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Yeo Kee/Unsplash

Die Vereinigung von Kirche und Staat

Der allgemeinen Öffentlichkeit könnte man verzeihen zu denken, dass die Römisch Katholische Kirche eine Kirche in der Krise sei. Während der letzten zwanzig Jahre ist sie von Skandalen geplagt, von inneren Meinungsverschiedenheiten gespalten, von einem Sperrfeuer von offiziellen dogmatischen Enzykliken, Exkommunikationen, Rücktritten, Ordnungsrufen, weiteren Appellen und trotz allem, von weiteren Skandalen betroffen worden. So wankend ist das Papsttum von Johannes Paul ii. gewesen, dass man sich fragen könnte – ist jemand in Kontrolle?

Um diese Frage zu beantworten, muss man unter der Oberfläche sensationeller Medienschlagzeilen graben, um zu begreifen, dass inmitten von all dem, Rom eine Agenda hat und es diejenigen gibt, die definitiv die Führung innehaben und dafür sorgen werden, dass die Agenda ausgeführt wird.

Das Problem für einen Beobachter ist, um die Agenda wirklich zu verstehen und ihre Fortschritte dann zu überwachen, dass er ein Wertgefühl für Geschichte haben muss – und das ist ein extrem rares Gut in der verblödeten, kulturell geistlosen Gesellschaft von heute.

Doch einer von denen, der die Entstehung der Europäischen Union von ihrem Beginn als die Europäische Kohle- und Stahlgemeinschaft, bis hin zur weltgrößten Union von Nationalstaaten beobachtet hat, blickt mit einem Auge auf die Fortsetzung der Geschichte, die letztlich zu einer weiteren Auferstehung einer alten Institution in Europa führen wird – das „Heilige“ Römische Reich!

Die Perspektive eines Historikers

Jacques le Goff, französischer Historiker und Autor von führenden Werken der mittelalterlichen Geschichte, erkennt die Notwendigkeit, dass die EU mit dem einzigen Bindemittel, das Europa je zusammengehalten hat, aneinandergefügt wird – durch die geistliche Führung von Rom.

Eine über den Vatikan berichtende Pressestelle namens Zenit, interviewte den Professor Le Goff im letzten Jahr, bezüglich seiner Ansichten über den Europakonvent, der zur Zeit mit dem Entwurf einer Bundesverfassung über die Vereinigung der gegenwärtigen 15 EU-Mitgliedstaaten und den 13 anderen Bewerberstaaten, in ein riesiges vereintes Europa. Das Folgende sind Auszüge aus diesem Interview.

Frage: „…Welche Eigenschaften verbinden die europäischen Länder?“

Le Goff: „[Katholisches] Christentum ist das wichtigste ideologische Fundament von Europa. …“

Frage: „Auf welchem Gesetz sind die Nationen, die einen Teil Europas formen, fundiert?“

Le Goff: „Europa beginnt im vierten Jahrhundert durch die Fusion der Völker des Imperiums und der barbarischen Völker, dank des [katholischen] Christentums, sichtbar zu werden. Die Rechtsstruktur war auf dem römischen Recht gegründet. … Auch in Relation zu Geld hat Europa eine Eigenart, welche ihm, genau genommen, von der Kirche übertragen ist, die sich ihrerseits immer das Recht auf Zuständigkeit und Entscheidungsrecht in Handelsverträgen vorbehalten hat …“.

Frage: „Wir haben begonnen Europa zu schaffen, und dabei mit Geld angefangen. Umfragen sagen, dass die Bürger zwar froh, aber durch die Tatsache, dass der Euro gegenüber dem Dollar an Wert verliert, dennoch enttäuscht sind. Was denken sie?“

Le Goff: „… Die Börsen, die die finanzielle Beurteilung über unsere Währung ausdrücken, sind von einem ultraliberalen und amerikanischen Modell inspiriert. Das ist der Grund, warum der Euro im Verhältnis zum Dollar verliert.“

Frage: „Was kann getan werden?“

Le Goff: „[Die Kirche] sollte heute ihren Mut zeigen und ihrer Stimme Gehör verschaffen; sie sollte ein anderes Zentrum des gesellschaftlichen Fortschritts werden. Das wäre Kapital für Europa und würde einen beachtlichen Plan darstellen.“ (Zenit, 21. Feb. 2002; durchaus meine Betonung).

Ein beachtlicher Plan. Das ist es, was diese alte Institution, der Vatikan, für die Vereinigung von Europa im Sinn hat! Von Anfang an ist es ein Römisch Katholisches Projekt gewesen. Ihre Gründungsväter, ihre führenden Leuchten, ihre Hauptrepräsentanten und einflussreichsten Amtsinhaber sind zum größten Teil Deutsche oder Franzosen und katholisch gewesen.

Diese Fakten sollten Geschichtsfans nicht überraschen. Dass Deutschland der wirtschaftliche Motor der EU gewesen ist, ist wohl bekannt, um weitreichend mit seiner weltumfassenden Handelspolitik eine korporative deutsche Nation zu bauen, die den Globus mit Bankgeschäften, Handel und Unternehmen überzieht. Dass Frankreich aus Angst vor einem Ausbruch alter deutscher Aggressionen versucht hat, Deutschland in eine Franko-Teutonische Zwangsjacke zu binden, ist für alle zu sehen gewesen. Dass der Vatikan die geistige Macht gewesen ist, die für Jahrzehnte die Vision eines wieder auflebenden „Heiligen“ Römischen Reichs durch die Schirmherrschaft der EU anregte, ist viel weniger offensichtlich gewesen – bis vor kurzem.

Die religiöse Verbindung der EU

Den religiösen Faktor innerhalb der EU kommentierend, hatte die Wilson Quaterly in einem Rückblick zu diesem Thema, welches im Juni 2001 in der European Union Politics erschien, folgendes zu sagen: „Während die EU hauptsächlich eine wirtschaftliche Gemeinschaft sein mag, wurden die europäische Integration und Religion, insbesondere der Katholizismus, theoretisch und politisch unmissverständlich zusammengefügt, als der Traum von einer Vereinigung in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg Gestalt angenommen hat. … Die Europäische Integration in den 1950ern war zum größten Teil ein christlich demokratisches Projekt, das von frommen Katholiken, wie Konrad Adenauer, Robert Schumann und Alice de Gasperi geführt wurde“. (Herbst 2001).

Interessanterweise ist die klare Trennung zwischen der Unterstützung für Euroföderalismus und der Diskussion für die Einhaltung nationaler Souveränität, religiös. Die Wilson Quaterly bemerkte: „‘Protestantische Länder zögern aus historischen und politischen Gründen ihre Souveränität aufzugeben, während die katholische Kirche beides, sowohl die ‘Europäische Union, als auch ihre Erweiterung stets unterstützt hat’. … Die frömmsten, religiös beeinflussten Protestanten, wie die Kalvinisten in den Niederlanden und Nordirland, ‘mögen die Europäische Union am wenigsten’“ (ibid.).

Es sollte also nicht überraschen, dass der Vatikan und seine Lakaien mit lauter Stimme ihren Interessen im Europakonvent Ausdruck verliehen haben, wo doch dieses Gremium eine Europäische Verfassung ausarbeitet.

Während eines in Rom einberufenen Seminars, um den Entwurf einer Verfassung zu beraten, die auf dem vor einem Jahr zustande gekommenen Abschluss des Vertrages von Nizza aufgebaut ist, sagte der Jurist Achille Chiappetti, ­Professor für öffentliches Recht an der Universität von La Sapienza in Rom, ein Laie und Redner des Seminars, „dass er davon überzeugt war, dass die Europäische Charta christlich sein müsste, weil die Geschichte der alten Welt von natürlichen Werten gekennzeichnet ist, die vom Christentum verteidigt werden“. … „Die Religion bringt enorme Werte für die Menschheit mit sich“, sagte Chiappetti. „Außerdem, ohne die christliche Religion wären wir nicht auf diesem Niveau unserer Zivilisation angekommen“ (Zenit, 28. Jan. 2002).

Offensichtlich sprach Chiappetti vom Römischen Katholizismus, als er den Ausdruck Christentum im Kontext mit diesem Seminar verwendete. In einem weiteren Kommentar, mit den Gedanken beim wiederholten Aufruf des Papstes an die Europäer, zu ihren „Heiligen“ Römischen Wurzeln zurückzukehren, bemerkte Chiappetti, dass diese Wurzeln ausreichend eingefordert wurden in der Nizza Charta des Rechts, welche, wie die ganze westliche Zivilisation mit den Werten des Christentums vollständig eingebunden ist (ibid.). Einmal mehr, anstatt Christentum lesen Sie Katholizismus.

Direkt zu den Tagen des alten „Heiligen“ Römischen Reiches zurückgehend, übermittelte der Papst den Europäern im letzten April eine zutiefst historische Botschaft. Er schrieb, dass die Pläne von Papst Sylvester ii und Kaiser Otto iii, Europa im Jahre 1000 a.d. zu evangelisieren, „für die Gläubigen heute einen Impuls darstellt, sich immer mehr der Tatsache bewusst zu werden, dass das große Mosaik der sozialen und religiösen Identität Europas, im christlichen Glauben, einem der Hauptfaktoren ihrer tiefgründigen Einheit zugrunde liegt!“ ­(Vati­kan Information Service, 3. Mai 2002).

Ein deutlicherer Appell wäre wohl nicht möglich für die verschiedenartigen EU-Staaten und ihre schwerfällige, in Brüssel basierte Bürokratie, das Bindemittel der katholischen Religion zu benutzen, um die EU-Mischung von Eisen und Ton zusammenzuschweißen.

Päpstliche Offensive

Den Druck auf den Europakonvent ­steigernd, klopfte der Papst weiterhin an die Tür des Konvents durch eine Serie von Botschaften im letzten September: „Zum dritten Mal in 12 Tagen bestand Johannes Paul ii darauf, dass eine europäische Verfassung die Rolle des Christentums in der Geschichte des Kontinents anerkennen sollte. … In seiner heutigen Ansprache sagte der Papst, ‘der Heilige Stuhl hat von Anfang an den Prozess der Vereinigung Europas begünstigt’ und er unterstrich ‘die geistlich-kulturelle Identität des Kontinents’. … Der Heilige Vater betonte dann die Notwendigkeit, einen klaren Hinweis auf Gott und den christlichen Glauben in der europäischen verfassungsmäßigen Charta einzuführen, für welchen er den ‘speziellen Beitrag von deutschen Experten und politischen Führern forderte’“ (Zenit, 13. Sept. 2002).

Historiker wacht auf! Begreift die Wichtigkeit eines Papstes, der um deutsche Hilfe bittet, um die Europäische Union zu katholisieren!

Ein aufgeklärter Journalist hatte ein ganzes Jahr vor dem Nizza-Gipfel auf diese Aussicht hingewiesen: „Wenn sie nach möglichen Überraschungen und nach einem Hinweis auf die ökumenische Vision von Johannes Paul ii suchen, dann sehen sie auf Deutschland, dem geistlich zerrütteten Vaterland der protestantischen Reformation. … Im Januar 2001 ernannte der Papst zwei der brillantesten ökumenischen Köpfe des Landes zu Kardinälen“ (United Press International, 29. Januar 2001).

Diese zwei neuen Kardinäle waren Walter Jasper, ehemaliger Bischof von Rottenburg-Stuttgart, ernannter Sekretär der Gemeinde für christliche Einheit, und Karl Lehmann, ehemaliger Bischof von Mainz. Beide haben daran gearbeitet, eine Spaltung zwischen dem traditionellen und dem liberalen Flügel der Kirche in Deutschland zu verhindern. Jeder von ihnen hat umfassende Erfahrung, die Initiative des Vatikans zum Ökumenismus voranzutreiben – die Wiedervereinigung der protestantischen und orthodoxen Töchter mit der Mutterkirche von Rom. Zusammen mit Kardinal Josef Ratzinger, einem Deutschen und dem mächtigsten Kirchenfürst unter dem Papst, sind sie ein gewaltiges Team. Von einer konservativen Kurie unterstützt, die zum größten Teil von Johannes Paul ii ausgewählt wird, ist diese kluge deutsche Enklave innerhalb der Kurie gut positioniert, um unter dem nächsten Papst eine Wiederbelebungskampagne in der Kirche zu aktivieren. Das Klima in Europa ist geradezu reif für solch eine Wiederbelebung!

Der Tod des Kommunismus

Die Römisch Katholische Kirche ist nicht nur eine vollkommen politische Organisation, sie ist auch überaus langfristig in ihrem Fokus.

Mit dem Anstieg des Säkularismus im Aufklärungszeitalter des 18. Jahrhunderts, wurde die Saat der dominierenden Ideologien für das 19. und 20. Jahrhundert gesät. Die mächtigste atheistische Ideologie war natürlich der Kommunismus. Ein scheinbarer Auswuchs all der Ideologien, die zuvor entwickelt und erprobt worden waren und eine Ersatztheorie für viele, so wurde der Kommunismus von Anfang an der Nummer-Eins-Feind der katholischen Kirche.

Auf diese Weise war der Kalte Krieg nicht nur ein großes politisches Gleichgewicht zwischen dem Atlantischen Bündnis (von den USA geführt) und der alten kommunistischen Sowjetunion. Für die katholische Kirche war es ein religiöser Krieg – oft heimlich gekämpft von Spionen des Vatikans, den Jesuiten und dem Opus Dei, auf Universitätsgeländen und innerhalb von Zivilbürokratien und Regierungen zur damaligen Zeit, als der Kommunismus und sein Auswuchs, der liberale Sozialismus, sich wie ein Ausschlag durch die ganze westliche Zivilisation verbreitete.

Während des Verlaufs des Kalten Krieges war die Kirche schwer vom liberalen Sozialismus beeinflusst. Es bedurfte eines Mannes wie Papst Johannes Paul ii, um den Trend aufzuhalten. Er ernannte Kardinal Josef Ratzinger als seinen Vollstrecker, als den Präfekt der Römischen Glaubenskongregation. Das ist der moderne Name für das alte Büro der Inquisition. Gemeinsam säuberten Johannes Paul ii und Josef Ratzinger die Kirche von den liberalsten Elementen innerhalb des ältesten Klerus, was zu einer Anzahl von Exkommunikationen führte.

Papst Johannes Paul ii wurde zum meist gereisten Papst in der Geschichte, der diplomatische Beziehungen mit einer Rekordzahl von 177 Ländern festigte. Er trug den Kampf direkt in das sowjetische Territorium und spaltete die kommunistische Gemeinschaft durch sein Handeln in Polen in den 1980er Jahren. Nachdem er eine Rekordzahl von konservativen, doktrinären Kardinälen in seinem geistlichen Herzland an Deck geholt hatte, war der Papst zur Zeit der Jahrhundertwende bereit, die Massen seiner Truppen wieder aufleben zu lassen – eine Milliarde Anhänger des katholischen Glaubens – global!

Sein großer Appell ging zuerst an die Jugend der Kirche. Hier verband er päpstliche Schauspielkunst mit Rockmusik, um Massenveranstaltungen zu inszenieren, die von mehreren Tausenden von Jugendlichen der Welt besucht werden, wie bei seiner Reise nach Kanada zum Weltjugendtag im letzten Jahr.

Inzwischen hatten seine Feldtruppen gute Arbeit geleistet, haben sich positioniert, um die Lücke innerhalb der Weltpolitik zu füllen, als mit dem Fall der Sowjetunion im Jahr 1991 die linksliberalen Sozialisten ihren Stachel im Westen verloren.

Zum Ende des Jahres 2002 hatte sich eine gewaltige ideologische Lücke quer durch die europäische politische Landschaft aufgetan. Zwei große Religionen wetteiferten darum, das Vakuum zu füllen – Der Islam und der Römische Katholizismus. Dadurch, dass der Islam durch die Ereignisse vom 11. September 2001 im Westen sehr beschmutzt war, schaltete der Römische Katholizismus in den höchsten Gang.

Die Aussegnung der Linken

Während wir in diesem ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts fortschreiten, herrscht die politische Rechte in den meisten Teilen der Welt. Aber dies ist eine neokonservative Rechte, vielfältig weit entfernt vom ultrakonservativen rechten Flügel der traditionellen Politik der Vergangenheit. Sie hat sich zu einer chamäleonähnlichen Bewegung entwickelt, die ein Spektrum von der Ultrarechten bis hin zu dem mehr gemäßigten ­sozialen Liberalismus umspannt.

Aber der Mitte-Rechts-Block, der jetzt auf beiden Seiten des Atlantiks die Politik dominiert (mit Ausnahme von Großbritannien), ist bis zu diesem Punkt größtenteils frei von Ideologie gewesen. Auf dem europäischen Kontinent bietet sich nun der Katholizismus an, diese Lücke zu füllen. Und zweckentsprechend hat er begonnen, das auf eigenem Boden in ­Italien zu tun. „In einem Essay dieses Monats, schrieb Ezio Mauro, Herausgeber der La Repubblica, von einer Kultur, in der die Werte der Familie, des Glaubens und Patriotismus aufs neue betont werden und Gestalt annehmen durch ihre Beziehung mit einem populären und konservativen Papst – der letzte Woche zum ersten Mal vor dem italienischen Parlament eine Rede hielt. Dieser Katholizismus, schrieb Mauro, hat ‘die Fernsehtaufe’ erhalten – vom staatlichen Fernsehdienst rai, in dem eine Anzahl von militanten Katholiken gut platziert sind“ (New Statesman, 25. Nov. 2002).

Die Art von Katholizismus jedoch, die die Vatikantruppe anwendet, um die politische Mitte zu umwerben, ist sehr unterschiedlich gegenüber dem vor 1978, als Karol Wojtyla den päpstlichen Thron als Papst Johannes Paul ii bestieg. „Der heutige Katholizismus ist … nicht extrem, aber auch nicht gemäßigt“ (ibid). In Wirklichkeit haben die Feldtruppen des Vatikans, anstatt daran zu arbeiten, um das innerhalb des Römischen Katholizismus verbliebene liberalsozialistische Element auszurotten, dieses zu ihrem neokonservativen Beweggrund rekrutiert!

Aber der Schlüssel zu diesem zunehmenden Wiederaufleben des Römischen Katholizismus ist die Sicherstellung, dass das, was in Italien begonnen hat, sich über die Alpen und die Adria hinweg zum Rest des sich vereinigenden europäischen Konglomerats ausbreitet.

Eine breitere Vision

„Könnte sich das über Italien hinaus bewegen? Ja, weil das Bollwerk der Rechten – Frankreich und Spanien – streng katholische Länder sind; während das Heimatland Bayern von Edmund Stoiber, dem Führer der deutschen Rechten, der größte katholische Teil von Deutschland ist“ (ibid).

Hier ist ein Mann, den zu beobachten wir unsere Leser eindringlich gebeten haben. Sollte die gegenwärtige ­deutsche Regierung fallen, oder ihr gegenwärtiger Kanzler Gerhard Schröder unter dem extrem negativen politischen Druck, dem er derzeit ausgesetzt ist, versagen, könnte sehr wohl Stoiber das Ruder in Deutschland übernehmen.

Aber die Agenda des Vatikans geht viel weiter als Italien und Deutschland. Schon durch ihren eigentlichen Namen, katholisch, was universal bedeutet, ist diese Religion zur Bekehrung der ganzen Welt verpflichtet, eine Doktrin, die sie trotz ihres Konflikts mit dem Islam, mit ihm gemeinsam hat. „Der Katholizismus bewahrt immer noch ein Eigenbewusstsein als eine – als die – Welt­religion und misst sich in dieser Gestalt mit dem Islam – er bietet eine Grundlage für die Werte einer ‘Zivilisation’ als ein Gegengewicht gegen die Militanz des bedrohlichen radikalen Islams“ (ibid).

Angetrieben von dem zweifachen Beweggrund der globalen Angst vor dem islamischen Terror und der Dominanz der Rechten Mitte in der europäischen Politik, wird sich der Anstieg des neokonservativen Katholizismus im Verlauf der folgenden Monate und Jahre ausbreiten und das Bindemittel werden, das eine mächtige, noch uneinige Vereinigung von europäischen Nationen zusammenfügt. Schließlich ist diese Europäische Union dazu bestimmt, die dominanteste Wirtschaft zu haben und die mächtigste politische, militärische und religiöse Vereinigung auf dem Globus zu werden.

Dass das gegenwärtige Klima in Europa ein fruchtbarer Boden für diese mitte-rechts-katholische Wiederbelebungsbewegung sein wird, wird von einer Anzahl aktueller Trends bestätigt. Die wirtschaftliche Rezession, die allgemeine Abneigung gegenüber der Immigration, sowie die hohen Kriminalitätsraten, sind alles nationale Streitpunkte, die in Europa vorhanden sind und somit die Unterstützung der politisch Rechten, anstatt der Linken, begünstigen Die Rechten werden als gewillt angesehen, die notwendigen strengen Maßnahmen zu erlassen, um diese Probleme zu lösen, während die Liberal-Sozialisten den Ruf haben, kein Mittel zur Lösung bereitzustellen.

Von welcher Bedeutung ist die U.S. in all diesen Dingen für Rom? Von keiner Bedeutung. Wie schwer es für den Durchschnittsamerikaner auch sein mag, zumal er naiv ist gegenüber der Tatsache, dass es jenseits der Ufer der großartigen USA eine ganze Welt gibt, so spielt Amerika abgesehen von den finanziellen Beiträgen, die helfen, seine Schatzkammer zu füllen, keine große Rolle in der Agenda des Vatikans. Welche Auswirkungen hatten unlängst die Verhaltensskandale der Priester auf den internationalen Katholizismus? Nicht viele. Und warum nicht? „Nur sechs Prozent der Katholiken in der Welt leben in Amerika – wo die meisten – wenn auch nicht alle – schlagzeilenträchtigen Sexskandale stattgefunden haben“ (Washington Times, 8. Nov. 2002).

Also, in einfachen demographischen Begriffen, die U.S. wird kaum eine Rolle spielen in der langfristigen Agenda des Vatikans. Dies wurde sogar durch ein offensicht­liches päpstliches Brüskieren des Landes im letzten Jahr bezeugt. Im Juli nahm der Papst teil am Weltjugendtag der Kirche in Toronto, bloß 30 Meilen von der U.S. Grenze entfernt. Danach ist er direkt nach Guatemala und Mexiko geflogen. Er überquerte amerikanischen Boden, aber er landete nicht darauf. Obwohl dies die amerikanische, römisch katholische Laienschaft enttäuschte und ärgerte, fand ihre Reaktion keinerlei Beachtung des Vatikans. Sie müssen verstehen, dass die Hauptarena für die Realisierung der großen Vision des Vatikans, Europa ist!

Dem Osten näherkommen

Zu diesem Zweck musste jedes einzelne osteuropäische Land, das sich um die EU-Mitgliedschaft im Mai 2004 bewirbt, eine Schlüsselvereinbarung über Kirche-Staatbeziehungen mit dem Vatikan unterzeichnen! Die von der tschechischen Republik (das letzte Land, das sich beworben hat) unterzeichnete Vereinbarung im Juli letzten Jahres, laut zenit: „Reguliert den Religionsunterricht in öffentlichen Schulen und begünstigt die Kollaboration von Kirche und Staat, das historische kulturelle Erbe zu bewahren. Letztlich verpflichteten sich beide Parteien, die komplizierten Fragen, die sich auf den vom kommunistischen Regime enteigneten Kirchenbesitz beziehen, sobald wie möglich zu lösen“ (26. Juli 2002).

Der Vatikan dreht einfach den Lauf der Geschichte zurück, um durch die Wiederbelebung des alten „Heiligen“ Römischen Reiches, seinen Traum der geistlichen Dominanz zu realisieren. Beachten Sie die Bedeutung dieser Vereinbarung von Kirche-Staatbeziehung. Es betrifft die von Rom ausgehende Regelung des Religionsunterrichts in öffentlichen Schulen, die Wiederbelebung des „Heiligen“ Römischen Erbes und seiner Kultur und die Neuübernahme von alten Kirchenbesitztümern innerhalb dieser Nationen.

Jeder Widerstand von Seiten der Bevölkerung dieser östlichen Nationen, die die EU-Mitgliedschaft anstreben, hat eine heftige Reaktion von Johannes Paul ii. ausgelöst. Laut Le Monde „plant der Papst den katholischen Widerstand gegen die EU-Mitgliedschaft zu brechen. Am 8. Dezember bat er die Europäischen Führer, die Beitrittsverhandlungen so schnell wie möglich abzuschließen. Am 9. Dezember veröffentlichte die Kommission der Bischofskonferenz der Europäischen Union in Brüssel“, in Le Mondes Worten, „eine Erklärung zu dem Zweck, den letzten Widerstand von Katholiken in gewissen Kandidatenländern, wie Polen, Slowakei, Ungarn und Malta, zu brechen“ (European Foundation Intelligence Digest 12, Dez. 2002).

Kontinentale Einheit

Der Vatikan und Deutschland zeigten ihre gemeinsame Vision für Hegemonie in Europa bereits in 1991, durch ihre Anerkennung von Slowenien und Kroatien als getrennte Nationalstaaten auf dem Balkan. Die darauf folgende Serie von blutigen Balkankriegen schuf eine zerbrochene Balkanhalbinsel, griffbereit, um von der EU verschlungen zu werden. Johannes Paul ii stimmte dem Endergebnis dieser Strategie zu, als er sich mit allen, im Vatikan akkreditierten Botschaftern, am 10. Januar 2002 traf. „Johannes Paul ii drückte auch seine Unterstützung für die Erweiterung der Europäischen Union aus, um speziell die Balkanländer einzuschließen“ (Zenit 9. Sept. 2002).

Es ist verblüffend zu beobachten, dass die deutsche Vision für Europa mit der des Vatikans übereinstimmt, insbesondere, in einem gemeinsamen Gebiet. Keiner von beiden akzeptierte die von den Alliierten beschlossene Aufteilung von Europa zum Ende des Zweiten Weltkrieges als endgültig. Deutschland betrachtete den Vertrag von Versailles, der Ende des 1. Weltkriegs entworfen wurde, bloß als ein Hindernis in der Entwicklung der Geschichte. So betrachten die Technokraten, die die Politik in Berlin und Brüssel formulieren, Potsdam und Jalta, bei denen die U.S., Großbritannien und Rußland, die Grenzen Europas nach dem 2. Weltkrieg aufteilten. Der Papst war in seinen Ansicht über diese Dinge ziemlich klar gewesen.

„Johannes Paul ii sagt, die Erweiterung der Europäischen Union, um Länder des Ostens einzuschließen, sollte dazu dienen, endlich die Spaltungen zu überwinden, die nach dem 2. Weltkrieg entstanden sind. … Der Heilige Stuhl ist erfreut von der Aussicht auf diese Erweiterung der Union, die die fortschreitende Wiederherstellung der Einheit des europäischen Kontinents erlauben sollte, die durch die Konferenz von Jalta und die Schließung des Sowjet Blocks gebrochen wurde“, sagte Johannes Paul ii (Zenit 24. Okt. 2002).

Das ist die Agenda des Vatikans! Eine Rückkehr zu den Zuständen in Europa, die vor dem 1. Weltkrieg herrschten und bevor die Sowjetunion zur Macht kam. Das bringt Europa einfach, wie alle Historiker wissen sollten, zurück in den Kontext des „Heiligen“ Römischen Reiches!  

Amerikaner halten Religion und Regierung getrennt, um die Religionsfreiheit zu bewahren. Aber innerhalb Europas is der Katholizismus schon lange eine treibende Kraft in der Politik gewesen. 

Tb Ad De