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Emmanuel Macron und Frankreichs Kreuzritter

LUDOVIC MARIN/POOL/AFP via Getty Images

Emmanuel Macron und Frankreichs Kreuzritter

Mit seiner Reise nach Jerusalem hatte der französische Präsident Emmanuel Macron wiedermal die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Aber das große Interesse war nicht seinem Treffen mit israelischen und palästinensischen Anführern gewidmet, noch seiner Rede zum Jahrestag der Auschwitz-Befreiung, sondern seinem Streit mit einem israelischen Sicherheitsbeamten. Doch trotz der vielen Berichte, wurde nicht erkannt was dieser Streit über Macrons Gesinnung offenbarte.

Zum Vorfall kam es am 22. Januar vor der St.-Anna-Kirche. Bevor Macron in die Kirche ging sagte er auf Englisch zu einem begleitenden Sicherheitsbeamten: „Jeder kennt die Regeln. Ich mag nicht, was Sie vor mir gemacht haben. Gehen Sie raus.“ Diese Regeln gäbe es bereits „seit Jahrhunderten“ sagte Macron und fügte hinzu „Bei mir werden sie sich nicht ändern, das kann ich Ihnen sagen.“

Die meisten Medien haben richtig erkannt, dass die christliche Kirche in Jerusalems Altstadt französischer Besitz ist. Macron wollte dies scheinbar noch einmal der ganzen Welt verdeutlichen. Der Bau wurde von dem Osmanische Sultan Abdülmecid in 1856 an Kaiser Napoleon III. übergeben. Die Übergabe galt als Dank für Frankreichs Unterstützung beim Krimkrieg.

Aber die Jahrhunderte von denen Macron sprach gehen noch weiter zurück. Die St.-Anna-Kirche wurde zwischen 1131 und 1138 von den Kreuzrittern zu Ehren der Jungfrau Maria erbaut. Die meisten Berichte haben dieses Detail nicht erwähnt. Überhaupt scheinen die wenigsten heutzutage zu wissen was es mit den Kreuzrittern wirklich auf sich hatte.

Aber, für die Geschichtskenner sollte es höchst seltsam erscheinen, dass Macron am Tag vor der Holocaust Gedenkveranstaltung in Jerusalem, das Erbe der Kreuzritter vehement verteidigte. (Bestellen Sie kostenlos Das Heilige Römische Reich in der Prophezeiung, wenn Sie selbst mehr über diese Geschichte erfahren möchten).

Bevor die Kreuzritter nach Jerusalem zogen, hatten sie bereits Nichtchristen in Nord- und Osteuropa verfolgt und blutige Pogrome gegen Juden geführt. Der Bau der St.-Anna-Kirche in Jerusalem war ein Höhepunkt für die Kreuzritter. Zu dieser Zeit wurde auch der Titel „König von Jerusalem“ beliebt, den Kaiser des Heilligen Römischen Reiches noch Jahrhunderte später für sich beanspruchten.

Bis heute gilt die St.-Anna-Kirche als eines der prachtvollsten Bauwerke aus der Zeit der Kreuzritter. Aber sie wurde auf dem Blute derer gebaut, die sich nicht dem Heiligen Römischen Reich unterordnen wollten. Statt einen Streit mit einem israelischen Sicherheitsbeamten anzufangen und so die Geschichte der Kreuzritter zu ehren, hätte Macron sich vielleicht besser auch für diese Zeit in der französischen Geschichte entschuldigen sollen.

DAS HEILIGE RÖMISCHE REICH IN DER PROPHEZEIUNG

Das Heilige Römische Reich hat grundlegende und tiefgreifende Beiträge zur westlichen Zivilisation geleistet – aber seine vielen Wiedergeburten waren auch von schmerzlichen und katastrophalen Folgen begleitet. Europäische Staats- und Regierungschefs haben sich zum Ziel gesetzt, den zersplitterten europäischen Kontinent zu vereinen, indem sie das Vermächtnis dieser außergewöhnlichen Kirche-Staat-Beziehung wiederbeleben. Eine der großen Lektionen dieses Reiches ist, dass es immer wieder zurückkommt. Es gibt jedes Mal eine andere Auferstehung. Das Heilige Römische Reich ist nicht nur ein Relikt der Geschichte. Es ist im Begriff, eine zentrale Rolle im Weltgeschehen zu spielen. Wenn man die Natur und den Charakter dieser mächtigen Institution verstehen lernt, dann verrät es einem genau so viel über die Zukunft wie auch über die Vergangenheit.