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CHRISTOF STACHE/AFP/Getty Images

Die unfassbar an Einfluss verlierende Nation

Wie Amerika von der Weltbühne verschwindet.

Die Münchner Sicherheitskonferenz ist eine der wichtigsten Verteidigungs- und außenpolitischen Sitzungen des Jahres. In diesem Jahr fand sie vom 12. bis zum 14. Februar statt. Spitzenpolitiker aus rund 70 verschiedenen Ländern versammelten sich in München, um über den Zustand der Welt zu diskutieren. Zu den Teilnehmern gehörten der US-amerikanische Außenminister John Kerry, Senator John McCain, der russische Premierminister Dmitri Medwedew und Außenminister Frank-Walter Steinmeier, zusammen mit einigen anderen prominenten Weltpolitikern. Inmitten der Diskussionen über die Krisen in der Welt wurde ein Trend dramatisch deutlich: das Verschwinden Amerikas von der Weltbühne.

Dies ist nicht allein die Meinung eines Analysten; verschiedenste Berichte vom Wochenende sprechen davon.

„Europa steht vor den schwersten Krisen seit dem Zweiten Weltkrieg und der überwältigende Konsens unter den Beamten und Experten hier ist, dass die USA nicht mehr den Willen oder die Fähigkeit haben, bei ihrer Lösung eine einflussreiche Rolle einzunehmen“, schrieb Josh Rogin für Bloomberg View in einem Artikel mit dem Titel „Europa überzeugt, USA wird Europas Probleme nicht lösen “.

„Was den Reden auf der Konferenz und auch den vielen privaten Unterhaltungen auf den Fluren fehlte, im Vergleich zu den Vorjahren, war die Diskussion darüber, welches Handeln Europa sich von den USA wünscht“, fuhr er fort.

„Am ersten Tag der Konferenz wurde die Rolle der USA in Europa in den öffentlichen Sitzungen kaum erwähnt“, schrieb er. „In den privaten Sitzungen erzählten mir viele Teilnehmer, dass die europäischen Regierungen sich nicht nur mit einem Mangel an amerikanischem Durchsetzungsvermögen abgefunden haben, sie akzeptieren jetzt auch widerstrebend ein Russland, das in europäischen Angelegenheiten präsenter ist als je zuvor, was die Lage nicht verbessert.“

Matthew Bodner schrieb für Defense News : „In den besten Zeiten dient die jährliche Münchner Sicherheitskonferenz als Altar, auf dem die transatlantische Allianz ihre Gelübde erneuern kann. Wenn alle Stricke reißen, wie es in diesem Jahr der Fall war, offenbart München die tiefe Zerbrechlichkeit der euro-atlantischen Einheit.“ Später schrieb er, dass „Europa nicht mehr sicher ist, inwieweit die USA als der ultimative Garant der Sicherheit auf dem Kontinent handeln wird. Währenddessen ergreift Russland fast jede Gelegenheit, seine eigenen Ziele zu verfolgen.“

Reuters betonte auch die verminderte amerikanische Präsenz. „Auf der Münchner Konferenz stellten langjährige Beobachter eine verminderte Präsenz der USA im Vergleich zu den vergangenen Jahren fest“, schrieb Lucian Kim.

Roderich Kiesewetter, Mitglied des Deutschen Bundestages und von Angela Merkels CDU, beschwerte sich: „Es gibt nicht genug Transatlantisches.“ Er fuhr fort: „Die Amerikaner sind in den Diskussionen nicht wie gewohnt präsent. Das ist ein Zeichen.“

Das Militär-Blog War on the Rocks hielt fest, dass „die Forderung nach einem Mehr an amerikanischer Führung eine Konstante auf der Konferenz war.“

„Neben den Plädoyers für ein verstärktes Engagement stimmte man in diesem Jahr darin überein, dass Amerika im Blick auf die Herausforderungen, die Russland, Syrien und andere stellen, keine hohe Relevanz besitzt. [...] [Man hat] das Gefühl, die USA verfüge über große latente Kapazitäten, aber ermangele den nötigen Willen, ihre Ressourcen einzusetzen, um Probleme außerhalb unserer Grenzen zu lösen“, steht dort (Hervorhebung hinzugefügt).

Im krassen Gegensatz zu der kritischen Bewertung Amerikas stand Russland. Dies war eine weitere Entwicklung, die von vielen Analysten wahrgenommen wurde.

„In Ermangelung einer starken US-amerikanischen oder europäischen Führung findet sich der russische Präsident in der dominanten Position, und er liebt es“, schrieb Lucian Kim.

„München sendet eine klare Botschaft: 2016 wird die Stärke der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen auf die Probe stellen, die die transatlantische Gemeinschaft seit 1945 zusammenhalten“, schloss Defence News. „Und Russland könnte den Schwung haben. Es hat sicherlich die klareren Ziele.“

„Die Russen schienen voller Zuversicht im Kontrast zu den Vereinigten Staaten und Europa, die scheinbar nicht in der Lage oder nicht willens sind, die Krisen im Nahen Osten zu bewältigen“, schrieb War on the Rocks.

Auf den ersten Blick scheint dies absurd. Amerikas Wirtschaft ist fünfmal größer als die Russlands. Amerikas Militärausgaben übersteigen Russlands um das Siebenfache. In fast jedem quantifizierbaren Maß der nationalen Macht schlägt Amerika Russland mit großem Abstand.

Hinzu kommt die Tatsache, dass Russland unter den so oft als „lähmend“ bezeichneten Sanktionen leidet und seine Devisenreserven aufbraucht, um seine Wirtschaft über Wasser zu halten. Doch wenn sich Spitzenpolitiker versammeln, dominiert Russland, während Amerika in den Hintergrund rückt.

Dieses Paradoxon ist ein deutlicher Beweis für die Bedeutung der Führung und Entscheidungsfindung eines Landes. In seinem wegweisenden Buch Politics Among Nations bezeichnet Hans J. Morgenthau diese Komponente der nationalen Macht als „Diplomatie“.

„Diplomatie, könnte man sagen, ist das Gehirn der nationalen Macht, wie die nationale Moral seine Seele ist“, schrieb er. „Wenn seine Vision verschwommen, sein Urteil fehlerhaft und seine Entschlossenheit schwach ist, werden einem Land alle seine Vorteile, sei es seine geografische Lage, seine Möglichkeit zur Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln, seine Rohstoffe und seine Industrieproduktion, seine militärische Bereitschaft und die Größe und Qualität seiner Bevölkerung auf lange Sicht wenig nützen.“

„Von allen Faktoren, welche die Macht eines Landes ausmachen, ist der wichtigste, wenn auch instabile, die Qualität der Diplomatie“, fuhr er fort. „Alle anderen Faktoren, die nationale Macht bestimmen, sind somit der Rohstoff, aus dem die Macht eines Landes geformt wird.“

Morgenthau beschreibt treffend Putins Russland. „Indem die seine Macht betreffenden Möglichkeiten eines Landes bestmöglich zu seinem Vorteil genutzt werden, kann kompetent eingesetzte Diplomatie die Macht eines Landes über das hinaus erhöhen, was angesichts aller anderen Faktoren zu erwarten wäre“, schrieb er. „Oft wurde in der Geschichte ein gehirn- und seelenloser Goliath von einem David, der über beides verfügte, geschlagen und getötet. Diplomatie von hoher Qualität bringt die Ziele und Mittel der Außenpolitik in Einklang mit den verfügbaren Ressourcen der nationalen Macht. Sie zapft die verborgenen Quellen der nationalen Stärke an und wandelt sie vollständig und sicher in politische Realitäten um.“

Dies fehlt Amerika schmerzlich. Fatalistische europäische Staats- und Regierungschefs sprachen auf der Konferenz darüber, wie „die Frage von Krieg und Frieden auf unseren Kontinent zurückgekehrt [ist]“ – wie Deutschlands Außenminister es ausdrückte. Währenddessen bot John Kerry, Amerikas Chefdiplomat, Sonnenschein und Optimismus, aber keine Lösungen.

Morgenthaus Beschreibung eines Landes in Ermangelung qualitativ hochwertiger Diplomatie entspricht dem heutigen Amerika in großen Teilen. „Auf lange Sicht verschwendet“ ein Land „mit hoher Wahrscheinlichkeit seine natürlichen Ressourcen, wenn sie unvollständig, stockend und verschwenderisch für seine internationalen Ziele mobilisiert werden“, schrieb er.

Um zu erklären, warum Amerika diese Führung und Qualität der Diplomatie fehlt, müssen wir uns an die Bibel wenden. Sie sagt voraus, dass die Stärke dieses Landes „umsonst verzehrt“ werden würde (3. Mose 26,20; Jesaja 49,4). Gott sagte, er würde die großen nationalen Führer (Jesaja 3) fortschaffen. „Und ich werde eure stolze Macht brechen“, sagt er (3. Mose 26,191 1). Diese Prophezeiungen waren auf der Münchner Sicherheitskonferenz klar ersichtlich. Weiteres darüber, was die Bibel über Amerikas Zukunft sagt, lesen Sie in unserem Artikel „Heralding the End of an Empire