„Alle tun es“
„Aber alle tun es doch!“ Es scheint, irgendwann folgt jedes Kind diesem Grundprinzip. Wenn wir heranreifen, scheint die Idee, der Menge zu folgen, nicht so würdevoll – dennoch übt sie eine Anziehungskraft aus. Die menschliche Natur will irgendwo dazugehören. Das ist sicher der Grund, warum Gott die Notwendigkeit sah, Israel das Gesetz zu geben, wie es in 2. Mose 23,2 aufgezeichnet ist: „Du sollst der Menge nicht auf dem Weg zum Bösen folgen …“ Die Wahrheit ist: Ein „Alle tun es“ kann niemals etwas Falsches richtig machen.
Im frühen 20. Jahrhundert sprachen die Amerikaner im Allgemeinen nicht über Sex. Ein Professor der Indiana University namens Alfred Kinsey half dabei, das zu ändern. Sein Exposé von 1948 mit dem Titel Sexual Behavior in the Human Male sandte Schockwellen durch das Land und brachte Kinsey auf die Titelseite von fast jedem bedeutenden Magazin in Amerika. Auf Interviews mit 5300 Männern basierend, gab das Buch vor, riesige Unterschiede zwischen der öffentlichen Einstellung zum Sex und dem privaten Sexualverhalten zu enthüllen – es machte zum Beispiel geltend, dass mehr als die Hälfte der Männer (in manchen Gebieten viel mehr) sich einlassen auf Unzucht, Ehebruch, Verkehr mit Prostituierten, Homosexualität und andere, weit und breit streng verpönte Perversionen. Ein fünf Jahre später veröffentlichtes, gleichartiges Buch enthielt vergleichbare Enthüllungen über die weibliche Sexualität.
Im Grunde vernichteten diese Berichte die Vorstellung von „normalem“ Sexualverhalten. In der Tat kam Herr Kinsey zur Ansicht, dass es „nur drei Arten sexueller Abnormalitäten gab: Enthaltsamkeit, Zölibat und Spätheirat“ (Jonathan Gathorne-Hardy, Kinsey: Sex the Measure of All Things).
Ignoriert von Kinseys Nachfolgern – die es bis zum heutigen Tag gibt – sind die himmelschreienden Fehler in seinen wissenschaftlichen Methoden. Seine Interviewmethode verzerrte seine Stichproben sehr stark zugunsten von Singles, Geschiedenen, Personen mit Hochschulbildung und homosexuellen Personen, sowie Prostituierten (männlich und weiblich), Gefängnisinsassen und Triebverbrechern der schlimmsten Art – die kaum die breite Öffentlichkeit verkörpern. Noch schlimmer, manche seiner Daten bezüglich der Sexualität in Kindern wurden ausgerechnet von Pädophilen gesammelt, auf die Kinsey als „Partner“ und „wissenschaftlich ausgebildete Beobachter“ verwies.
Die Biographen des Professors haben die hässlichen Tatsachen bezüglich seines abnormalen persönlichen Lebens aufgedeckt: Eine Vergangenheit bis zurück zu seiner Jugend, die von zunehmend verdrehter Neugier und unaussprechlichen Perversionen getrübt war. Herr Kinsey war kaum der urteilsfähige, leidenschaftslose Sammler von Ursprungsdaten, zu dem ihn viele gemacht haben. Wie Daniel J. Flynn in seinem Buch Intellectual Morons schrieb: „Die Kinsey-Reporte waren kein Spiegel der Gesellschaft, den man ihr vors Gesicht hielt. Sie waren ein Spiegelbild ihres Hauptverfassers. Die Kinsey-Reporte waren Alfred Kinseys pathologische Pauschal-Beurteilung Amerikas.“
Kinseys grundsätzliche Philosophie bezüglich Sex wird in seiner Aussage, die er gemacht haben soll, angemessen repräsentiert: „Jedermanns Sünde ist niemandes Sünde. Und jedermanns Verbrechen ist überhaupt kein Verbrechen.“ Für Millionen von Amerikanern Mitte des 20. Jahrhunderts war diese freizügige und nicht beurteilende Betrachtungsweise eine willkommene Erleichterung. Sie beschleunigte den Abbau vieler Tabus und half die sexuelle Revolution anzukurbeln. Der Segen der „Wissenschaft“ und der irrtümliche Glaube, dass es schließlich „alle tun“, gaben den Horden von Menschen Erleichterung, während sie sich in verschiedene Sünden und Verbrechen vorwagten.
Wir erkennen eine ähnlich destruktiv wirkende Kraft innerhalb der heutigen Unterhaltung. Fernsehen und Filme stellen ein schrecklich verzerrtes und entschieden krankhaftes Bild der Sexualität dar. Abgesehen von seiner weiten Verbreitung ist – mit über 65.000 Bezugnahmen zum Sexualverhalten im amerikanischen TV jedes Jahr – Rundfunk-Sex unrealistisch: Es passiert fünfmal öfter zwischen unverheirateten Paaren als zwischen verheirateten; die am zweithäufigsten dargestellte sexuelle Erfahrung ist die mit Prostituierten; Homosexualität ist dominierend; Folgeerscheinungen vom Sex, wie Schwangerschaft, Krankheit und gestörte Beziehungen, werden fast nie gezeigt.
Besonders junge Menschen verstehen die Nachricht: Es muss doch in Ordnung sein, weil es alle tun. Eine im September veröffentlichte Studie der RAND Corporation zeigte, dass Teenager, die viele TV-Sendungen mit sexuellem Inhalt anschauen (selbst versteckte Anspielungen), im darauf folgenden Jahr doppelt so häufig Sex haben als jene, die kaum solche Filme sehen.
Im nach-Kinseyanischen Amerika ist es normale Praxis, die Massen zu befragen, um Richtig und Falsch zu bestimmen. Ein Beispiel: Pornographie ist im Allgemeinen geschützt als Redefreiheit; es wird das Gesetz nur dann verletzt, wenn ein Schwurgericht glaubt, dass „die Durchschnittsperson, in Anwendung der zeitgenössischen Maßstäbe der Gemeinschaft“, es obszön finden würde (Black’s Law Dictionary). Es ist offensichtlich, dass solche „Maßstäbe“, wie sie nun einmal sind, sich mit der Strömung ändern können.
Alfred Kinsey wird in vielen Kreisen immer noch als jemand angesehen, der der Gesellschaft aus der Dunkelheit unterdrückender sexueller Unwissenheit herausgeholfen hat. Sein betrügerisches Werk wird in modernen sexuellen Aufklärungsprogrammen, akademischen Arbeiten und Gesetzesjournalen regelmäßig zitiert und es wird oft darauf zurückgegriffen. Ein offener Blick auf die Früchte von Kinseys Betrachtungsweise zeigt jedoch, dass der von ihm unterstützte moralische Relativismus viel schlimmere Probleme geschaffen hat, als die, welche er vorgab zu beseitigen.
In seinem meisterhaften Buch, Die fehlende Dimension im Sexualwissen, bestätigte der Pädagoge Herbert W. Armstrong den vor-Kinseyanischen Mangel an Sexualwissen und das dadurch verursachte Leid. „Aber“, schrieb er, „die moderne Aufklärungslawine und die sexuelle Zügellosigkeit der ‚Neuen Moral‘ haben die westliche Welt vom Regen in die Traufe gebracht“. Mit Recht verband Herr Armstrong die Zunahme der öffentlichen Akzeptanz von Sexualität und die Lockerung der Moral mit dem Anstieg von Scheidungen und dem Zerfall des Familienlebens. Auch diese Tatsachen müssen als Teil von Kinseys Vermächtnis anerkannt werden.
Tatsache ist: „Alle tun es“ ist nichts als die Grundlage für Kompromisse. Es ist nicht die Grundlage für eine Moral, die unser Leben festigen kann. Recht und Unrecht sind absolut und unveränderlich – von dem einzigen, wahren Gesetzgeber bestimmt. Wenn Sie Gottes absoluten Standard bezüglich Sex kennen lernen wollen, der allein zu einem reichhaltigen und erfüllten Sexleben führen kann, bestellen Sie Ihr Gratisexemplar der Broschüre Die fehlende Dimension im Sexualwissen. ▪