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1930s

TOPICAL PRESS AGENCY/GETTY IMAGES, SEAN GALLUP/GETTY IMAGES (2), BRITTA PEDERSEN/PICTURE ALLIANCE VIA GETTY IMAGES, Posaune ILLUSTRATION

Echos der 1930er Jahre

Die Ereignisse, die zum Aufstieg Hitlers an die Macht führten, sind dabei, sich zu wiederholen.

Deutschland wurde von Ereignissen erschüttert, die dramatische Parallelen zu den 1930er Jahren aufweisen.

Ende der 1920er Jahre war die Nazi-Partei noch relativ unbedeutend. 1928 erhielt sie nur 2,6 Prozent der Stimmen, kaum eine politische Kraft, mit der man rechnen musste. Aber in dem darauffolgenden Jahr bekamen die Nazis in dem Land Thüringen bei den Kommunalwahlen 11,3 Prozent. Das war nicht gerade viel, aber immerhin genug, um sie zum „Zünglein an der Waage“ zu machen. Weder die etablierten großen Rechtsparteien noch die Linksparteien hatten genug Stimmen, um alleine zu regieren.

Also musste das Land eine Koalition mit den Nazis eingehen. Adolf Hitlers Freund Wilhelm Frick wurde der Innenminister des Landes.

Der Damm war gebrochen. Weniger als ein Jahr später koalierte die Deutschnationale Volkspartei (dnvp) mit den Nazis, um eine Regierung im Freistaat Brauschweig zu bilden. Und Ende 1932 wurde diese Koalition auch auf der Ebene des deutschen Reiches gebildet und Adolf Hitler wurde Reichskanzler.

Der Rest ist Geschichte.

Da die Nazis dann Deutschland übernommen hatten und einen Weltkrieg begannen, in dem 60 Millionen Menschen umkamen, wurden die extremen Rechtsparteien 75 Jahre lang streng aus den Koalitionsverhandlungen herausgehalten. Das heißt, bis zum 5. Februar dieses Jahres.

Letzten Oktober wurden in Thüringen Wahlen abgehalten. Wieder einmal erhielten weder die etablierten rechten noch die linken Parteien genug Stimmen, um zu regieren. Nach monatelangen Koalitionsverhandlungen entschied sich die etablierte rechte Partei dann wieder, einen Kompromiss zu schließen und die extreme Rechte zu bitten, mit ihnen die Regierung zu bilden.

Kein Wunder, dass viele Deutsche befürchten, dass sie denselben Weg nehmen werden wie in den 1930er Jahren.

„Demokratien sterben nicht so einfach über Nacht“, warnte Spiegel Online. „Sie blühen nicht an einem Tag auf und werden dann durch einen Staatsstreich entwurzelt. Sie zerfallen allmählich, solange bis der Boden fruchtbar für eine autoritäre Machtergreifung ist.“

„Was in Thüringen passiert ist, muss als ein Warnschuss verstanden werden – als ein Vorbote“ (7. Februar).

Ist die deutsche Demokratie auf dem Weg zu zerfallen?

Die politische Todesspirale

Thüringen ist nicht die einzige Parallele zu den 1930er Jahren. Die ganze politische Dynamik in Deutschland und überall in Europa verläuft genauso.

Und so ist das Muster: Es kommt zu einer Wirtschaftskrise und die führt dazu, dass die Leute das Vertrauen in die etablierten Parteien verlieren. Der Mainstream-Konsens erweist sich als nicht mehr haltbar; also beginnen zunächst einige wenige Leute, die extremen Parteien zu unterstützen.

Diese veränderte Wahlsituation führt dazu, dass die etablierten Parteien keine ausreichende Stimmenmehrheit mehr zusammenbekommen. Die etablierten Rechtsparteien müssen entweder eine Koalition mit einer extremen Rechtspartei eingehen oder sich mit ihrem politischen Gegner, der etablierten Linken ins Benehmen setzen.

Nun setzt sich die Todesspirale in Bewegung. In einer Regierungskoalition ringen die Linksparteien und die Rechtparteien miteinander. Beide Seiten werden sich grundsätzlich nicht einig und können keine mutigen Beschlüsse mehr fassen. Sie schließen miteinander Kompromisse und bilden eine unbefriedigende, sehr gemäßigte Regierung. Das führt dann dazu, dass immer mehr Wähler die etablierten Parteien ablehnen und für extremistische Parteien stimmen.

Wenn extremistische Parteien in die Regierung aufgenommen werden, werden sie normal und es wird ihnen Legitimität verliehen. Die Wähler stimmen eher für sie. Immer wenn die etablierten Parteien gegeneinander kämpfen, profitieren davon die Splitterparteien.

Das bewegt die Todesspirale eine Runde weiter. Es wird nun immer schwieriger, stabile Koalitionen zu bilden. Das Regieren wird immer wirkungsloser. Die Probleme verschlimmern sich. Die Unterstützung für die extremistischen Parteien wächst.

Dieses Schema spielte sich in den 1930er Jahren ab und es passiert heute in Deutschland wieder. In den 1930er Jahren trieb diese Spirale der Nazi-Partei mehr und mehr Wähler zu. Mitte 1932 entschloss sich die Deutschnationale Volkspartei (dnvp), mit Hitler zusammenzuarbeiten und bot ihm den Posten des Vizekanzlers an. Hitler lehnte das ab, denn er war davon überzeugt, er sei stark genug, um den obersten Posten zu verlangen. Diese Ablehnung führte zu Neuwahlen, die die Nazis dann gewannen. Der deutsche Reichspräsident Hindenburg ernannte Hitler zum Reichskanzler. Frick, der in Thüringen an die Macht gekommen war, wurde nun Reichsinnenminister.

Hindenburg und die etablierte Rechtspartei dnvp dachten, sie könnten Hitler zähmen. Stattdessen ermächtigten sie ihn. Als er schließlich die Position des Reichskanzlers erreicht hatte, griff Hitler nach der absoluten Macht.

Es ist leicht, die offensichtlichen Parallelen in Thüringen zu sehen. Bei den dortigen Wahlen im Oktober erhielten die extremen Parteien sogar die Mehrheit der Stimmen. Die Linke, Nachfolgerpartei der brutalen ostdeutschen kommunistischen Partei, gewann die Wahl mit 31 Prozent der Stimmen. Zweiter wurde die Alternative für Deutschland mit 23 Prozent. Jede Koalition, die die Mehrheit im Landtag dieses Landes haben will, muss eine dieser beiden Parteien einschließen.

Eine neue rechtsextreme Partei

Die Alternative für Deutschland bildete sich aus Protest gegen die Finanzkrise 2008. Alle etablierten Parteien verfolgten mehr oder weniger die gleiche Wirtschaftspolitik. Die AfD wurde von Ökonomen gegründet, um eine alternative Politik zu verfolgen.

Dann kam es in Deutschland zur Migrantenkrise. Die Kanzlerin Angela Merkel hieß ohne große Debatte oder Diskussion eine Million Migranten in Deutschland willkommen. Diejenigen, die Bedenken hatte, wurden von den etablierten Medien als Rassisten gebrandmarkt. Also fing auch die AfD an, eine alternative Sichtweise in Bezug auf die Migration zu vertreten. Damit begann ein Rechtsruck, der viel weiterging als nur Bedenken wegen der Migration zu äußern. Björn Höcke, der Chef der AfD in Thüringen will zum Beispiel die deutsche Geschichte vollständig neu schreiben. „Die deutsche Geschichte wird behandelt wie etwas Niederträchtiges und als etwas Lächerliches dargestellt“, sagte er einmal auf einer Versammlung. Er will bei der Erinnerung des zweiten Weltkrieges in Deutschland einen Schwenk um 180 Grad.

Für Höcke ist die Holocaust-Gedenkstätte in Berlin ein „Monument der Schande“ und er meint, sie sollte demontiert werden. Er sagte: „Die AfD ist die letzte revolutionäre, die letzte friedliche Chance für unser Vaterland.“ Er hat sogar den „Lebensraum“ wieder ins Gespräch gebracht und von Deutschlands tausendjährige Zukunft gesprochen – ein klarer Bezug auf Adolf Hitlers Expansionismus und seiner Vision eines „tausendjährigen Reiches“.

Die ursprünglichen Gründer der AfD hatten Bedenken wegen der Richtung, die die Partei eingeschlagen hatte und verließen die Partei oder sie wurden ausgeschlossen.

Nicht alle Mitglieder der AfD sind so radikal wie Höcke. Manche sehen in ihm mehr ein Hindernis als eine Hilfe; manche beschweren sich, seine extreme Rhetorik mache es für gemäßigte Wähler schwerer, diese Partei zu unterstützen. Trotzdem wird er immer noch toleriert und sogar als einer der Seniorchefs der Partei unterstützt.

Mit dem allgemeinen Wiedererwachen des Antisemitismus auf der Welt fürchten jüdische Anführer besonders, dass Leute wie Höcke wieder so viele Stimmen bekommen.

Charlotte Knobloch, die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland sagte, „der Erfolg der AfD zeige, dass das ganze politische System im Begriff sei, an seinen Grundfesten zu zerfallen.“ Sie sagte, sie sei besorgt, dass so viele Leute die Partei unterstützten, „die die Schrecken der Nazizeit klein redete, offen nationalistisch geprägt sei und Botschaften des Hasses gegen Minderheiten – auch gegen die jüdische Gemeinschaft in Deutschland – verbreitete“.

Christoph Heubner, der Vizepräsident des Internationalen Ausschwitz Komitees, sprach eine ähnliche Warnung aus und sagte: „Für die Überlebenden der deutschen Konzentrationslager ist dieser gewaltige Anstieg der Wählerstimmen für die AfD in Thüringen ein weiteres bedrohliches Zeichen dafür, dass Haltung und Tendenzen der rechtsradikalen Extremisten sich in Deutschland verstärken.“

„Das letzte Mal sahen wir so etwas in der Weimarer Republik, als sich das politische Leben zwischen den Kommunisten und den Nationalsozialisten polarisierte“, sagte der Politikwissenschaftler und Kommentator Werner Patzelt dem Local. „Das ist recht ungewöhnlich“ (28. Oktober 2019).

Manche Leute unterstützen die AfD wegen ihrer berechtigten Sorgen über die Migration. Aber nicht nur die Wahlergebnisse sind eine Parallele zu den 1930er Jahre. Auch ihre Rhetorik ähnelt der von damals.

Ein Kontinent in der Krise

Splitterparteien sind überall in Europa immer erfolgreicher. In Irland schnitt bei den Parlamentswahlen am 9. Februar die Sinn Fein – früher der politische Flügel der Terroristengruppe ira – mit am besten ab. Traditionell haben sich Irlands etablierten Parteien geweigert, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Jetzt bleibt ihnen keine Wahl: Sie können nur entweder eine sehr sperrige Koalition bilden oder mit der Gruppe zusammenarbeiten, die mehr Zivilisten ermordet hat als Al-Quaida am 11. September.

Spanien erlebte in den letzten vier Jahren vier nicht eindeutige Wahlen. Im Augenblick hat es eine Koalition, die eine Minderheitsregierung bildet – vielleicht die einzig mögliche und die instabilste Regelung, die überhaupt möglich ist. Inzwischen ist auch zum ersten Mal in seiner demokratischen Geschichte eine rechtsextreme Partei, die Vox, ins Parlament eingezogen. Bei den letzten Wahlen im November letzten Jahres erreichte die Vox den dritten Platz und bekam 15 Prozent der Sitze.

2010 und 2011 stellte Belgien einen neuen Weltrekord auf für die längste Zeitspanne, die ein entwickeltes Land jemals ohne gewählte Regierung war: 589 Tage. Jetzt stehen die Belgier gerade kurz vor einem neuen Rekord. Ihre letzten Wahlen waren am 26. Mai 2019 und sie haben immer noch keine Koalition.

Die italienische Politik wird von Parteien bestimmt, die entweder vor der Finanzkrise von 2008 noch gar nicht existierten oder als zu extrem für eine Regierung galten. Bei den letzten Wahlen in Schweden erreichte seine größte Linkspartei das schlechteste Wahlergebnis seit 2011 und die rechtsextremen Schweden Demokraten sind inzwischen nach den letzten Umfragen schon Schwedens populärste Partei.

In Osteuropa gibt es viele rechtsgerichtete Regierungen, wenn nicht sogar extrem rechtsgerichtete und die meisten von ihnen hatten Erfolg. In Ungarn kam Viktor Orbáns Fidesz auf 52 Prozent der Stimmen – eine der wenigen Parteien in Europa, die eine absolute Mehrheit haben. In Polen erhielt die rechtsgerichtete Gesetz und Gerechtigkeitspartei 45 Prozent der Stimmen.

In einem Land nach dem anderen wird die europäische Politik in die gleiche Todesspirale gezogen, unter der schon viele dieser Länder in den 1930er Jahren litten.

Während dieses verhängnisvollen Jahrzehnts fand der Aufstieg der Rechtsparteien nicht nur in Deutschland statt. Auch in Frankreich hatte der Aufstieg der extremen Rechtsparteien starken Einfluss auf die Politik des Landes. Frankreich hatte fünf Regierungen zwischen Mai 1932 und Januar 1934. In Österreich ermächtigte die Todesspirale die Heimwehr – eine rechtsextreme Gruppierung, die den Nazis ähnelte, die aber gegen die Vereinigung mit Deutschland war. In der Tschechoslowakei entstand die Nationalsozialistische Sudetendeutsche Partei aus dem Nichts und bekam mehr Stimmen als jede andere Partei. In Rumänien stieg die Eiserne Garde zur drittbeliebtesten Partei auf und bekam bei den Wahlen 1937 15 Prozent der Stimmen, nachdem sie bei den Wahlen 1935 noch verboten gewesen waren. Auch andere extreme Parteien wie die französische Christnationale Verteidigungsliga wurden nach dem Zusammenbruch der Börse 1929 immer erfolgreicher. Die französische Liga „Kreuz des Feuers“ wuchs von 500 Mitgliedern 1928 auf 400 000 Mitglieder 1935. Nachdem sie 1936 verboten wurde, gründeten ihre Anführer die Französische Sozialpartei, die ebenfalls stark zunahm und schließlich Frankreichs größte Rechtspartei wurde. Die Stimmenanteile der extremen Parteien nahmen auch in vielen anderen Ländern stark zu.

Für all diese Leute, die eine extreme Partei wählten, bedeutete das nicht einfach nur eine Stimme für eine andere politische Partei. Es war auch eine Stimme für ein anderes politisches System. Sie wollten die Verfassung oder das Regierungssystem nicht mehr, das sie hatten. Sie waren davon überzeugt, dass ihr Land etwas anderes brauchte.

Viele Leute, die heute für extreme Randgruppen stimmen, denken genauso. Nach einer Cambridge Studie, die im Januar veröffentlicht wurde, ist die Zufriedenheit mit der Demokratie auf einem absoluten Tiefpunkt angekommen. Der Bericht stellt fest: „Europas durchschnittliche Zufriedenheit verschleiert eine große und weiter wachsende Spaltung innerhalb des Kontinents zwischen einer ‚Zone der Verzweiflung‘ mitten durch Frankreich und in Südeuropa und einer ‚Zone der Selbstzufriedenheit‘ in Westdeutschland, Skandinavien und den Niederlanden.“

Die Cambridge Studie führt die Ursache der Unzufriedenheit auf die Wirtschaftskrise von 2008 zurück – genau wie es auch in den 1930er Jahren der Fall war. Die Studie stellt fest: „Es ist wahrscheinlich, dass die Krise, abgesehen von dem persönlichen Gefühl der wirtschaftlichen Unzufriedenheit, im weiteren Sinne auch politische Unzufriedenheit hervorgebracht hat, und zwar abhängig von der wirtschaftlichen Unabhängigkeit, vom Nationalstolz und vom Ärger über die Verwendung öffentlicher Mittel.“

In einem Land nach dem anderen sind die Wähler immer mehr der Ansicht, dass ihr politisches System für sie nicht mehr funktioniert. Also wollen sie jemanden, der von der Norm abweicht – jemanden außerhalb der etablierten Parteien. Sie haben das Gefühl, dass Europa nicht mehr so gut funktioniert, wie es jahrzehntelang funktioniert hat. Sie wollen etwas Neues.

Kompromisse mit der Rechten

In den 1930er Jahren reagierten die etablierten Rechtsparteien auf den zunehmenden Extremismus mit Kompromissen mit der extremen Rechten, wobei sie selbst immer mehr nach rechts rückten.

1931 forderte ein Manifest von Alfred Hugenberg, dem Chef der dnvp, das Ende des Versailler Vertrags, die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht, die Rückeroberung der deutschen Kolonien und die Verringerung der Anzahl der Juden im öffentlichen Leben sowie stärkere Verbindungen mit deutschen Gemeinschaften außerhalb Deutschlands. Politisch bestand zwischen Hugenberg und Hitler nur ein gradueller Unterschied.

In Frankreich veranstalteten rechtsextreme Ligen mit großem Erfolg gewalttätige Protestdemonstrationen. Die prominenteren Rechtsparteien änderten daraufhin ihre Ausrichtung. Diese Parteien gehörten auch zu denjenigen, die später das Vichy Regime bilden würden, das mit Hitler zusammenarbeitete, nachdem er das Land erobert hatte. In Rumänien versuchte der König, eine königliche Diktatur zu etablieren, um zu verhindern, dass nationalsozialistische Parteien die Macht im Land ergriffen. In Ungarn wurde der Regent gezwungen, eine rechtsextreme, antisemitische Regierung zu akzeptieren.

Manche Leute in Deutschland versuchen, auf den Rechtsruck in Thüringen auf die gleiche Weise zu reagieren. Deutschlands etablierte Rechtspartei, die cdu ist bei diesem Thema gespalten, aber ein wesentlicher Teil der Mitglieder will, dass die Partei nach rechts rückt.

Einer der Anführer dieser Fraktion ist auch einer der Spitzenkandidaten für Deutschlands nächste Kanzlerschaft: Friedrich Merz. Foreign Policy erklärte: „Friedrich Merz würde stark nach rechts rücken, die cdu an die politische Linie der AfD annähern und versuchen, die Wähler zurückzugewinnen, die bei den letzten Wahlen zur AfD abgewandert sind“ (11. Februar). Die Zeitschrift spekulierte sogar, dass Merz eine Koalition mit der AfD bilden könnte und so denselben Weg nehmen würde, wie die etablierte Rechte in den 1930er Jahren.

Der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg unterstützte Merz nachdrücklich und kommentierte am 17. Januar gegenüber der Deutschen Presseagentur: „Für mich bleibt in der (Christlich Demokratischen) Union nur ein Politiker übrig, den ich für geeignet halte, diesen Posten zu übernehmen und für den ich stimmen würde: Friedrich Merz.“

Mit der Vergangenheit brechen

Die jüngsten Ereignisse in Thüringen folgen dennoch nicht vollständig den Schritten in den 1930er Jahren. Der Ministerpräsident, der mit den Stimmen der AfD gewählt wurde, blieb nämlich nur einen Tag im Amt. Ein Aufschrei im ganzen Land zwang ihn dazu zurückzutreten. Er war auch nicht das einzige Opfer. Die Auswirkungen des Skandals zwangen auch Annegret Kramp-Karrenbauer zum Rücktritt, die von Kanzlerin Merkel sorgfältig auserwählte Nachfolgerin für das Kanzleramt.

Frau Kramp-Karrenbauer geriet unter Beschuss, weil sie nicht in der Lage gewesen war, den Deal mit der extremen Rechten zu stoppen. Sie war die Parteichefin – hatte sie also die Kontrolle über ihre eigene Partei verloren? Es wurde ihr auch vorgeworfen, sich nicht stark genug gegen einen Deal mit der AfD ausgesprochen zu haben. Die Parteimitglieder waren vorher schon wegen ihres Postens als Parteivorsitzende verärgert. Also verkündete sie, sie werde nicht für die Kandidatur zum deutschen Bundeskanzler antreten und auch als Parteivorsitzende zurücktreten – sie muss also im Sommer abgelöst werden.

Dieser Rückschlag war weit stärker als die Reaktion auf die thüringische Koalition in den 1930er Jahren. Diese Geschichte stellte eine so starke Warnung dar, dass Deutschland sie unmöglich ignorieren konnte. Im Land musste etwas geschehen. Also wiederholte sich die Geschichte aus den 30er Jahren, aber nicht auf genau die gleiche Weise.

Die Geschichte aus den 1930er Jahren bleibt eine deutliche Warnung für die Zukunft. Die Prophetie der Bibel gibt uns sogar eine noch klarere und spezifische Warnung. Und diese Prophetie sagt uns, dass es größere Ähnlichkeiten geben wird – aber auch einige wichtige Unterschiede zu dem, was damals geschah.

Offenbarung 17 warnt vor einem politischen System, das sieben Mal aufsteigt und wieder zerfällt. Vers 8 beschreibt ein Tier, das Symbol für eine größere Weltmacht. Es „ist gewesen und ist jetzt nicht und wird wieder aufsteigen ...“ Dieses Tier existiert und verschwindet dann – nur um nachher „aus dem Abgrund wieder aufzusteigen“. Man könnte sagen, es kommt aus dem Nichts – aus „dem Untergrund“.

In diesem Kapitel wird beschrieben, dass es „sieben Häupter hat“. Es steigt sieben Mal auf. Die Verse 1-3 sagen uns, dass es von einer Frau geführt wird – das biblische Symbol für eine Kirche.

Wo auf der Welt gibt es ein Imperium, das geführt von einer Kirche wiederholt aufsteigt und zerfällt? Diese Bibelstelle kann sich nur auf das Heilige Römische Reich in Europa beziehen, eine ganze Reihe von Imperien, die alle versucht haben, das römische Reich wieder auferstehen zu lassen und die alle von der katholischen Kirche beherrscht wurden.

Diese Macht ist bisher sechs Mal aufgestiegen und wieder zerfallen. In Offenbarung 17 heißt es, wenn diese Macht voll aufsteigt, „werden sich wundern, die auf der Erde wohnen... wenn sie das Tier sehen“ (Vers 8). Sie glauben, das Tier sei tot, aber es kommt noch einmal zurück.

Wir erleben gerade, wie die Macht dieses Tiers in Europa noch einmal aufsteigt.

Und weil es dasselbe Tier ist, das bereits in den 1930er Jahren aufstieg, gibt es einige wesentliche Parallelen. Aber die siebte und letzte Wiederauferstehung dieses Reiches ist einzigartig. Im Buch Daniel gibt es einige Prophezeiungen, die den Aufstieg eines Mannes beschreiben, der dieses Reich anführen wird.

Ein kommender starker Mann

Daniel schrieb in seinem prophetischen Buch für die Endzeit (Daniel 12, 9). Es prophezeit Ereignisse, die in der Moderne passiert sind. Für ihn waren es Prophezeiungen, für uns jedoch sind sie jetzt schon Geschichte. Aber sogar diese historischen Geschehnisse sind von derselben Art wie das, was noch vor uns liegt.

Daniel 8, 23 beschreibt, dass „ein König auftreten wird mit hartem Angesicht und erfahren im Betrügen“ (Zücher Bibel). Vers 25 sagt, dass „er zerbrochen wird, nachdem er gegen den Fürsten der Fürsten auftreten wird...“ Das verrät den Zeitrahmen der Amtszeit dieses Königs mit hartem Gesicht. Er wird ganz am Ende der Endzeit an die Macht kommen, kurz vor dem Zweiten Kommen Jesu Christi. In Offenbarung 17 wird auch beschrieben, wie die Macht des Tieres und ihr Anführer gegen Jesus Christus kämpfen. Der Mann aus Daniel 8 führt das Tier an, das im Buch der Offenbarung beschrieben wird.

Eine andere Bibelstelle in demselben prophetischen Buch – Daniel 11, 21-31 – sagt uns, wie dieser Mann an die Macht kommen wird.

Die meisten Bibelkommentatoren stellen zutreffend fest, dass diese Bibelstelle sich auf Antiochus Epiphanes bezieht, der etwa von 175 bis 164 v.Chr. regierte. Diese Verse sagen genau voraus, was dieser Mann schließlich tat. Sie prophezeiten, dass er „Heiligtum und Burg entweihen und das tägliche Opfer abschaffen und das Gräuelbild der Verwüstung aufstellen wird“ (Vers 31, Lutherbibel 1984). Antiochus überfiel die Juden und die jüdische Religion und ermordete viele von ihnen auf schändliche Weise. Er strebte danach, die jüdischen Gottesdienste im Tempel auszumerzen und dort die heidnische Statue des Jupiter Olympius vor dem Altar aufzustellen.

In Matthäus 24, 15 bezieht sich Jesus Christus ganz klar auf diesen Vers, den Er ausdrücklich zitiert: „Wenn ihr nun sehen werdet das Gräuelbild der Verwüstung stehen an der heiligen Stätte, wovon gesagt ist durch den Propheten Daniel...“ Aber Er spricht davon nicht so, als sei das etwas, was bereits passiert wäre, sondern als etwas, was in Zukunft noch passieren wird.

Wenn diese Prophezeiung fast zwei Jahrhunderte vorher schon von Antiochus Epiphanes vollständig erfüllt worden wäre, warum sagt Christus Seinen Jüngern dann, sie sollten nach diesem Ereignis Ausschau halten? Diese Prophezeiung hat sich in der Antike schon einmal erfüllt, aber sie wird sich in der Moderne noch einmal erfüllen. Genau wie viele andere Prophezeiungen ist auch diese Prophezeiung dual. Sie bezieht sich sowohl auf einen Antiochus in der Antike als auch auf einen modernen Antiochus.

Daniel 11, 21 prophezeit, dass die Europäer diesem Antiochus „die Ehre des Thrones“ nicht geben werden: „Er wird unerwartet kommen und sich durch Ränke die Herrschaft erschleichen.“ In den Bibelkommentaren von Jamieson, Fausset und Brown heißt es, dass das Volk ihm das Königreich nicht in einem offiziellen Akt übergeben wird, sondern dass er es durch eine List erschleichen wird – durch Ränke. Barnes Anmerkungen zum Alten und Neuen Testament sagt: „Mit anderen Worten: Er wird den Thron nicht durch irgendein Gesetz, einen offiziellen Akt der Nation, durch die korrekte Thronfolge oder gerechtfertigte Ansprüche erhalten.“

Sehen Sie sich Deutschland in diesem Augenblick an. Haben sich die Deutschen während der Zeit, in der wir leben, jemals Sorgen wegen ihrer politischen Lage gemacht? Jetzt jedoch erkennen sie, dass sie wieder auf den gleichen Weg geraten wie in den 30er Jahren. Sie sehen, dass sie von potentiellen Krisen heimgesucht werden, von einer weiteren Episode der Migrantenkrise oder der Eurokrise, die jederzeit wieder ausbrechen kann. An der Spitze des Landes stehen jedoch nur Versager.

Die Deutschen sehnen sich händeringend nach einem starken Anführer, aber es ist keiner in Sicht. Dieser Zustand ist günstig für jemanden, der auf unorthodoxe Weise an die Macht kommen will. Was wird geschehen, wenn es jetzt bis zum Sommer zu einer Krise kommt und Frau Merkel sich gezwungen sieht, zurückzutreten? Wenn die Politik den bereits unruhigen Deutschen nicht den Anführer gibt, den sie brauchen, was könnten sie tun?

In dem Leitartikel der Posaune vom Januar zeigt der Chefredakteur Gerald Flurry, wie viele Details die Bibel über diesen kommenden starken Mann verrät. Er erklärt, dass dieser starke Mann „irgendwie das politische System manipulieren wird und auf diese Weise die Führung in Deutschland und in der Folge in ganz Europa übernehmen wird.“

„Wenn man schon weiß, dass es eine politische Intrige geben wird, dann ist es wichtig, den bürokratischen Umbruch in Berlin im Auge zu behalten“, schrieb er. „Die Regierung ist wackelig und es besteht eine klare Notwendigkeit einer starken Führung – aber wie sie zustande kommen wird, wissen wir noch nicht.“

Daniel 8, 23 sagt, dass dieser Anführer „verschlagen“ ist. Das könnte bedeuten, dass er „auf einem höheren sozialen Niveau operiert“. Genesius Hebräisch-Chaldäisches Lexikon übersetzt diesen Ausdruck mit „verdreht, verstrickt, subtil, betrügerisch und geheimnisvoll“.

„Das gewährt uns einen Einblick“, schrieb Herr Flurry. „Der prophezeite starke Mann operiert auf einem hohen sozialen Niveau; er ist in der Lage, komplizierte Angelegenheiten und Probleme zu verstehen und zu lösen. Er ist genial und gebildet – er besitzt intellektuelle Tiefe und Kraft. Im Zusammenhang wird ersichtlich, dass er dafür allgemein bekannt und berühmt ist.

„Dieser prophezeite Anführer könnte gut und gerne diese allgemeine Frustration und den Wirrwarr ausnutzen, ein Bündnis um sich scharen und sich auf diese Weise selbst an die Macht bringen“, schrieb er weiter. „Dafür bräuchte er viel Intelligenz und Berechnung; er müsste bei der Verführung hochgestellter Persönlichkeiten durch Schmeicheleien und Ränke ungewöhnlich geschickt sein. Der in Daniel 8 prophezeite Mann wird das ganz großartig können. Adolf Hitler war ein Mensch von großer geistiger Stärke, aber er war bei der Verführung der Massen noch nicht so gut wie dieser kommende starke Mann! Dieser neue Anführer wird den Menschen wie ein Engel des Lichts erscheinen.“

Die Weichen sind für den Aufstieg dieses Mannes schon richtig gestellt. Europa befindet sich auf dem gleichen Weg, der vorher schon zu einem Diktator führte und es wird wieder einen Diktator bekommen.

Aber die Bibel berichtet von einem weiteren wichtigen Unterschied zwischen unserer Zeit und den 30er Jahren. Als Hitler besiegt wurde, ging sein Reich in den Untergrund, um später wieder aufzusteigen. Dieses Mal wird das Reich nicht in den Untergrund gehen. Daniel 8, 25 sagt, dass dieser Mann „sich gegen den Fürst aller Fürsten auflehnen wird“. Er wird versuchen, Jesus Christus zu bekämpfen, wenn Er zurückkommt, „aber er wird zerbrochen werden ohne Zutun von Menschenhand.“

Das gesamte System, das hunderte von Jahren Kriege ausgelöst hat, wird für immer vernichtet werden. Und es wird niemals wieder auferstehen.

Die Wahl 1928

Die Nazi-Partei steht an neunter Stelle (2,6 Prozent). Die Kommunisten bekamen mit 10,6 Prozent vier Mal so viele Stimmen. Dieser Anteil ist groß genug, um Ärger zu machen. Niemand kann für sich eine stabile Koalition bilden. Eine große Links-Rechts-Koalition wird gebildet. Sie hält nur zwei Jahre.

Der Börsencrash von 1929

Eine gewaltige Wirtschaftskrise erfasst Deutschland. Eine Hyperinflation vernichtet alle Ersparnisse.

Die Wahl 1930

Wirtschaftliche Probleme erschüttern das Vertrauen in die etablierten Parteien. Die Nazipartei (nsdap) kommt (mit 18 Prozent) an zweiter Stelle und die Kommunisten an Vierter (mit 13 Prozent). Eine Koalition der etablierten Parteien ist nicht mehr möglich. Eine schwache Minderheitsregierung wird gebildet.

Die Wahl vom Juli 1932

Die Nazis erhalten die meisten Stimmen (37 Prozent). Die anderen Parteien versuchen, eine Koalition ohne die nsdap zu bilden. Aber sie scheitern. Es werden Neuwahlen ausgerufen.

Die Wahl vom November 1932

Die Nazis erhalten wieder die meisten Stimmen (33 Prozent). Es wird klar, dass sie nicht schwächer werden, also wird Hitler zu einer Koalitionsregierung eingeladen. Diese Wahlen sind für fast zwei Jahrzehnte Deutschlands letzte freie Wahlen.

Die Wahl 2005

Das Ergebnis ist ein Kopf an Kopf-Rennen der beiden großen Parteien Deutschlands. Weder die Linke noch die Rechte hat genug Stimmen, um eine eigenen Koalition zu bilden, also beginnt eine große Koalition zwischen Links und Rechts.

Die Finanzkrise 2008

Eine große Wirtschaftskrise verursacht eine massenhafte Arbeitslosigkeit im Süden Europas, bedroht die Eurozone und erinnert die Deutschen an 1929. Die Wirtschaftskrise ist nicht so gewaltig wie 1929, also ist auch der Rechtsruck nicht ganz so radikal. Aber sie genügt, um den Zyklus in Gang zu setzen.

Die Wahl 2009

Wirtschaftliche Sorgen mindern das Vertrauen in die linken und rechten etablierten Parteien. Ihr Wahlergebnis geht verglichen mit 2005 um 13 Prozent zurück.

Die Wahl 2013

Eine neue Rechtspartei stellt sich zum ersten Mal zur Wahl: Die Alternative für Deutschland (AfD). Sie erhält 4,7 Prozent der Stimmen, aber noch keine Sitze im Parlament. Im modernen Deutschland sind mindestens 5,0 Prozent nötig, um ins Parlament einzuziehen.

Die Wahl 2017

Die Alternative für Deutschland ist jetzt extremer und beliebter geworden. Sie erhält 13 Prozent der Stimmen und wird Deutschlands drittstärkste Partei. Die Unterstützung für die beiden großen Parteien nimmt überraschend stark ab. Die Koalitionsverhandlungen dauern länger als jemals zuvor bei einer anderen Nachkriegsregierung. Die etablierten Parteien befinden sich nun ganz klar in einer Krise.

Lead Jpg