Erhalten Sie jeden Wochentag einen kostenlosen Nachrichtenüberblick in Ihrem Posteingang – die Posaune Kurzmitteilung.

Map

Otto der Grosse – die Geburt des Deutschen Nationalismus (Erster Teil)

Das Heilige Römische Reich in der Prophezeiung - Kapitel vier

Fortgesetzt von Karl der Grosse – Vorvater des Modernen Europas (Zweiter Teil)

Karl der Große starb in seinem Schloss in Aachen am Morgen des 28. Januar 814. Er blieb bis zu seinem letzten Atemzug ein leidenschaftlicher Katholik. Seine letzte Handlung vor seinem Tod war die Entgegennahme der Kommunion.

Bevor er starb, übergab Karl die Schlüssel des fränkischen Reiches seinem Sohn Ludwig dem Frommen. Aber Ludwig war nicht die Führerpersönlichkeit, um die große Leere zu füllen, die der Tod seines scheinbar allmächtigen Vaters hinterlassen hatte. Es dauerte nicht lange, bis ein Bürgerkrieg ausbrach, und innerhalb nur weniger Jahre brach das fränkische Reich Karls des Großen, eines der größten Reiche, die Europa jemals beherrschten, in sich zusammen.

Das Imperium war tot, aber der Traum Karls des Großen von einem wieder auferstandenen Heiligen Römischen Reich unter katholischer Führung blieb am Leben. Gegen Mitte des zehnten Jahrhunderts wurde es wieder Wirklichkeit, aber dieses Mal auf der Ostseite des Rheins, in den Wäldern Germaniens.

Im frühen zehnten Jahrhundert wehrte Heinrich I., bekannt auch als Heinrich der Vogler oder Heinrich der Finkler, viele Invasoren ab, die Germanien plagten, und konsolidierte seine Herrschaft gegenüber den Herzögen und Aristokraten, die über die germanischen Stämme herrschten. Als König Heinrich starb und sein Sohn den Thron erbte, hatten die Völker Deutschlands schon eine starke Zentralregierung. Im Jahre 936 wurde Heinrichs Sohn Otto I. zum König von Deutschland gekrönt.

So wie Karl der Große wurde auch Otto in Aachen gekrönt. Und wie bei Karl dem Großen wurden auch bei Ottos Krönung Teile aus dem Alten Testament übernommen. Seine Krone und sein Gewand waren den von den Hohepriestern des alten Israel getragenen Gewändern nachgeformt worden (auf dem Gewand befanden sich sogar Abbildungen von den Königen Israels und von Christus). Die Symbole der Zeremonie zeigen, dass Otto sich selbst als königlicher Hohepriester sah.

Gleich nachdem er König geworden war, machte Otto dort weiter, wo sein Vater aufgehört hatte. So wie Karl der Große vor ihm, gebrauchte auch er das Schwert und das Kreuz, um das antike Römische Reich wieder aufleben zu lassen – dieses Mal ein eindeutig Deutsches Heiliges Römisches Reich!

Das Ottonische System

Otto der Große verlor keine Zeit, eine enge Beziehung mit dem Vatikan zu schmieden und die katholische Kirche zum wichtigsten Unterstützer seiner imperialen Träume zu machen. In der Katholischen Enzyklopädie ist nachzulesen: Als Otto den Thron seines Vaters erbte, wurde das „Ottonische System, eine enge Allianz des deutschen Reichs mit der Kirche, begonnen (Hervorhebung durchgehend hinzugefügt). Wie die katholische Enzyklopädie einräumt: „Auch Karl der Große hatte das große Konzept der Einheit von Kirche und Staat ausgeführt.“

Friedrich Heer schrieb in seinem Buch The Holy Roman Empire (Das Heilige Römische Reich): Das Ottonische System „verlieh den [katholischen] Bischöfen einen dominierenden Stellenwert und übertrug ihnen bedeutende Verantwortung und machte so die Kirche zum Eckpfeiler seines Reiches.“ Der Papst wurde Ottos oberster Fürsprecher. Und dank seiner Beziehungen zum Vatikan wurde Otto der moralische und geistliche Freibrief gegeben, das zu tun, was auch immer er für nötig hielt, um ein deutsches katholisches Reich zu errichten.

Selbstverständlich brachte die Unterstützung von Europas mächtigstem Führer dem Vatikan auch fantastische Vorteile. Genau wie Karl der Große übernahm auch Otto die Verantwortung für die Verteidigung der katholischen Kirche. Als im Jahr 960 Papst Johannes XII. von Berengar von Ivrea, einem Abkömmling der Lombarden, angegriffen wurde, kam Otto ihm zu Hilfe. Im Jahr 962 ernannte Papst Johannes XII. Otto zum „heiligen römischen Kaiser“, und der neue Kaiser ging daran, Berengar zu unterwerfen. Für die nächsten 800 Jahre nannten sich nun die deutschen Könige „Römische Kaiser Deutscher Nation.“

Wie schon das Bündnis Karls des Großen mit dem Vatikan, war die katholisch-deutsche Allianz auch ein militärisches Bündnis. „Indem der Kirche solch königliche Kompetenzen eingeräumt wurden, die gleichsam nicht wahrgenommen werden mussten, konnte der Staat seine Einnahmen für militärische Pläne verwenden“, ist in der Catholic Encyclopedia zu lesen.

Otto war ein unbarmherziger Krieger. Er gebrauchte das Schwert zur gewaltsamen Ausbreitung des Einflussbereiches der katholischen Kirche. Die Encyclopedia Britannica
(11. Ausgabe) besagt, dass er „leidenschaftlichen und gewalttätigen Wutausbrüchen unterworfen war“ und dass es [seine] „Strategie gewesen sei, jegliches Streben nach Unabhängigkeit im Keim zu ersticken.“ Unter der Herrschaft Ottos erfolgte wie unter Karl dem Großem die „Bekehrung durch das Schwert“, schrieb Heer.

Otto weitete zügig die Grenzen seines deutschen Reiches aus. Er eroberte Norditalien und wurde zum mächtigsten Herrscher Europas. In jedem neuen Gebiet, das er eroberte, gründete Otto mit großer Sorgfalt neue deutsche Kolonien. Dies waren selbstverständlich auch katholische Kolonien, was bedeutete, dass sich gemeinsam mit der Expansion des Deutschen Reiches auch der Einfluss der Kirche ausdehnte.

Otto nutzte die Kirche als Erfüllungsgehilfen zur Verwaltung der von ihm eroberten Gebiete. Abgesehen von der zunehmenden Unterstützung, die er von den Kirchenmännern erhielt, half diese Übereinkunft Otto, seine Führerschaft zu sichern. Bischöfe sollten eigentlich zölibatär leben, was bedeutete, dass sie niemals aufbegehren würden, nur um ihre eigenen Dynastien zu bilden

Der Anbruch des deutschen Nationalismus

Die Regentschaft Ottos markiert das Erwachen des deutschen Nationalismus. Vor dieser Zeit waren die Deutschen noch weitgehend in Stämme unterteilt. „Aber als die deutschen Könige das Recht gewonnen hatten, zu römischen Kaisern gekrönt zu werden, wurden die Deutschen selbst zur imperialen Nation. Sie begannen dementsprechend stolz auf den deutschen Namen zu sein. Ein nationales Gefühl wurde geweckt, das die Deutschen niemals nachher aufgegeben haben.“ – Israel Smith Clare The World’s History Illuminated Vol. 4 (Die Weltgeschichte beleuchtet, Band 4).

Der deutsche Nationalismus wurzelt im Wirken Ottos des Großen – ein begeisterter Katholik, und ein Mann aus demselben Holz geschnitzt wie Karl der Große. Der weltbeherrschende, nationalistische Geist, den er erweckte, trieb viele deutsche Könige über die Alpen nach Italien hinein auf der Suche nach römischen Dingen. Auch wenn die Beziehungen der deutschen Kaiser zu den katholischen Päpsten nicht immer ohne den Wettstreit und das Ringen um die Vorherrschaft war, ist doch klar, warum diese Verbindung die Zeiten überdauert hat. Die deutschen Kaiser waren sich stets bewusst, dass der Weg zur Weltherrschaft über Rom führt.

Gleichermaßen wusste das Papsttum seit langem, dass der einzige Weg, seine Religion wirkungsvoll zu verbreiten, darin bestand, sich rittlings auf das entsetzliche, schwertschwingende politische Tier zu setzen.

Der Investiturstreit

Ottos Reich – die dritte Wiederbelebung des Heiligen Römischen Reiches – stellte sich als dauerhafter heraus als das Reich Karls des Großen. Otto gab seine Herrschaft an seine Söhne und deren Nachkommen weiter, die die lebenswichtige katholische Verbindung mit dem Imperium aufrechterhielten. Die Anstrengungen, die viele deutsche Könige unternahmen, um enge Beziehungen zum Papsttum zu festigen, ist beachtenswert. Tatsächlich verbrachten die beiden nächsten Nachfolger, Ottos Sohn und sein Enkel, fast ihr ganzes Leben in der Nähe von Rom und starben schließlich auch dort.

Während dieser Zeit entstanden jedoch Spannungen zwischen den deutschen Königen und dem Vatikan. Die Kirchenvertreter waren der Einflussnahme des Königs in die kirchlichen Angelegenheiten müde, und während der Regentschaft von Heinrich IV. im Jahr 1056 war die Kirche schließlich bereit, sich gegen die Könige zu erheben und ihre geistliche Überlegenheit über den Staat zu behaupten. Im Jahr 1075 begann Papst Gregor VII. Heinrich Befehle zu erteilen, was den König rasch erboste und zu einem Kräftemessen zwischen den beiden mächtigsten Männern Europas führte.

Dieser Konflikt zwischen geistlicher und weltlicher Macht ist heute als Investiturstreit bekannt. Es war im Wesentlichen ein Streit darum, wer das Recht zur Amtseinsetzung von Geistlichen hatte. Aber der wahre Grund lag im Machthunger der katholischen Kirche. „Es besteht kaum Zweifel daran, dass Gregor VII. der Aggressor war, während Heinrich IV. nur das tat, was auch seine Vorgänger getan hatten“, schreibt Paul Johnson in The History of Christianity.

Seit der Zeit Ottos hatte stets der König die Bischöfe eingesetzt. Jetzt widersetzten sich die Päpste dieser Ordnung mit dem Argument, dass nur die Obrigkeiten der Kirche dazu berechtigt wären. Allerdings ging das Ausmaß der Auseinandersetzung weit über die Einsetzung der Bischöfe hinaus. Die Bischöfe hielten derart viel weltliche Macht in Händen, dass eine Abtretung der alleinigen Kontrolle über die Bischöfe an Rom gleichbedeutend gewesen wäre mit der Abtretung großer Teile des Reiches. Was der Papst wollte, „lief theoretisch auf die päpstliche Weltherrschaft hinaus“, schreibt Johnson.

Papst Gregor VII. zufolge „hatte sich die katholische Kirche noch nie geirrt, noch würde sie sich jemals irren.“ Der Papst verkündete, dass er allein die Befugnis habe, nicht nur die Bischöfe zu ernennen und mit ihnen zu arbeiten, sondern auch „neue Gesetze zu erlassen … Kaiser abzusetzen und Untergebene von ihrer Treuepflicht zu entbinden,“ erklärt Johnson.

Das ist eine perfekte realistische Verkörperung der das Tier reitenden Frau aus Offenbarung 17.

Eine derartige päpstliche Machtergreifung war für die deutschen Könige unannehmbar. Im Januar des Jahres 1076 rief Heinrich die Bischöfe aus Norditalien und Deutschland zusammen. Sie alle kamen überein, dem Papst nicht zu gehorchen und forderten Gregor sogar auf, abzudanken. Papst Gregor exkommunizierte den Kaiser und alle mit dem Kaiser verbündeten Bischöfe. Der Papst beanspruchte die Macht, Kaiser zu ernennen und zu entlassen und so war Heinrich nicht länger König der Deutschen.

Wer von den beiden die wahre Macht hatte zeigte sich bald. Heinrichs Adelige nahmen diese päpstliche Erklärung zum Anlass, sich gegen ihren König aufzulehnen. Innerhalb eines Jahres wartete ein reumütiger Heinrich barfuß im Schnee draußen vor der päpstlichen Residenz und bat um Vergebung. In der Symbolik der biblischen Prophetie katzbuckelte das Tier unterwürfig vor der Frau und bat um Verzeihung und Wiedereinsetzung.

Weil aber so viel auf dem Spiel stand, war die Auseinandersetzung nicht so schnell zu Ende. Der Papst setzte Heinrich im Jahr 1080 nochmals ab und exkommunizierte ihn wieder. Diese Runde des Kampfes gewann der Kaiser; Papst Gregor wurde aus Rom vertrieben und starb im Exil. Gregors Nachfolger aber blieben unnachgiebig in ihrem Widerstand gegen den politischen Herrscher. Es war eine brutale Auseinandersetzung und die katholische Kirche versuchte sogar mehrmals, deutsche Monarchen zu ermorden. „Unaussprechliche Grausamkeit war das Kennzeichen dieser Kämpfe auf Leben und Tod zwischen den Päpsten und Kaisern“, schrieb Johnson.

Schließlich kamen Papst Kalixtus II. und Kaiser Heinrich V. im Jahr 1122 in Worms zu einer Übereinkunft. Die Kirche erhielt die Kompetenz, ihre eigenen Bischöfe zu wählen, aber man kam überein, dass das in Gegenwart des Kaisers zu geschehen hatte. Das war ein Sieg für den Papst. Die Kirche konnte nun das Tier führen, solange sie das Reich nicht zu weit von seinem Weg abbrachte. Die Rivalität zwischen Papst und Kaiser blieb jedoch für den Rest dieser Wiederauferstehung des Heiligen Römischen Reiches bestehen, schwächte es und beschleunigte schließlich seinen Niedergang.

Der Vatikan vergaß die deutschen Könige nicht, die ihm die Stirn geboten hatten. Hunderte Jahre später, im 13. Jahrhundert, ließ die Kirche die Nachfahren dieser Könige einkerkern und hinrichten.

Eine der ungewöhnlichsten Aspekte von Offenbarung 17 ist, dass sie abgesehen von der Vorhersage der Einheit zwischen der Frau und dem Tier auch besagt, dass es Spannungen und Konfrontationen geben wird. Indem Offenbarung 17, 16 auf die letzte Wiederauferstehung des Heiligen Römischen Reichs zu sprechen kommt, wird dort auch bekundet: „Und die zehn Hörner, die du gesehen hast, und das Tier, die werden die Hure [die Katholische Kirche] hassen und werden sie ausplündern und entblößen und werden ihr Fleisch essen und werden sie mit Feuer verbrennen.“ Diese Schriftstelle besagt, dass es noch ein Zerwürfnis zwischen Kirche und Staat in dieser Endzeit geben wird.

Zur Zeit Heinrichs endete die Zusammenarbeit von Kirche und Staat nicht gut. Mit dem Zerfall des Ottonischen Reichs waren die Weichen gestellt für eine andere deutsche Königsdynastie, die Gunst des Vatikans in seiner Suche nach Weltherrschaft zu gewinnen. Diese königliche Linie würde schließlich 600 Jahre Geschichte überspannen! 

Fortgesetzt in Otto der Grosse – die Geburt des Deutschen Nationalismus (Zweiter Teil)

Hre De Ad