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Die Posaune

Justinian und die Restauration des Römischen Reiches (Dritter Teil)

15.06.2017  •  Aus diePosaune.de
Das Heilige Römische Reich in der Prophezeiung - Kapitel zwei
 

Fortgesetzt von Justinian und die Restauration des Römischen Reiches (Zweiter Teil)

Talfahrt

Justinians Wiederbelebung des Römischen Reiches war nur von kurzer Dauer. Nur wenige Jahre nach seinem Tod begann die byzantinische Herrschaft über Italien zu zerbröckeln. Die Lombarden fielen im italienischen Festland ein und die Byzantiner konnten nur die Küstenstädte halten.
Die italienische Halbinsel war wieder zersplittert.

Auch wenn die imperiale Restauration ein Ende gefunden hatte und Italien wieder weitgehend zerfallen war, so fuhr eine zentrale Institution fort, ihre Gesetze und ihren Lebensstil aufrechtzuerhalten. Die katholische Religion, die Essenz der Restauration Justinians und des einstigen Römischen Reiches, blieben gesund am Leben.

In den nächsten zwei Jahrhunderten blieb die katholische Kirche, von Rom aus agierend, weiterhin eine einflussreiche Kraft in Italien und Westeuropa. Das wichtigste aber war, dass die Flamme vom Römischen Reich im Vatikan und in den Köpfen der Päpste und der katholischen Würdenträger weiterhin loderte. Der Vatikan beobachtete und wartete geduldig, wissend, dass sich irgendwann die Gelegenheit bieten würde, das Römische Reich wieder auferstehen zu lassen.

Vom fünften bis in das siebte Jahrhundert hinein erlangten germanische Stämme die Kontrolle über Nord-und Westeuropa – ehemals das Hoheitsgebiet des einstigen Weströmischen Reiches. Auch wenn diese Stämme die Herrschaft Roms ablehnten, so ist es doch bemerkenswert, dass sich Viele zu Roms Religion bekehrten. Außerdem gab das politische Machtvakuum in Westeuropa der römischen Kirche Gelegenheit, wie Paul Johnson schrieb, eine Gesellschaft „nach ihrem eigenen christlichen Abbild“ zu schaffen (op.cit.).

Nachdem nun der Katholizismus im ganzen ehemaligen Reich angenommen worden war, sah die Kirche ihre Chance gekommen, diesen Einfluss auch geltend zu machen. Westeuropa war ohne jede moralische und politische Autorität und Führung, somit war die katholische Kirche die einzige organisierte, wohlhabende und kultivierte Organisation.

Die folgende Feststellung von Paul Johnson ist bemerkenswert: Viele Städte im ganzen Reich überlebten den Zusammenbruch der imperialen Restauration „mit dem katholischen Bischof als oberstem Bürger und Entscheidungsträger“, schreibt Johnson. „Er organisierte die Verteidigung, kümmerte sich um die Marktwirtschaft, führte den Vorsitz bei der Rechtsprechung, verhandelte mit anderen Städten und Machthabern. … In einigen Fällen organisierten die Bischöfe den „zivilisierten“ Widerstand gegen die „Invasoren“. Viel öfter jedoch verhandelten sie mit ihnen, wobei sie manchmal sogar als deren Berater auftraten.“

Mangels einer starken politischen Führung wurde es der Römisch-Katholischen Kirche überlassen, die Rechtsstaatlichkeit zu entwickeln und aufrecht zu halten und Europas Ungebildete zu erziehen und zu bilden. Johnson fährt fort: „Als heidnische Gesellschaften besaßen alle diese Stammesverbände umfangreiche und althergebrachte Gewohnheitsrechtssysteme, nicht niedergeschrieben, sondern im Gedächtnis verankert, die langsam und gelegentlich entsprechend der Notwendigkeiten abgeändert wurden. Als die Kirche mit diesen barbarischen Gesellschaften in Kontakt kam und diese Leute dazu brachte, die Taufe oder, wie bei den Arianern, sogar die volle Gemeinschaft mit Rom zu akzeptieren, erstellten ihre Bischöfe fast unverzüglich Modalitäten zur Verknüpfung der christlichen Rechtsvorschriften mit den bestehenden heidnischen Rechtsbestimmungen.“

Zu diesem Zeitpunkt wurde Europa nicht von einer zen-
tralisierten politischen Regierung in Rom beherrscht; dennoch wurde es nach der Form und Gestalt des Römischen Reiches strukturiert. Von wem? Vom Vatikan und tausenden von Römisch-Katholischen Bischöfen, die über ganz Europa verteilt waren.

Johnson gibt als Beispiel das Edikt Rotharis an, das vom lombardischen König Rothari niedergeschriebene Recht. Dieses Edikt war nicht etwa auf Lombardisch, sondern auf Lateinisch verfasst, die Sprache Roms. Ein Teil seines Inhalts war direkt von Justinians Codex kopiert. „In diesem Gesetzbuch gab es nicht nur römische Elemente, sondern eine formelle Grundlage aus dem römischen Recht“, schreibt er. „Rothari war Arianer; aber sein Hofstaat war eindeutig unterwandert vom katholischen Klerus, und sein Gesetzbuch zeigt klar, dass sein politisches Denken und sein Rechtsbewusstsein sich auf einem moralischen Niveau bewegten, das ganz
offensichtlich das Resultat christlichen Einflusses war.

Die Kirche übernahm auch die Verantwortung für die Geschichtsschreibung. „Wenn auch die Kirche in den Köpfen der Barbaren mit der Zukunft gleichgesetzt wurde, so hat sie sich doch auch als Hüter und Deuter ihrer Vergangenheit etabliert“, schreibt Johnson weiter. „[Die] Kirche besaß von Anfang an ein Monopol auf die Geschichtsschreibung. Das war von überaus großer Bedeutung für ihren Erfolg darin, einen so tiefen Eindruck auf die Gesellschaft dieses dunklen Zeitalters zu machen.

Katholische Geistliche zeichneten die mündlich überlieferten Traditionen der Stämme auf. Im feudalen Europa waren katholische Mönche und Geistliche die Schreiber der Könige und Adeligen; sie waren verantwortlich für die Niederschrift und Aufbewahrung wichtiger Aufzeichnungen. Die Menschen begannen zunehmend, die Geschichte ihrer Völker mit den Augen der katholischen Kirche zu betrachten. Europäern wurde im frühen Mittelalter beigebracht, die Bekehrung ihrer Stämme zum Katholizismus als den Zeitpunkt des Übergangs von der Dunkelheit ins Licht zu verstehen.

Die Kirche brachte das Lernen und Wissen über die Vergangenheit in die nachrömische Welt. Klöster wurden zu Aufbewahrungsorten antiken Fachwissens, und sie überlieferten es dem mittelalterlichen Europa. Ohne eine zentralpolitische Führungsmacht hatte die Kirche ein Monopol auf Europas Kultur und Bildungswesen errichtet. „Das bot der Kirche eine einzigartige Gelegenheit, die Gesellschaft an ihren Wurzeln zu ergreifen. Sie hatte die Chance, nicht nur die Bildung voll unter ihre Kontrolle zu bringen, sondern auch den gesamten Bildungsprozess und den Inhalt und die Zielsetzung neu zu gestalten innerhalb eines christlichen Rahmens“, schreibt Johnson.

Das Fundament für diese Bildung wurde von Isidor, einem mächtigen katholischen Bischof, entwickelt. Das wurde „die Basis für das gesamte Bildungswesen im Westen für die nächsten 800 Jahre“, schreibt Johnson. Isidors Arbeiten „bestimmten sowohl die Unterrichtsmethoden als auch die Inhalte von der Grundschule bis zur Universitätsebene. Alles, was danach gelehrt wurde, war nur eine Ausgestaltung dessen, was er geschrieben hatte: Es war für den mittelalterlichen Geist vollkommen unmöglich, aus diesem System auszubrechen.“ Sein Werk basierte auf dem Fundament der antiken Welt, und es war das Wirken der katholischen Kirche, dass diese Ideen die moderne Welt erreichten.

Wir sehen es heutzutage als selbstverständlich an, freien Zugang zu Wissen aus Büchern, aus dem Internet und an den Universitäten zu haben. Im mittelalterlichen Europa war eine gute Schulbildung eher selten; ja sogar Bücher waren überaus rar. Die meisten Leute konnten weder lesen noch schreiben. Die einzige Wissensquelle, ob nun weltlich oder religiös, waren der katholische Priester und die örtliche Abtei.

Die Kirche lieferte auch praktisches Wissen aus den Ruinen Roms. Als Nachkommen von Roms führenden Familien waren die Bischöfe qualifizierte Landbesitzer und Experten in der Gutsverwaltung. „In den Augen der Barbaren waren die Kirchenleute ‚moderne‘ Landwirte, die Bücher führten, im Voraus planten und investierten“, schreibt Johnson. „Die Bistümer und Abteien bildeten gemeinsam den Kern der europäischen Landwirtschaft. Bischöfe und Äbte waren die innovative Elite der Gesellschaft.“

Die Mönche „retteten die Landwirtschaft, wenn niemand sonst sie retten konnte.“, erklärte Henry Goodell, Präsident der Landwirtschaftsschule von Massachusetts. „Sie betrieben Ackerbau unter neuen Lebensumständen und neuen Bedingungen, als niemand anders sich daranmachte, das in Angriff zu nehmen.“ Johann Lorenz von Mosheim vom Institut für antike und moderne Kirchengeschichte sagte: „Wohin auch immer sie kamen – sie verwandelten die Wildnis in kultiviertes Land: sie betrieben Viehzucht und Ackerbau, mühten sich ab mit ihren eigenen Händen, legten Sümpfe trocken und rodeten Wälder. … Sie kultivierten Deutschland und machten es zu einem fruchtbaren Land.“

Die Wahrheit ist, dass der Einfluss der katholischen Kirche auf die europäische Geschichte weit größer ist, als die meisten Menschen wissen. Heute unterschätzen wir das Ausmaß, wie Europa bis hin zum kleinsten Detail von der katholischen Kirche aufgebaut wurde!

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Auch wenn die katholischen Autoritäten zwischen dem sechsten und achten Jahrhundert beträchtlichen geistlichen, moralischen und kulturellen Einfluss hatten, so wussten sie dennoch, dass sie die Hilfe einer politischen und militärischen Macht brauchten, um eine allumfassende Vormachtstellung zu erlangen. Der Vatikan brauchte einen anderen Justinian, eine neue machtvolle Persönlichkeit, die zu einem neuen Kreuzzug anregen und ihn anführen konnte, um Europa zu einen und das antike Römische Reich wiederauferstehen zu lassen.

Papst Gregor I. war der erste der begann, solch einen Kämpfer im siebten Jahrhundert hervorzubringen. Johnson beschreibt Gregors Bemühen so: „Er dachte, die Zukunft läge in den „neu entstehenden Ländern“ nördlich der Alpen. Es war die Aufgabe des Bischofs von Rom, sie in das Christentum einzubringen und in das kirchliche System zu integrieren. Es hatte keinen Sinn, dem Imperium nachzutrauern. Er schrieb: ‚Der Adler ist kahl geworden und hat seine Federn verloren. … Wo ist der Senat, wo sind die alten Leute von Rom? Vorbei und gegangen.‘ … Gregor predigte eine grundlegende evangelikale Religion, frei jeglicher klassischen Komplexität und Eleganz; und er schickte seine Mönche aus, diese Religion den wilden, ungehobelten, germanisch sprechenden Kriegern mit langen Haaren, aber mit der Zukunft in ihren starken Armen, zu lehren“ (op.cit.).

Papst Gregor initiierte eine Allianz mit den „neu entstehenden Nationen nördlich der Alpen“, die während der nächsten tausend Jahre immer wieder zusammenwachsen und sich wieder voneinander trennen würden. Nachdem bis Mitte des achten Jahrhunderts die germanischen Stämme des nördlichen Europas zum Katholizismus bekehrt waren, war der Vatikan nun in der Lage, jenen Mann zu instrumentalisieren, der das Römische Reich wieder auferstehen lassen und für immer als Vater der europäischen Einigung angesehen würde. 

Fortgesetzt in Der Katholische Kalender

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