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Eine bestürzend rasche Radikalisierung
Vor noch nicht einmal zwei Jahren war Ägypten ein Verbündeter des Westens, regiert von einem Mann, der die Muslimbruderschaft verboten und den politischen Islam in Schach gehalten hatte. Heute hat Ägypten einen Muslimbruderschaft-Präsidenten; sein säkulares Militär wurde neutralisiert; seine Militärführung wurde durch Muslimbruderschaft-Gleichgesinnte ersetzt; und es droht eine neue, von Radikalen entworfene Verfassung zu bekommen.
All das geschah in weniger als zwei Jahren!
Westliche Experten – vor allem innerhalb der Obama-Administration –, die von der Muslimbruderschaft schwärmten, sie sei eine gemäßigte politische Kraft, mit der gearbeitet werden könne – werden täglich von den schockierenden Nachrichten aus Ägypten widerlegt.
Mehrere arabische Websites haben über die Barbarei berichtet, mit der die Muslimbruderschaft Gegner von Präsident Mohammed Mursi behandelt. Raymond Ibrahim vom Nahostforum übersetzte einige dieser Quellen. Eine von ihnen, die ägyptische Website El Balad, berichtete darüber, als sich im August einer von den bekannten Präsidenten-Kritikern mit seinen Anhängern um den Palast des Präsidenten versammelte, dass sie von Anhängern der Muslimbruderschaft flankiert wurden, welche „sie mit Stöcken, Messern und Molotowcocktails angriffen, einige von ihnen an Bäumen kreuzigten, was zwei Todesopfer und Dutzende von Verwundeten forderte“ (Hervorhebung durchweg hinzugefügt). Bald nachdem Ibrahims Artikel erschienen war, behaupteten einige Skeptiker, dass die Geschichte ein Schwindel wäre. Doch die Information wurde von einer Anzahl unabhängiger Quellen bestätigt. Eine andere Quelle schrieb: „Ein arabischer Korrespondent von Sky News in Kairo bestätigte, dass Demonstranten, die der Muslimbruderschaft angehörten, jene, die gegen den ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi waren, nackt an Bäumen vor dem Präsidentenpalast kreuzigten, während sie andere misshandelten.“
Willkommen im neuen Ägypten. So viel zu der Hoffnung, dass die Vertreibung von Präsident Hosni Mubarak zu größerer Freiheit führen würde.
In Wirklichkeit nutzt die Bruderschaft die Gesetze voll aus, die Mubarak Kontrolle über die ägyptischen Medien gaben. Die Bruderschaft hat bei den größeren staatseigenen Zeitungen ihre eigenen Herausgeber eingesetzt. Die zweitgrößte Zeitung, Akhbar Al-Youm, wird von einem Nachkommen des Gründers der MB geführt. Präsident Mursi hat auch ein Mitglied der Muslimbruderschaft zu seinem neuen Informationsminister ernannt. Jetzt leitet die Bruderschaft ihre schlimmste Energie gegen Journalisten und Medienstellen, die als kritisch gegenüber Präsident Mursi gelten.
Am 8. August stürmten Tausende von MB-Anhängern die Medienproduktionseinrichtungen des „6. Oktober“, eines bedeutenden Medienkomplexes in Kairo; sie verschlossen die Türen und es kam zu tätlichen Angriffen auf mehrere Journalisten. Ägyptische Behörden haben die Al-Faraeen-Fernsehgesellschaft geschlossen und beschuldigen ihren Eigentümer zu Unrecht, zu Mursis Ermordung aufgerufen zu haben, und haben gegen ihn ein Reiseverbot verhängt. Sie entfernten Ausgaben der den Christen gehörenden Zeitung Al-Dustour aus Zeitungsständern und verdammten sie wegen angeblicher „Verletzung des Präsidenten durch Phrasen und Wortwahl, die nach dem Gesetz strafbar sind“. Und warum? Die Zeitung brachte auf der Titelseite einen Leitartikel mit der Warnung, dass die Muslimbruderschaft in Ägypten die Macht übernehmen würde.
Den Worten Ibrahims zufolge sagen arabische Webseiten, dass „diese Angriffe Teil der Kampagne der Muslimbruderschaft sind, um Ägyptens säkulare Medien einzuschüchtern und auf diese Art durch Zensur daran zu hindern, die islamistischen Absichten der Gruppe aufzudecken …“ Wie ironisch. Entschlossen, nicht radikal zu erscheinen, bedient sich die Bruderschaft der radikalsten Einschüchterungstaktiken.
Die Schnelligkeit von Mursis Zügen, um seine Macht zu konsolidieren und auszudehnen, hat sogar pessimistische Beobachter überrascht. Er sprach während seiner Kampagne unverhohlen über Demokratie, versprach Toleranz und Freiheit. In seiner Antrittsrede erklärte er: „Wir überbringen der Welt eine Friedensbotschaft.“ Doch seitdem hat er einen völlig anderen Charakter gezeigt. „Er beabsichtigt, schon bald viele von den 27 ägyptischen Provinz-Gouverneuren durch Bruderschafts-Mitglieder oder Sympathisanten der Gruppe zu ersetzen und das Gerichtswesen von den Richtern zu säubern, die bekanntlich seiner Politik entgegenstehen, gemäß den Insidern, die mit Mursis Überlegungen vertraut sind“, schrieb die Associated Press. „Sie äußerten sich anonym, weil sie Repressalien befürchteten“ (14. August).
Ihre Ängste sind offensichtlich berechtigt.
Die Al-Azhar-Universität in Kairo, welche Ibrahim als „Ägyptens maßgebendste islamische Institution“ bezeichnet, erließ eine Fatwa (islamisches Rechtsgutachten, Anm. der Red.) gegen Kritiker der Bruderschaft, indem sie Gewalt gegen die Kritiker als „eine religiöse Verpflichtung“ bezeichnete. Der radikale Geistliche Wagdy Ghoneim erstellte eine Fatwa, die ausdrücklich den Mord an Demonstranten gegen die Bruderschaft billigt; und Scheich Hashem Islam rief gleichfalls zum Mord an ihnen auf. „Widersteht ihnen; wenn sie euch bekämpfen, schlagt zurück, wenn sie euch töten, dann seid ihr im Paradies, wenn ihr sie tötet, gibt es kein Blutgeld“, zitierte ihn Egypt Independent.
Eine weitere Gruppe, die unter dem neuen Islamisten-Regime leidet, sind die koptischen Christen. Die gewalttätige Diskriminierung gegen sie hat rasch zugenommen. Ende August verteilten islamistische Gruppen in Ägypten Flugblätter, die zur Tötung von Kopten aufriefen, in denen sie als „Feinde der Religion von Allah“ bezeichnet wurden. Seitdem haben muslimische Horden ungestraft Dörfer der Kopten angegriffen, deren Besitz niedergebrannt, geplündert und sogar Christen ermordet. In der kurzen Zeit seit der Wahl Mursis zum Präsidenten sind, wie verlautet, mehr als 100.000 Kopten aus Furcht aus dem Land geflüchtet.
Leider weisen alle Zeichen darauf hin, dass die Brutalität und das Leid sich in Mursis Ägypten intensivieren werden. Wie Raymond Ibrahim schrieb: „Unter der Muslimbruderschaft in Ägypten wurde die Flasche entkorkt und der islamische Geist entfesselt. Rechnen Sie damit, dass es noch viel schlimmer kommen wird.“ ▪