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Offene, schmutzige Geheimnisse
Die Gleichgültigkeit darüber ist entsetzlich. „Er liebte Partys und das Erzählen von Witzen; er machte eine üble Bill-Clinton-Imitation; er liebte es, über Sex zu reden; er musste aber ein bisschen vorsichtig sein. Als homosexueller Mann konnte er einen Freund zu privaten Partys mitbringen, sagen Freunde, aber wenn er auf offiziellen Cocktailrunden erschien, kam er alleine oder mit einer Frau.“
Dies ist die Newsweek-Beschreibung eines Mannes, der bis zum 29. September ein Kongressabgeordneter der Vereinigten Staaten war.
Untersuchungen über den Mark-Foley-Skandal deckten eine Kultur von windiger Toleranz gegenüber sexueller Korruption in der Hauptstadt der Nation auf. Foleys sexuelle Orientierung war ein „offenes Geheimnis“ in Washington, wo Homosexuelle akzeptiert sind, sogar in der für „Familienwerte“ bekannten Republikanischen Partei, solange sie nicht zu kokett, zu offen, zu schamlos sind. Für die Öffentlichkeit spielte Foley die Rolle.
Seine Homosexualität würde sein Amt überhaupt nicht bedroht haben – und vermutlich auch nicht seine jugendliche Geschmacklosigkeit oder sein Herumpoussieren – hätte er nicht den Einfluss seiner Position gebraucht, um einer unanständigen Beziehung mit einem jugendlichen Kongressdiener nachzugehen. Als der Skandal aufflog, trat Foley prompt zurück (obwohl er nicht strafrechtlich verfolgt wird, es sei denn, es wird bewiesen, dass er wirklich Sex mit minderjährigen Männern hatte). Jedoch sind die Politiker und Medien gleichermaßen schnell, ihre Überzeugung auszuposaunen, dass mit seiner Homosexualität nichts verkehrt ist – nur sein Nachstellen von Teenagern.
Als der vorherige amerikanische Präsident eine ehebrecherische sexuelle Beziehung mit einer Praktikantin des Weißen Hauses hatte, machte es einige Leute unbehaglich, aber es war kein Grund, ihn zu entlassen. Der Grund, aus dem William Jefferson Clinton angeklagt wurde (obwohl später vom Senat freigesprochen und erlaubt seine Präsidentschaft abzuleisten), war das Lügen unter Eid.
Scheinen diese unüberschreitbaren Linien nicht ein wenig eigenartig gesetzt? Bestimmte Details verwandelten eine kleine Sünde zu einem politischen Verbrechen: das Alter des Empfängers von einer obszönen E-Mail; Haarspalterei über das Wort „ist“. Inzwischen sind Ehebruch, die Verabredungen mit jungen Erwachsenen, homosexuelle Affären – einfach ein Teil des Lebens im Washingtoner Politikbetrieb. Offene Geheimnisse. Zwinkern, Zwinkern.
Die Idee ist, solange es der Fähigkeit eines Mannes zu regieren nicht schadet, ist es in Ordnung. Foley wurde in einigen Berichten gelobt für seine Liebe zur Partyszene, sogar für das Zeigen seiner krassen Seite. Bill Clinton, Ende 1998, im selben Jahr, in dem er angeklagt wurde, war auf der Liste einer CNN/USA-Today/Gallup-Umfrage als der am meisten bewunderte Mann des Landes registriert.
Aber sind wir so sicher, dass leichtfertiger Sex niemandem schadet? Keinen Schaden in der verlorenen Zeit und emotionaler Verwirrung im Versuch, Assistenten zu verführen und sie dann später fallen zu lassen – keinen Schaden in den gefährlichen Wassern der unbarmherzigen Politik zu navigieren, unter der Musterung der Presse und der Öffentlichkeit, während man erpressungswürdige Geheimnisse verbirgt – keinen Schaden, eine Sache zu sagen und eine andere zu tun, öffentlich den selbstlosen Diener zu spielen, während man privat an egoistischen Begierden nascht? Was ist die Auswirkung dieser Wollust auf die Moral der Mitarbeiter? Oder auf die hormonellen, leicht beeindruckbaren Junior-High-Schüler, die es in den Abendnachrichten mitkriegen? Keinen Schaden?
Die Wahrheit ist, es ist etwas schrecklich falsch mit dieser Nonchalance über Unmoral. Eine aufschlussreiche Episode der Geschichte illustriert diesen Punkt: die von König David.
Wenn eheliche Treue ein Kriterium dafür wäre, ein öffentliches Amt innezuhaben, würde David sich nicht qualifizieren. Er begehrte, beging Ehebruch und schwängerte eine Frau, und dann, um es zu vertuschen, sorgte er dafür, dass ihr Ehemann im Kampf getötet wurde. Hässliche Sache.
Im heutigen politischen Klima aber ist es schwierig zu sagen, was die negative Folgeerscheinung wäre. Wenn die Geschichte die Boulevardzeitungen erreicht hätte, würde sie sich wahrscheinlich lange in den Schlagzeilen halten, einfach wegen Davids gut publik gemachten Proklamationen, dass er Gott diente und Gottes Gesetze liebte – in denen Ehebruch selbstverständlich ein ernstes striktes Nein ist. Wenige Dinge erregen die Presse mehr als die Gelegenheit, Heuchelei bei einem Konservativen bloßzulegen. Aber würde es David aus seinem Amt werfen? Untreue ist nach heutigem Standard harmlos und es wäre lächerlich zu versuchen, eine Mordanklage dem Oberbefehlshaber anzuhängen, für den Befehl, einen Soldaten in die Schlacht zu schicken.
Aber Gott war nicht beeindruckt. Er konfrontierte David: Nach allem, was ich für dich getan habe, ist dies, wie du mir zurückzahlst? In Seinen Augen hatte David einen Mann mit den eigenen Händen getötet und seine Frau gestohlen. Als Strafe verdammte Er David zu einem Leben der Gewalt und Familienfeindseligkeit und dazu, dass seine eigenen Frauen von anderen Männern genommen würden. Du hast deine Tat im Geheimen begangen, klagte Gott ihn an, aber ich werde dich öffentlich bestrafen, vor den Augen der ganzen Nation.
Ist der Charakter eines Führers wichtig? Gott sagt eindeutig ja. Er erwartet ein aufrechtes Beispiel, eins, das Menschen zu größerer Tugend in ihrem eigenen Leben inspiriert. Er weiß, dass ein falsches Beispiel Gift für die Stimmung der Menschen und ihre Moral ist. Obendrein, wenn ein Führer, der behauptet Gott zu repräsentieren, einen Fehler macht, öffnet es ihn für die scheinheiligen Schreie von Heuchelei und setzt sogar Gott der Kritik aus. Gott schimpfte mit David: Durch das Begehen dieser Sünde hast du meinen Feinden großen Anlass gegeben, mich zu lästern! Darum die öffentliche Züchtigung. Gott wollte sichergehen, dass die ganze Nation wusste, er würde ein solches Benehmen nicht hinnehmen.
Wenn das Gottes Antwort an die führenden Politiker ist, die sündigen, dann repräsentiert Washingtons Nonchalance die Sicht des Teufels. Ja, es gibt noch Linien, die vorhanden sind und die, wenn sie überschritten und öffentlich aufgedeckt werden – sehr wahrscheinlich mit Wonne von politischen Feinden zu passender Zeit – einen Kongressabgeordneten zwingen können, zurückzutreten. Aber hinter diesen Linien ist eine Welt von lockeren Schandtaten. Offene Geheimnisse.
Interessanterweise klagte Gott David nicht an. Der König bereute tief, nahm die starke Korrektur von seinem Schöpfer an und legte sich wieder darauf fest, entsprechend dem Gesetz zu leben, das er liebte.
Er beendete sein Leben in großem Ansehen bei seiner (am Ende nur einer) Ehefrau, seinen Untertanen und seinem Gott. Die Heilige Schrift lobt ihn ehrenhaft, als einen Mann nach Gottes eigenem Herzen und prophezeit, dass er Israel wieder regieren wird in Gottes zukünftigem Königreich.
Was machte dieses spektakuläre Ende möglich? Gottes Zurechtweisung. In der heutigen Kultur von windiger Toleranz gegenüber sexueller Korruption unserer Führer, hätte König David nie eine Chance gehabt. ▪