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Arif Ali/AFP/Getty Images

Ein Terrorist stirbt – ein Drache breitet sich mehr und mehr aus

Osama bin Ladens Tod lenkt die Aufmerksamkeit auf ein weiteres Zeichen einer Verschiebung der Weltordnung.

Osama bin Ladens Tod machte eines klar: Das Verhältnis zwischen Amerika und Pakistan ist gestört.

Einige hochrangige Pakistanis müssen gewusst haben, dass Amerikas Staatsfeind Nummer eins jahrelang sein Lager im Blickfeld aller hatte – in Reichweite der Pakistanischen Militärakademie, etwas außerhalb der Hauptstadt.

Kein Wunder dann, dass, als Washington entschied, es an der Zeit wäre, Bin Laden am 2. Mai auszuschalten, es auch nicht die pakistanische Regierung über den Angriff informierte. CIA-Direktor Leon Panetta sagte, dass er „die Mission nicht gefährden wollte. Man hätte die Ziele warnen können.“ Autsch. Nicht gerade eine deutliche Bekräftigung von Amerikas „Verbündetem“ im Krieg gegen den Terror.

Pakistan „entschuldigte“ sich, den Drahtzieher des Terrors beherbergt zu haben, indem es die USA schalt, weil sie nicht die Erlaubnis eingeholt hatten, ihn zu töten. Premierminister Yousuf Raza Gilani warnte, dass zukünftige amerikanische Angriffe innerhalb Pakistans mit „voller Kraft“ abgewehrt werden könnten.

So steht es also mit den Beziehungen, nachdem Amerika im letzten Jahrzehnt mehr als 18 Milliarden Dollar in militärische und zivile Hilfe nach Pakistan gepumpt hat. Die Zeichen deuten an, dass Pakistan es satt hat und bereit ist, das Verhältnis zu beenden.

Andere Zeichen zeigen, dass dies der Fall sein könnte, weil es einen anderen mächtigen Freier hat, der Amerikas Stelle einzunehmen gedenkt.

Ein alter Verbündeter

Am 17. Mai begann Premierminister Gilani einen viertägigen Besuch bei einem alten Verbündeten – einer, der angesichts der Schwierigkeiten seiner Nation mit den USA, immer bedeutsamer erscheint: China.

Peking umwirbt Pakistan zurzeit ziemlich aggressiv. Es erwartet, dass Amerikas Anwesenheit in der Region bald schrumpft und will diese Lücke nicht nur in Pakistan, sondern auch in Afghanistan und den angrenzenden Staaten füllen. Chinas Bemühungen scheinen bisher ziemlich erfolgreich zu sein.

Im April, noch bevor Bin Laden getötet worden war, tauchte ein bemerkenswerter Bericht auf, der diesen Trend unterstrich. Gilani besuchte Afghanistan, und laut späterer Äußerungen von afghanischen Beamten dem Wall Street Journal gegenüber, „erklärte er dem afghanischem Präsidenten Hamid Karzai unverblümt, dass die Amerikaner sie beide fallengelassen hätten“ (27. April). Die Washington Post schrieb, dass Pakistans Position die sei, „dass die Militärstrategie der USA keine Aussicht auf Erfolg hätte, dass ihre Truppen die Region vielmehr zum Widerstand herausforderten und dass die afghanische Regierung alle Vereinbarungen vermeiden sollte, die die langfristige Errichtung von US-Militärstützpunkten in Afghanistan ermöglichten“ (28. April). Ist das der Tenor von Jemand, der seine Verbindungen zu Washington aufrechterhalten will?

Aber hier ist der Clou: Gilani riet Karzai dann, neue Verbündete zu suchen – speziell China.

Es ist offensichtlich, dass Pakistan sich auf ein Scheitern der USA in Afghanistan vorbereitet. Oder glauben Sie, dass Gilani Washington gegenüber so abweisend wäre, wenn er nicht überzeugt wäre, dass China fähig und bereit ist, die Stelle der USA einzunehmen?

Diese zwei Länder feiern den 60. Jahrestag ihrer Beziehung damit, dass sie diese zum Erblühen bringen. China hat sich bereit erklärt, während der nächsten fünf Jahre bis zu 30 Milliarden Dollar in Pakistan zu investieren. Es exportiert bedeutsames Rüstungsmaterial dorthin. Es unterstützt Pakistans Atomkraftindustrie; in der Tat, es half Pakistan im Jahre 1998, eine Atommacht zu werden.

Nach der Tötung Osama bin Ladens war China die einzige bedeutende Macht, die für Pakistan eintrat. Gilani antwortete damit, dass es China als Pakistans „wetterfesten Freund“ bezeichnete.

„Pakistan sieht in Peking einen unkritischen Freund, der bereit ist, Hilfe, Investitionen und militärischen Beistand zu leisten“, berichtete Associated Press am 17. Mai. „Für die Machthaber in Peking bieten Verbindungen zu Pakistan und anderen Ländern in seinem Umkreis die Möglichkeit für ein größeres diplomatisches Profil, besseren Zugang zu Ressourcen und eine größere Stabilität von Verbündeten, um die US-Souveränität herauszufordern.“

Dies ist wichtig zu erkennen: Chinas Freien um Pakistan stimmt mit seiner größeren Strategie überein.

Das Gesamtkonzept

China dehnt seine Präsenz als ökonomisches Machtzentrum rapide in vielen Ländern weltweit aus. Es nutzt seine enormen Barmittel zur Finanzierung von Krediten, um Verbindungen zu bedürftigen aber ressourcenreichen Nationen herzustellen, und um global die nötige Infrastruktur aufzubauen und zu kaufen, um sein eigenes rasantes Wachstum zu nähren. Da 85 Prozent seines Handels seegestützt sind, war eine seiner obligaten Lieblingsbeschäftigungen, Häfen und Meerestore überall in der Welt aufzukaufen.

China sucht insbesondere größere strategische Kontrolle über den Indischen Ozean, die wichtige See-Route zum Nahen Osten. Die Straße von Hormus, der Eingang zum Persischen Golf, ist eines der strategischsten Meerestore der Erde; 13 Millionen Fässer Nahost-Öl durchlaufen täglich diese Passage. China begehrt Zugang und Pakistan bietet die perfekten Möglichkeiten.

Bereits im Jahr 2002 legte China den Grundstein für ein Gemeinschaftsprojekt mit Pakistan, um einen bedeutenden Tiefseehafen in der pakistanischen Küstenstadt Gwadar zu bauen. Dieser wurde im Jahr 2008 fertiggestellt. Jüngste Berichte weisen darauf hin, dass die Chinesen jetzt eine Ölpipeline bauen wollen, die von dort direkt in ihre eigene Provinz Xinjiang führt.

Gwadar ist als das „chinesische Gibraltar“ bezeichnet worden. Dieser Hafen verbessert Chinas Handelszugang zum Nahen Osten, nach Zentralasien und Europa. Zu Beginn des Projektes versuchte China, Besorgnisse unter seinen Rivalen mit der Behauptung, dass der Hafen nur für den Handel verwendet würde, zu zerstreuen. Doch jetzt erklärt der pakistanische Verteidigungsminister, dass Pakistan China um technische und finanzielle Hilfe ersucht hat, um den Hafen zu einem Flottenstützpunkt auszuweiten. Während China noch nicht bestätigt hat, dies zu tun – vielleicht um die Anheizung von Spannungen mit Indien, das eine chinesische Einkreisung befürchtet, zu vermeiden – ist es dennoch klar, dass die militärische Kooperation zwischen China und Pakistan zunimmt.

Zum jetzigen Zeitpunkt mag es sein, dass Peking damit zufrieden ist, Gwadar als einen befreundeten Hafen zu erhalten, nutzbar für Flottenbesuche, zur Instandhaltung und zum Auftanken, sowie als eine kommerzielle Verbindungslinie für den Import von Mineralen aus Pakistan und so fort. China ist bekannt für sein langfristiges Weltbild – und für seine Geduld bei der Erreichung von außenpolitischen Zielen. Bestimmte Weltereignisse jedoch – wie der Aufstieg einer dominanteren europäischen Macht – könnten asiatische Nationen rasch dazu beflügeln, ihre Kräfte zu vereinen und Chinas Zeitplan hinsichtlich seiner Flottenpräsenz an Orten wie Gwadar zu beschleunigen.

Letztendlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis die chinesische Kriegsflotte Präsenz an der Türschwelle zum Nahen Osten zeigt.

Die Bibel-Prophezeiung spricht von einem gewaltigen Krieg – der diese Welt schon sehr bald erschüttern wird – in dem eine gigantische gesamtasiatische Armee in den Nahen Osten marschiert. Angesichts der Geographie dieser Region scheint es, dass Pakistan, einschließlich dieses Schlüsselseehafens, ein bedeutender Bereitstellungsplatz dafür sein könnte. Anzeichen deuten ferner darauf hin, dass Pakistan trotz seiner moslemischen Mehrheit bis dahin mit diesem asiatischen Ungeheuer eine strategische Allianz bilden könnte, nicht nur seine Pforten, sondern auch seine Soldaten für dieses Unterfangen bereitstellend.

Es scheint, dass Amerikas brüchiges Bündnis mit Pakistan mehr als vorbei ist. Die USA verblassen; die Macht verschiebt sich ostwärts. Und Islamabad erfreut sich der Angebote seitens eines anderen, attraktiveren Freiers. Beobachten Sie genau. Dies scheint nur ein weiterer Beweis unter vielen von einer sich rasch ändernden Weltordnung zu sein – das Ende der angloamerikanischen Ära und der Anfang von etwas grundlegend Anderem. 

Kos De