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EITAN ABRAMOVICH/AFP/Getty Images

Lateinamerika hofft auf Deutschland

Der Besuch der deutschen Kanzlerin Angela Merkel erregte große Aufmerksamkeit in der Welt: Ist sie dabei, eine Allianz gegen Präsident Trump zu schmieden?

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel besuchte Lateinamerika vom 8. bis zum 11. Juni, kurz vor dem G-20 Gipfel in Deutschland. Die Medien wie auch die Staatschefs Argentiniens und Mexikos hießen sie als ihre neue beste Freundin erfreut willkommen in der Ära des Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump. Sowohl Europa als auch Lateinamerika sind besorgt, dass sie mit den USA einen lebenswichtigen Partner verlieren könnten und nähern sich nun einander an, um ihr Überleben abzusichern.

Am 8. Juni begann Angela Merkel ihre Reise mit einem Besuch in Argentinien. Da es Gerüchte gab, dass sie versuchen würde, eine Allianz gegen Trump zu schmieden, sagte Merkel während einer Pressekonferenz mit dem argentinischen Präsidenten, „Deutschland suche so wie andere auch, Verbündete für seine Anliegen.“ Sie betonte, dass es nicht als ein Versuch angesehen werden sollte, eine Allianz gegen Präsident Trump zu bilden. Trotzdem wurde ihr Besuch allgemein so verstanden.

Während des Treffens mit dem argentinischen Präsidenten äußerte die Kanzlerin Frau Merkel die Hoffnung auf einen baldigen Abschluss eines Freihandelsabkommens zwischen Europa und dem südamerikanischen Wirtschaftsbund MERCOSUR, mit den beiden Schwergewichten Brasilien und Argentinien. Die beiden Blöcke hatten bereits vorher an einem Handelsabkommen gearbeitet, aber Präsident Trumps Isolationismus hatte beide Partner genötigt, zu einem schnellen Abschluss zu kommen.

Die deutsche Wirtschaftszeitung Handelsblatt berichtete über die Allianz und schrieb: „Dadurch würde eine zollfreie Zone mit über 800 Millionen Menschen entstehen. Durch die Unsicherheit wegen der US-Handelspolitik unter Präsident Trump könnte gerade der Handel mit Südamerika einen neuen Aufschwung erfahren.

Viele deutsche Firmen hatten sich vorher schon in Argentinien angesiedelt, aber Macri’s Amtsvorgängerin, Cristina Fernández de Kirchner, vertrat international eine Politik der Isolation, was eine Zusammenarbeit der beiden Länder erschwerte. Deutsche Firmen hoffen nun auf eine bessere Zusammenarbeit. Merkel begrüßt die jüngste Öffnung Argentiniens und sieht Argentiniens Bedarf an einer modernen Infrastruktur, und dabei könne Deutschland ein guter Partner sein, sagte Merkel während ihres Besuchs.

Am Freitag, dem 9. Juni, landete Merkels Flugzeug in Mexiko, Europas wichtigster Handelspartner in Lateinamerika. Aber die guten Beziehungen beider Länder sehen sich durch Präsident Trumps Drohungen gegen Mexiko in Gefahr. Deutschland und Mexiko sind die beiden Länder, die Herr Trump am meisten kritisierte. Aber weit mehr als Deutschland hängt Mexikos wirtschaftliches Überleben von der Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten ab, da etwa 80 Prozent seiner Exporte an seinen Nachbarn im Norden gehen.

Deutschland profitiert auch von Mexikos wirtschaftlicher Lage. Weil aber Trump droht, das zu ändern, suchen beide Länder nach anderen Wegen, ihre Zusammenarbeit zu verbessern. Lateinamerikas zweitgrößte Volkswirtschaft ist als Investitionsstandort für Unternehmen aus der ganzen Welt beliebt und hat sich im freien Handel als verlässlicher Partner erwiesen. Handelsblatt berichtete am 11. Juni: „Mexiko bietet ausgesprochen gute Bedingungen für deutsche Unternehmen. Geringe Löhne, hohe Produktivität in Sektoren wie der Automobilproduktion und die besondere Nähe zu den USA machen das Land attraktiv.“

Aber Mexiko braucht dringend einen neuen Handelspartner, um seine wirtschaftliche Lage abzusichern. Deshalb versprach Merkel ein runderneuertes Freihandelsabkommen zwischen Mexiko und der EU „möglichst noch in diesem Jahr.“

Die Berichterstattung in den Medien sowohl in Deutschland als auch in Lateinamerika zeigen, dass die Erwartungen an diesen Treffen hoch sind. Auch wenn Frau Merkel ihr Bestes gibt, um nicht als Alternative zu Trump gesehen zu werden, ist es ihr anscheinend nicht möglich, den Titel neuer Anführer der freien Welt wieder loszuwerden. „Mexiko sieht die politische Führerschaft von Frau Merkel nicht nur in Europa“, sagte der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto in ihrer Gegenwart.

Merkel betonte auch, dass ein Mauerbau zur Abwehr von Emigranten, wie Präsident Trump ihn plant, (wenn sie auch seinen Namen nicht erwähnte) keine Lösung des Problems sein könne. Stattdessen, sagte sie, müsse man die Gründe dafür herausfinden, weshalb die Leute auswandern und das Problem an der Quelle lösen. Nach der ständigen Kritik Trumps an Mexiko wurden Merkels Worte als großer Trost empfunden.

Auch die knapp 1.900 deutschen Unternehmen, die Trump und seinen ständigen Drohungen trotzen, setzen große Hoffnungen in Merkels Besuch. Trotz der problematischen Beziehungen zu dem Nachbarn im Norden hegen die deutschen Firmen große Hoffnungen. Ein großer Teil plant sogar, dieses Jahr mehr Mitarbeiter anzustellen und die Investitionen in dem Land zu erhöhen, wie aus dem von der Deutschen Industrie-und Handelskammer in Auftrag gegebenen „World Business Outlook“ hervorgeht. Eine Mehrheit von 65 Prozent glaubt sogar, dass ihr Geschäft in den nächsten 12 Monaten erheblich wachsen werde.

Das Timing von Frau Merkels Treffen ist ebenso für sie entscheidend. Der G-20 Gipfel in diesem Jahr wird in vier Wochen in Hamburg, Deutschland, stattfinden. Mexiko, Argentinien und viele andere Nationen, die an dem Gipfel teilnehmen, achten jetzt auf ihre Führung und Richtung in dieser unsicheren Zeit. Mit ihrem Besuch hat sie sich der Unterstützung zweier wichtiger Partner in einer Allianz versichert, die nötigenfalls auch ohne die USA auskommen kann.

Das Magazin Plain Truth schrieb im Jahr 1962: „Die Vereinigten Staaten werden ins Abseits gedrängt, während zwei riesige Handelsblöcke, Europa und Lateinamerika, sich verbünden und anfangen, im Welthandel den Ton anzugeben.“ Heute erleben wir, wie das Wirklichkeit wird. 

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