

Das griechische Drama hat Feinheiten, auf die ich in diesem kurzen Artikel nicht eingehen konnte. Es ist leicht, mit Rücksicht auf die Griechen ärgerlich zu werden, andererseits ist es eine Gemeinheit gegenüber dem deutschen Steuerzahler, der sich gezwungen sieht, einem anderen Land Geld zu schicken. Für einen vollständigen Überblick über dieses Thema lesen Sie den umfangreichen Artikel „Look Who Rules Europe! (Sieh mal, wer über Europa herrscht)“, den ich zusammen mit dem Chefredakteur der Posaune Stephen Flurry geschrieben habe. 

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