Erhalten Sie jeden Wochentag einen kostenlosen Nachrichtenüberblick in Ihrem Posteingang – die Posaune Kurzmitteilung.

13668

HOANG DINH NAM/AFP/Getty Images

Herrschaft über das Meer: China missachtet Grenzen

Während Chinas Küstenwache seine Nachbarn einschüchtert, sieht Amerika zu.

Am Samstagabend, um 22.00 Uhr, hat ein indonesisches Spezialeinsatzkommando ein chinesisches Fischerboot am südlichen Ende des Südchinesischen Meeres abgefangen. Der Zwischenfall ereignete sich in der ausschließlichen 200-Meilen Wirtschaftszone Indonesiens vor den Natuna-Inseln, die weit vom chinesischen Festland entfernt sind.

An Bord des chinesischen Schiffes waren neun Besatzungsmitglieder, die alle von den leicht bewaffneten indonesischen Kräften in Gewahrsam genommen wurden. Das indonesische Schiff, zusammen mit dem chinesischen Schiff im Schlepptau, begann seine Reise zurück zu einem indonesischen Stützpunkt auf einer der Natuna-Inseln.

Um Mitternacht, als beide Schiffe die indonesischen Hoheitsgewässer erreichten, wurden sie jedoch von einem Dritten abgefangen.

Ein Schiff der chinesischen Küstenwache, das dem indonesischen Schiff gefolgt war, hat sie abgefangen. Es rammte das chinesische Fischerboot, um ein klares Signal an die Indoneser zu senden.

„Um irgendwelche anderen Zwischenfälle zu verhindern, haben die indonesischen Behörden das chinesische Boot frei gelassen und fuhren dann Richtung Natuna, mit den acht Fischern und dem Kapitän immer noch an Bord“, sagte Arrmanatha Nasir, ein Sprecher des indonesischen Außenministeriums.

China gab an, dass das chinesische Fischerboot in „traditionellen chinesischen Fanggründen unterwegs war“, und dass das eingreifende chinesische Küstenwachschiff keine indonesischen Gewässer verletzt habe.

Chinas unverhohlene Verletzungen der internationalen Grenzen – ob es auch in diesem Fall zutraf oder nicht – sind wohlbekannt, genauso wie ihre Mobbing-Taktiken.

Im März 2013 hat ein indonesisches Schiff des Ministeriums für Seefahrt ein chinesisches Fischerboot im selben Gebiet um Natuna abgefangen. Auch diesmal war das indonesische Patrouillenboot von einem chinesischen Schiff, das mit montierten Maschinengewehren und leichten Kanonen bewaffnet war, konfrontiert worden. Und die Reaktion ähnelte dem Vorfall vom Samstag; die Indonesier gaben nach und ließen das Schiff sowie die Fischer frei.

Von solchen Vorfällen hört man selten außerhalb Südostasiens, weil China Indonesiens größter Handelspartner ist. Diese Aggressionen werden unter Verschluss gehalten, damit Indonesien nicht die Hauptlast von Chinas Wirtschaftszorn zu spüren bekommt.

Allerdings wurde der neueste Streit nicht beigelegt. Auch nicht die Vorfälle mit anderen Nationen in der Region.

Philippinische Fischer haben wiederholt die Vereinten Nationen aufgefordert einzugreifen; sie sagten, China würde sie belästigen und sie ihrer Existenz berauben. Ähnliche Probleme gibt es zwischen China und anderen Nationen, die die Gewässer des Südchinesischen Meeres teilen.

Viele Probleme sind das Ergebnis von Chinas umstrittener „roter Linie“, die sich durch das Südchinesische Meer zieht, wobei China mehr als 90 Prozent der Region für sich selbst beansprucht. Dies hat zu einer steigenden Anzahl von Zusammenstößen und Streitigkeiten mit den Nachbarn Chinas geführt.

Ein Teil von Chinas selbst geforderten Eigentumsrechten erstreckt sich über die ausschließlich Indonesische Fischereizone rund um die Natuna-Inseln. Indonesien hat keinen Anspruch auf irgendeinen anderen Teil des Südchinesischen Meeres. Während China Indonesiens Gebietshoheit an den Natuna-Inseln anerkannt hat, erkennt es offenbar keine ausschließlichen Wirtschaftszonen an.

China hat die Kontrolle über zahlreiche Riffe und kleinere Inseln im Südchinesischen Meer übernommen – einige sind wichtige militärische Standorte und andere sind bedeutende Fischfanggründe.

Zum Beispiel das Scarborough-Riff, das China nach einem Konflikt mit den Philippinen unter seine Kontrolle brachte, liegt nur 120 Meilen von der philippinischen Subic-Bucht entfernt – die einst die Heimat eines großen US-Marinestützpunktes war. Dann sind da noch die Spratly- und Paracel-Inseln. So wie Chinas Kontrolle über diese Inseln und Untiefen zunimmt, steigt auch die Anzahl der Vorfälle mit chinesischen Militärschiffen.

Die neueste Konfrontation zwischen Indonesien und China zeigt, wie Peking seine Küstenwache benützt, um – in einigen Fällen sogar im wahrsten Sinne des Wortes – seine Rivalen aus der Region zu verdrängen.

Rechnen Sie damit, dass solche Vorfälle weiterhin geschehen werden, während China um eine umfassendere Kontrolle kämpft. Bislang sind die Vorfälle mit wütenden Diskussionen und Verurteilungen entschärft worden, aber dabei wird es nicht bleiben. China wird seinen Anspruch auf das Südchinesische Meer und auf seine Präsenz dort erhöhen. Nachdem Peking jetzt Waffen auf seine künstlichen Inseln bringt wird klar, in welche Richtung China geht.

Der Angriff auf das indonesische Schiff reflektiert Chinas Wunsch nach Vorherrschaft und zeigt die aggressive Politik, die es betreibt, um dies zu erreichen. Weitere Informationen über die Militarisierung, das Mobbing und die Übergriffe Pekings im Südchinesischen Meer finden Sie in unserem englischen Artikel „How the World Changed in 2015 in Asia“ (Wie die Welt sich in Asien im Jahre 2015 verändert hat).