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JUSTIN SULLIVAN/GETTY

Die neue amerikanische Moral

Die Moral hat in der amerikanischen Geschichte immer eine wichtige Rolle gespielt. Aber die Moral, die heute gefördert und gepredigt wird, ist ganz anders als alles, was dieses Land bisher erlebt hat.

Man kann die Moral nicht in eine Kiste einsperren. Unsere Moral beeinflusst jeden Aspekt unseres Lebens: Unsere Familien, unsere Erziehung, unsere Wohltätigkeitsorganisationen, unsere Religionen, unseren Handel und unsere Geschäfte, unsere Wirtschaft, unsere Gesetze, unsere Polizei und Justiz, unsere Regierungen, unsere Sozialpolitik, unsere strategische Planung und unsere Außenpolitik – ja sogar, wo und wie wir Krieg führen.

Seit ihren Anfängen basierte die amerikanische Moral auf der Bibel. Die Amerikaner praktizierten die biblischen Moralvorschriften und setzten mit bemerkenswertem Eifer um, was sie darunter verstanden.

In letzter Zeit ist diese Moral jedoch durch einen völlig anderen, durchaus nicht biblischen Moralkodex ersetzt worden.

Die neuen Moralisten erwarten Konformität mit den sexuellen Normen, den Geschlechterrollen und Definitionen, dem Rassismus, dem Multikulturalismus und mit vielen anderen Aspekten unseres Lebens. Erstaunlich ist auch, dass die neue amerikanische Moral, obwohl sie unreligiös ist, zunehmend mit genau demselben religiösen Eifer durchgesetzt wird, wie früher die alte Moralität.

Die Gebote dieses neuen Moralkodexes sind streng und gnadenlos, mit unduldsamen Verurteilungen aller nur vorstellbaren Formen der Intoleranz, selbst die, die Gott selbst praktiziert.

Das frühe Amerika

Dieses neue moralische Erwachen ist total verschieden von Amerikas vorherigem Großem Erwachen.

In der Kolonialzeit flohen Puritaner, Katholiken, Quäker und andere vor der religiösen Verfolgung in England und kamen nach Amerika, das sie als eine Zuflucht für die Ausübung ihrer Religion ausersehen hatten. Die frühen Siedler etablierten starke religiöse Kolonien. Einige von ihnen leiteten ihre Gesetzgebung direkt vom Alten Testament ab. Viele ihrer Kolonialverträge kopierten den Mayflower-Vertrag, dessen Unterzeichner sagten, sie unternähmen ihr Projekt „zu Ehren Gottes und zur Förderung des christlichen Glaubens.“ Die Massachusetts Bay Kolonie zitierte Kapitel und Verse der Bibel wörtlich bei der Schaffung der Gesetze des Landes.

Wenn die Siedler schwere Zeiten durchmachten und schwere Prüfungen zu bestehen hatten, reagierten die Gouverneure mit härteren Gesetzen, ordneten Gebete und Gottesdienste an und verschärften die Strafen der wegen Ehebruchs, Sodomie, Vergewaltigung und anderer unmoralischer Handlungen verurteilten. Als William Penn das „heilige Experiment“ von Pennsylvania begann, stellte er alle solche gegen Gott gerichtete Vergehen wie Kraftausdrücke, Fluchen, Lügen … Blutschande, Sodomie, Vergewaltigung, Hurerei, Unzucht und andere Unreinlichkeiten unter Strafe (damit sie sich nicht wiederholten) … weil „die Verwilderung und Lockerheit der Leute den Unwillen Gottes gegen das Land herausfordern würde.“

In diesem Klima verbreitete sich eine einzigartige amerikanische religiöse Toleranz: Die Leute konnten der Religion angehören, der sie angehören wollten, solange sie Christen waren und an Jesus Christus glaubten. Das 18. Jahrhundert wurde oft das rationale Zeitalter oder das Zeitalter der Aufklärung genannt. Amerika erlebte eine Reihe von religiösen Erweckungen. Prediger, die zur Reue aufriefen und Bekehrungen genossen eine enorme Beliebtheit und zogen große Menschenmengen an. Die meisten berühmten amerikanischen Universitäten – eingeschlossen Harvard, Yale, Princeton, Columbia und Dartmouth – wurden in dieser Zeit als konfessionelle Colleges und Seminare gegründet, um Priester auszubilden. Allgemein wurde die Ausbildung von allen in erster Linie als ein moralisches Unterfangen verstanden.

Als für das Land die Trübsal des Unabhängigkeitskrieges begann, verordnete der Kontinentalkongress einige Fastentage, zur „Übung von Reue und Läuterung.“ Er betrachtete den Krieg „nur als Strafe für unsere vielfältigen Übertretungen“ und beschwor die zivilen und militärischen Offiziere und Beamten, strenger auf die Einhaltung der Artikel des Kriegsrechts achten, die „das gottlose Fluchen und alle Unmoral“ verboten.

Die neue Moral ändert sich mit der Zeit: Was früher untragbar war, das wird nun unterstützt und was früher toleriert wurde, ist jetzt vielleicht vollständig untragbar.

Die Begründer und Gesetzgeber des Landes garantierten in der ersten Novelle der Verfassung den gesetzlichen Schutz der Religion, die jedes Gesetz ausschließt, das die freie Ausübung der Religion einschränkt. Die Trennung von Kirche und Staat beschützte die Religion vor der Einflussnahme der Regierung und sicherte ihre Bedeutung im öffentlichen Leben.

Als der französische Politikwissenschaftler Alexis de Tocqueville Amerika 1831 besuchte, erlebte das Land gerade einen weiteren Ausbruch von religiösem Eifer, der das zweite große Erwachen genannt wird. „Es gibt kein Land auf der Welt, in dem sich die christliche Religion einen größeren Einfluss über die Seelen der Menschen bewahrt hat“, schrieb Tocqueville in Democracy in America (Demokratie in Amerika) „Die Freiheit sieht die Religion als ihre Gefährtin in allen Schlachten und allen ihren Triumpfen an… Sie hält die Religion für den Schutz der Moral und die Moral ist die beste Rechtssicherheit und das sicherste Unterpfand für eine dauerhafte Freiheit…“

Niemand streitet ab, dass die Vereinigten Staaten den biblischen Moralkodex hervorragend verwirklichten. In der ganzen Geschichte hat das kein Land geschafft – nicht einmal Israel, das Land, dem Gott diesen Kodex ursprünglich gab. Um nur das namhafteste Beispiel der amerikanischen Geschichte zu nehmen: Obwohl man schon in der Unabhängigkeitserklärung festgeschrieben hatte, dass „alle Menschen gleich geschaffen und von ihrem Schöpfer mit gewissen Rechten ausgestattet wurden“, brauchte die junge Nation noch fast neun Jahrzehnte, bis sie schließlich die unmoralischen und durchaus nicht der Bibel entsprechenden Praktiken der Sklaverei durch ein Gesetz der Verfassung abschaffte.

Während die große Mehrheit der Gesellschaft nichtsdestotrotz versuchte, die biblische Moral so in die Praxis umzusetzen, wie sie sie verstand, wuchs Amerika und wurde zur größten einzelnen Nation der Weltgeschichte. Die meisten Leute erkannten richtig, dass Gottes Segnungen der Grund für diesen Erfolg waren. (Lesen Sie zu der wenig bekannten Tatsache, wie Gott das zustande brachte, unser kostenloses Buch Die USA und Großbritannien in der Prophezeiung von Herbert W. Armstrong.)

Die neuen Regeln lernen

Tocqueville sagte, dass die Religion die Moral schützt und dass die Moral die Freiheit sichert. Aber in den letzten Jahrzehnten hat sich die Religion in Amerika immer weniger mit der Moral beschäftigt. Durch das Verlassen des moralischen Fundaments ist die Religion schwächer geworden. Und ihre Feinde sind mutiger und zahlreicher geworden. Sie haben es geschafft, das Konzept der Trennung von Kirche und Staat umzugestalten, um so die Verweltlichung des öffentlichen Lebens zu erzwingen – und zwar nicht, um die Religion zu schützen, sondern als rechtmäßige Waffe gegen sie.

Dieser Prozess hat die Bühne für das neue große Erwachen bereitet – für die neue Moral.

Die alte, auf der Bibel basierende Moral war unveränderlich und absolut. Sie betonte die Unantastbarkeit der Ehe und die Verantwortlichkeit der Eltern, ihre Kinder zu erziehen und auszubilden. Sie hob die Heiligkeit des Geschlechtsverkehrs zwischen Ehemann und Ehefrau hervor. Sie schrieb den Respekt für die staatliche Autorität vor und die Pflichten dem Land gegenüber. Sie unterstützte persönliche Tugenden wie Besonnenheit, Mäßigung, Enthaltsamkeit, Bescheidenheit und Sparsamkeit.

Die neue Moral ändert sich mit der Zeit: Was früher untragbar war, das wird nun unterstützt und was früher toleriert wurde, ist jetzt vielleicht vollkommen untragbar. Sie ist uneinheitlich und widersprüchlich. Sie betont den Vorrang jedes Einzelnen und die Bedeutung der persönlichen Erfüllung noch vor der Pflicht gegenüber der Ehefrau und der Nachkommenschaft. Sie ermutigt zur hemmungslosen sexuellen Freizügigkeit – außer wenn Männer Frauen zum Sex nötigen – ein abrupter Wechsel in jüngster Zeit. Abhängig davon, wer gerade an der Macht ist, strebt die neue Moral entweder eine autoritärere Herrschaft oder den Umsturz des ganzen Systems an und sie betrachtet den Patriotismus als etwas ähnliches wie Stammesdenken. Es gibt keine absoluten Tugenden mehr: Abhängig von den Umständen und von jedem einzelnen werden Unmäßigkeit, Nachgiebigkeit, Trunkenheit, Arroganz und Habsucht vielleicht alle als moralisch gelobt oder als unmoralisch verurteilt.

Trotz seiner Widersprüche und seiner Unbeständigkeit wird die Moral immer noch mit der gleichen gnadenloser Überzeugung und Autorität durchgesetzt.

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Die neue amerikanische Moral sagt, dass alle Männer Vergewaltiger oder potentielle Vergewaltiger sind und gefürchtet und gezügelt werden müssen. Gleichzeitig sagt sie, wenn einer dieser Männer glaubt, er sei eine Frau, dann ist das Wahrheit und Moral. Da müssen wir alle mitspielen. Wir sollen diesen Mann in die Damentoilette lassen und jeder, der sich dabei nicht wohlfühlt, ist engstirnig. Engstirnigkeit ist unmoralisch.

Es ist jetzt moralisch einwandfrei, den Kindern zu erlauben, sich schon in frühen Jahren ihr Geschlecht auszusuchen. Unmoralisch ist jedoch, sie zu ermutigen, den geschlechtlichen Stereotypen zu entsprechen, wie zum Beispiel den Jungen beizubringen, die Mädchen zu beschützen.

Es ist ganz klar unmoralisch für einen Mann, Jagd auf eine Frau zu machen. Wenn er jedoch verheiratet ist, ist es für ihn unmoralisch, das Alleinsein mit einer Frau, die Versuchung und/oder den Anschein des Bösen zu vermeiden. Warum? Weil es die Karriere der Frauen behindern könnte, die sich allein mit ihm treffen müssen. Wenn eine Frau versucht, Sex für berufliches Vorankommen einzutauschen, dann ist das für den Mann unmoralisch, doch für die Frau ist es moralisch. Ausgedrückt mit den umjubelten Worten von Oprah Winfrey bei den Golden Globes hat sie es getan, weil „sie Kinder hat, die sie ernähren muss, Rechnungen, die sie bezahlen muss und weil sie ihre Träume verwirklichen möchte.“ Moralisch.

Außerehelicher Geschlechtsverkehr und uneheliche Geburt: Moralisch – und wehe, jemand versucht, etwas dagegen zu sagen. Pornografie ist so allgegenwärtig, dass sie problemlos und regelmäßig sogar von Kindern angesehen wird: Moralisch. Die gleichgeschlechtliche Ehe: Moralisch. Bei der heterosexuellen Ehe hängt es davon ab, ob der Mann seine Familie führt. Wenn er das tut, ist das Unterdrückung: Unmoralisch.

Anstrengungen zum Schutz des ungeborenen Lebens: Unmoralisch. Das Entlarven von Kliniken und Ärzten, die abgetriebene Körperteile verkaufen: Unmoralisch.

Die Religion wird im Allgemeinen als moralisch akzeptiert. Östliche Religionen sind moralisch. Religiöse afrikanische Stammesriten sind moralisch. Die Spiritualität der amerikanischen Ureinwohner ist moralisch. Der Islam, eingeschlossen das Bedecken des ganzen Körpers, Zwangsehe, Verstümmelung der Genitalien und das gelegentliche Herabstoßen von Homosexuellen von Gebäuden: Moralisch. Die neuen Moralisten dürfen bei diesen Praktiken nicht intolerant und engstirnig sein.

Die bemerkenswerte Ausnahme ist die auf der Bibel basierende Religion: Unmoralisch. Christen, deren Gewissen es nicht zulässt, eine Hochzeitstorte für ein homosexuelles Brautpaar zu backen: Unmoralisch.

Erwarten Sie keine Folgerichtigkeit in der neuen Moral. Halten Sie sich einfach nur auf dem neuesten Stand – und gehen Sie sicher, dass Sie sich nach den Vorschriften verhalten.

Die neue Moral in Aktion

Die neuen Generationen, die unter der neuen amerikanischen Moral aufwachsen, lernen sie gut. Sie messen die Gesellschaft gnadenlos an ihrem Maßstab: Sie tolerieren oder ermutigen andere sogar zu Überzeugungen und Handlungen, die in weniger erleuchteten Zeiten als unmoralisch angesehen worden wären und benutzen eifrig ihren peinlich genauen moralischen Maßstab, um diejenigen zu verurteilen, die mit den neuen Regeln in Konflikt geraten.

Ein Beispiel in der wirklichen Welt passierte nach der Schießerei in der Kirche im Juni 2015 in Charleston, South Carolina, begangen von einem weißen Rassisten. Die Reaktion darauf war der Beginn einer Bewegung, die für die Beseitigung öffentlicher Denkmäler und Gedenkstätten der konföderierten Staaten Amerikas eintritt.

Im letzten August eskalierte diese Bewegung, nachdem widerstreitende Protestler wegen einer Statue von Robert E. Lee in Charlottesville in Virginia aneinandergerieten. Plötzlich waren die Gedenkstätten überall im Land nur noch Monumente des weißen Nationalismus, des Rassismus und der Unmoral der Vergangenheit der amerikanischen Sklavenhalter. Eine Flut der moralischen Verachtung brandete auf gegen Jefferson Davis, Stonewall Jackson, Roger Taney und andere Konföderierte. Aber es hörte damit nicht auf. Es riss sogar Giganten wie George Washington, Thomas Jefferson und Abraham Lincoln mit: Sie hatten die Schuld an der Sklaverei und am Rassismus. Unmoralisch. Und für die unbeugsame neue Moral unverzeihlich.

Es war ein krasses Beispiel dafür, wie explosiv, leidenschaftlich, übereifrig und fanatisch die neue Moral sein kann. Sie beurteilt nicht logisch durchdacht und sagt nicht, welche Aspekte der Geschichte erhalten werden sollten und welche mit Presslufthammer und Sandstrahler niedergerissen und zerstört werden müssten. Sie brandmarkt reflexartig jede Opposition als engstirnig und rassistisch. Gegenteiliges Beweismaterial wird als Lärm disqualifiziert. Die einzig moralisch korrekte Handlungsweise ist die Vernichtung.

Die heutigen Moralisten sind großartig beim Aufzeigen von Sünden. Historische Figuren sind da ganz besonders leichte Ziele.

Diese edelgesinnten Kritiker können einen Mann wie Präsident Washington ansehen und sich selbst für moralisch überlegen halten. Er war ein Mann, der überall wegen seines untadeligen Charakters bewundert wurde – ein Mann, ohne dessen Führerschaft die Vereinigten Staaten von Amerika genauso gut eine misslungene Fußnote der Geschichte geworden wären. Dafür, dass er in sein Privatleben zurückkehrte und sich weigerte, die amerikanische Präsidentschaft in eine Monarchie zu verwandeln, nannte König George III. George Washington „den bedeutendsten Mann der Welt.“ Trotzdem hält er den Anforderungen der neuen Moral nicht stand.

Diese Leute schauen auf Präsident Jefferson herab und sehen in ihm nichts als einen üblen Sklavenhalter. Sie sind unfähig, in ihm den Autor der Glaubensbekenntnisse zu sehen, die dazu geführt haben, mehr Leuten mehr Freiheit zu gewähren als in keinem anderen Land in der Geschichte der Menschheit. Die gesamte Vergangenheit Amerikas ist ein mühseliger, aber bemerkenswert erfolgreicher Kampf darum gewesen, die hohen Ziele der universellen Rechte und Freiheiten zu erreichen, die Jefferson bei der Geburt der Nation formulierte. Al Sharpton, nicht gerade ein Musterbeispiel an Tugendhaftigkeit, hat verlangt, dass der Jefferson-Gedenkstätte die öffentliche Förderung entzogen würde, um sein Andenken nicht weiter zu erhalten.

Präsident Lincoln hatte noch nicht das kulturelle und rassistische Bewusstsein der heutigen Moralapostel. Nichtsdestotrotz gelang ihm die erstaunliche Leistung, ganz allein das geteilte Land wiederherzustellen und zu verhindern, dass es für immer zweigeteilt bliebe und dabei gleichzeitig die Sklaverei im Land durch eine Ergänzung in der Verfassung auszurotten. Doch alle diese Errungenschaften retteten ihn nicht vor dem Tadel mindestens eines Kreuzritters in seinem Heimatstaat, der Lincolns Büste in der South Side von Chicago in Brand steckte und mutwillig zerstörte.

Die heutigen Moralisten sind großartig beim Aufzeigen von Sünden. Historische Figuren sind da ganz besonders leichte Ziele, weil niemand in der Menschheitsgeschichte nach den Anforderungen der scharfen Kritik der amerikanischen neuen Moral gelebt hat. So können Erzieher leicht demonstrieren, dass sie moralisch allen überlegen sind, die in der westlichen Zivilisation vor ihnen kamen. Sie können zeigen, dass jeder Held der westlichen Geschichte eigentlich ein Bösewicht war. Aber sie sind nicht interessiert, etwas von ihnen zu lernen. Was etwa könnte uns ein Sklavenhalter wie Thomas Jefferson lehren? Was könnten wir davon haben, einen Rassisten wie Abraham Lincoln zu studieren? Sie empfinden keine Dankbarkeit dafür, was diese Leute aufgebaut haben und das ihnen heute zu Gute kommt. Sie empfinden nur selbstgerechte Empörung und Verachtung.

Die neuen Moralisten haben weitgehend begonnen, das Land zu hassen, das ihnen all ihre Freiheiten und ihren Reichtum geschenkt hat, und zwar wegen all seiner Immoralität, Intoleranz, Engstirnigkeit, Sklaverei, seinem systematischen Rassismus, seiner kulturelle Vereinnahmung, seiner kapitalistischen Habsucht und Ausbeutung, seiner Klassenunterdrückung, seinem Sexismus, seiner Frauenfeindlichkeit, Angst vor der Homosexualität, Transphobie, Imperialismus, Kriegsverbrechen – die Liste ist noch lang. Sie leben tatsächlich in dem wohlhabendsten und freiesten Land der Menschheitsgeschichte und doch sehen es die neuen Moralisten als das möglicherweise ausbeuterischste, rassistischste, unterdrückendste und unmoralischste Land der Geschichte an.

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Wie man einen Menschen moralisch einordnen kann

„Macht Amerika wieder groß“ ist Präsident Donald Trumps Leitspruch. Wann war denn Amerika zum letzten Mal groß? Diese Frage wurde dem Kandidaten für den Senat von Alabama Roy Moore auf einer Wahlversammlung letzten September gestellt. Er ging bis zur Zeit des Besuchs von Tocqueville noch vor dem Bürgerkrieg zurück: „Ich glaube, es war zu der Zeit groß, als die Familien noch vereint waren, auch wenn wir da noch die Sklaverei hatten. Die Leute haben sich damals noch umeinander gekümmert… Unsere Familien waren stark… und unser Land hatte eine Marschrichtung.“

Diese Antwort erschien weitverbreitet in allen Medien und politischen Plattformen und sollte heißen, dass Moore glaubte, die Sklaverei hätte Amerika stärker gemacht! Roy Moore unterstützt die Sklaverei!

In Wirklichkeit erkannte Moore unmissverständlich, dass die Sklaverei verkehrt war; er sagte, dass es abgesehen von diesem Übel etwas Großes in Amerika gab: Die Familien waren stark und das Land machte Fortschritte. Historiker mögen das bezogen auf das frühe Amerika sogar objektiv für richtig halten. Aber solche Unterscheidungen sind im heutigen Amerika unmöglich, wo die Leute Jefferson eher als einen barbarischen Sklavenhalter ansehen, anstatt in ihn den Autor von Schriften zu erkennen, die später dazu führen sollten, dass die Sklaven Ihre Freiheit bekämen.

Moore wurde bereits weitläufig als Sexualstraftäter bekannt, weil er versucht hatte, sich mit jungen Mädchen zu treffen, die nur halb so alt waren wie er. Nach dem rüden moralischem Urteil des erleuchteten Amerikas wurde nun jeder, der für Moore stimmte, nicht nur für einen begeisterten Förderer des sexuellen Missbrauchs von Kindern gehalten, sondern auch für einen Rassisten, der die Sklaverei wieder einführen wollte. Gott sei Dank verlor er die Wahl, so dass der Senat nicht durch seinen unmoralischen Einfluss ungünstig beeinflusst wurde – jedenfalls glaubt man das.

Vielleicht waren die Vorwürfe ja berechtigt und Moore hatte das Amt wirklich nicht verdient. Viele derzeitige Kongressmitglieder legen jedoch offen ein so übles oder sogar noch schlechteres Verhalten an den Tag, wenn man sie nach der biblischen Moral beurteilt und trotzdem erhalten sie von den neuen Moralisten eher Lob als Tadel. Moore jedoch machte sich der Sünde schuldig, die Bibel und die zehn Gebote hochzuhalten und wurde so zur Zielscheibe.

Die etablierten moralischen Medien, die Demokraten und sogar die Republikaner behandelten Moore wie einen verurteilten Kinderschänder auf Grund von vierzig Jahre alten Behauptungen, von denen etliche erwiesenermaßen falsch waren. Unterdessen sehen viele neue Moralisten die wirkliche Pädophilie schon als normal an. Sie wird schon systematisch in bestimmten Hollywoodfilmen und inzwischen etablierten neuen Quellen als ganz normal dargestellt. Psychologen und Aktivisten sind dabei, sie auf demselben Weg zur gesellschaftlichen Akzeptanz zu führen wie vorher die Homosexualität und die Transsexualität. Und wagen Sie es nicht, Leute wegen dieser unbezähmbaren Neigungen zu verurteilen. Das wäre unmoralisch.

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Zwei Arten von Rechtschaffenheit

Der Unterschied zwischen dieser neuen Moral und der biblischen Moral ist krass.

Der biblische Moralkodex ist streng, konsequent und unbeugsam – sein Standard ist die absolute moralische Reinheit und Vollkommenheit ( z.B. 1.Mose 17, 1; Matthäus 5, 48, Philipper 3, 14-15). Er identifiziert eine ganze Reihe von Sünden abgesehen von Vorurteilen und Engstirnigkeit. Tatsächlich sagt er unmissverständlich, dass alle gesündigt haben und die Herrlichkeit Gottes verfehlen (Römer 3, 23) – auch die neuen Moralapostel.

Aber dass wir Sünder sind, schließt unsere Rettung nicht aus. Obwohl Gott vollkommen und anderen moralisch überlegen ist, so ist Er doch voller Gnade, Mitleid und Geduld (z.B. 2.Mose 34, 7 Matthäus 18, 21-22; Lukas 6, 36-37). Bei der Beurteilung prüft Gott unser Herz, Absicht, Haltung, Umfeld und Kenntnis der Gebote. Er erlaubt uns unsere Sünden zu bereuen; das ist Sein Ziel für alle Menschen.

Die neue amerikanische Moral ist sehr viel wählerischer in ihrer Rigorosität, aber denjenigen gegenüber, die sie für Missetäter hält, ist sie gnadenlos.

Dieses Vorgehen ähnelt einem anderen biblischen Beispiel, nämlich dem des Teufels. Er wird auch „der Ankläger“ genannt – er kritisiert, verhöhnt und verspottet die Leute „Tag und Nacht“ (Offenbarung 12, 10). Er ist negativ, zynisch und selbstgerecht. Er hat einen von ihm selbst ausgedachten moralischen Standard und nutzt ihn als stumpfe Waffe. Da er sich selbst wegen seiner Lügen, Wollust, Bigotterie und wegen Mordes schuldig gemacht hat, sieht er bei anderen nur Schwächen, Dummheit, Heuchelei und Mängel.

Der Teufel kann Gott selbst ansehen und in Ihm einen Heuchler und Versager sehen. Gott jedoch kann einen Sünder ansehen und in ihm ein gutes Herz sehen.

Die Moralprediger haben sich selbst zu Richtern, Geschworenen und Henkern von Amerikas neuem Moralkodex ernannt. Es ist klar, von wem sie ihre Inspiration beziehen.

Die neue Moral mit allen ihren Widersprüchen kann man nicht als umfassenden, konsequenten Moralkodex ansehen. In der Praxis wird er eher als Waffe eingesetzt, die nur darauf abzielt, alles zu zerstören, was noch von der biblischen Moral in Amerika übrig ist.

Schon 1964 begann der Erzieher Herbert W. Armstrong den Aufstieg einer „neuen Moral“ in Amerika lautstark zu verdammen. Es wäre eine Bewegung… gegen die Prüderie, Unterdrückung und Ignoranz, die die Einschränkungen abschüttelt“, schrieb er in seiner Broschüre mit dem Titel Gott spricht ein Urteil über ‚die neue Moral‘. Auf vielerlei Weise vergrößert diese neue Entwicklung diese Bewegung noch zusätzlich mit weltlicher Scheinheiligkeit. Wohin wir uns auch wenden, hören wir Vorträge von den heutigen Moral-Pharisäern.

Der Autor der biblischen Moral hat starke Worte für diejenigen, die ihre eigenen moralischen Standards festsetzen.

Durch den Propheten Jesaja sagte Gott: „Weh denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen, die aus sauer süß und aus süß sauer machen! Weh denen, die weise sind in ihren eigenen Augen und halten sich selbst für klug!“ (Jesaja 5, 20-21).

Das ist eine Prophezeiung für die Völker Israels in der Endzeit und die neue Moral in Amerika heute erfüllt sie bestens. Überall sehen wir die Umkehrung der biblischen Definitionen von Gut und Böse. Überall sehen wir Leute, die das Böse rechtfertigen und das Rechte verdammen – eine Praxis, die Gott eine Abscheulichkeit nennt (Sprichwörter 17, 15). Wir sehen Leute voller selbstgerechter Entrüstung. Gott sagt: wehe, was auf das Land zukommen wird, das so bedenkenlos diesen perversen moralischen Standard übernimmt.

„Und das Recht ist zurückgewichen, und die Gerechtigkeit hat sich entfernt, denn die Wahrheit ist auf der Gasse zu Fall gekommen, und die Aufrichtigkeit findet keinen Eingang. Und die Wahrheit ist dahin, und wer vom Bösen weicht, muss sich ausplündern lassen. (Jesaja 59, 14-15). Die Übersetzung von Luther sagt, dass der, der vom Bösen abweicht, ausgeplündert wird. Jawohl, wenn Sie von dem Bösen abweichen, nach biblischen Standards leben und sich vom Unmoralischen entfernen wollen, dann müssen Sie damit rechnen, gebrandmarkt und verurteilt zu werden.

Im Neuen Testament warnt der Apostel Paulus vor denjenigen, die wie die neuen Moralapostel, die Gerechtigkeit nicht erkennen, „die vor Gott gilt, und suchen ihre eigene Gerechtigkeit aufzurichten und sind so der Gerechtigkeit Gottes nicht untertan“ (Römer 10, 3).

Das ist es, was wirklich während dieses jüngsten ‚großen moralischen Erwachens‘ passiert. Die Leute sind dabei, ihre eigene Gerechtigkeit zu etablieren und sie unterwerfen sich so nicht der Gerechtigkeit Gottes, der der eine und einzige Gesetzgeber ist, der allein Recht und Unrecht bestimmt. Desto beflissener und fanatischer sie in ihrem unreligiösen Eifer werden, umso verwirrter wird diese neue Moral werden und umso mehr wird die Gesellschaft unter ihrem Einfluss leiden. 

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