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Johann Daniel Lebrecht Franz Wagner/Wikimedia Commons

Die Habsburger Dynastie – ein Weltreich (Dritter Teil)

Das Heilige Römische Reich in der Prophezeiung - Kapitel funf

Fortgesetzt von Die Habsburger Dynastie – ein Weltreich (Zweiter Teil)

Verkauf von Geistlichen Begünstigungen

Der Ursprung der Römisch-Katholischen Kirche kann bis zu der Zeit zurückverfolgt werden, als der Apostel Petrus Simon Magus zurückwies, weil dieser versucht hatte, den Heiligen Geist käuflich zu erwerben. (Apostelgeschichte 8, 18-21). Wenig überraschend daher, dass die von Simon Magus begründete Religion letztlich durch den Verkauf geistlicher Begünstigungen unglaublich reich wurde.

Das berühmteste Beispiel dafür war der Verkauf von Ablässen, eine Gepflogenheit, die im Mittelalter besonders populär war.

Die Kirche lehrte, dass die Menschen die Zeit, die sie leidend im Fegefeuer zu verbringen hätten, erheblich verkürzen konnten, wenn sie der Kirche Geld spendeten. Der Verkauf von Ablässen funktionierte wie eine Franchise-Konzession, wie zum Beispiel McDonald’s oder Subway: Ein örtlicher Bischof erkaufte vom Papst das Recht, Ablässe zu verkaufen. Dies gab ihm die Berechtigung, das katholische „Markenzeichen“ zu verwenden und dann profitierte er von diesem Erwerb, indem er die Ablässe an die Gläubigen in seinem Distrikt weiterverkaufte.

Die mittelalterliche Version dieser Praxis begann mit den Kreuzzügen. Im Jahr 1095 verfügte Papst Urban II., dass all jenen, die an einem Kreuzzug teilnahmen, ihre Sünden vergeben würden und sie daher nicht im Fegefeuer verweilen müssten. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts wurde diese Praxis insofern erweitert, dass jene, die der Kirche mit Geld und Rat halfen, ebenfalls berechtigt waren, Sündenvergebung zu empfangen. Von da an nutzte die Kirche die Ablässe als eine Quelle für Reichtum und Macht. Am Ende des Jahrhunderts war diese Praxis zu einem politischen Instrument geworden und wurde den Fürsten gegeben, um deren Gunst zu gewinnen.

Ablässe waren eine wirkungsvolle Methode zur Geldbeschaffung. Die Kirche profitierte in großem Stil von den Sünden der Leute. Wer schon auf dem Totenbett lag, konnte immer noch Ablässe kaufen und so direkten Weges in den Himmel kommen. Ablässe konnten gekauft werden, indem man Geld für den Bau einer Kathedrale beisteuerte. „So kann eine Epoche von Plünderungen und Gesetzlosigkeit gleichzeitig als eine prunkvolle Kulturepoche zur Erbauung neuer Klöster, wie in England während der Regierungszeit von König Stephan, wahrgenommen werden“, schrieb Paul Johnson in The History of Christianity. Die Encyclopedia Britannia merkt an: „Vom zwölften Jahrhundert an war der Erlösungs-Prozess vermehrt mit Geld verbunden.

Im Laufe der Zeit war diese Gepflogenheit so weit verbreitet, dass sie für viele finanziell schmerzhaft wurde, zu großer Bedrängnis des Volkes führte und zu einem der Auslöser der protestantischen Reformation geworden war.

Folglich verlor die Kirche ihr geistliches Monopol und damit die Macht, Anspruch darauf zu erheben, dass ihre Anhänger Geld aushändigten, um nicht unzählige Jahre im Fegefeuer verbringen zu müssen. Als Reaktion auf die Reformation annullierte Papst Pius V. im Jahr 1567 alle Ablassbriefe, die mit finanziellen Transaktionen verbunden waren.

Ablassbriefe waren jedoch nicht die einzigen Einnahmequellen der Kirche. Eine der meistgehassten Praktiken war die Zahlungspflicht bei Todesfällen. Wenn jemand starb, verlangte es die Tradition, dass dem örtlichen Priester ein Wertgegenstand ausgehändigt werden musste. Der Wert des Gegenstandes variierte. An manchen Orten war es das Bett des Verstorbenen, an anderen sein kostbarstes Gewand und an wieder anderen nur sein zweitbester Besitz (der weltliche Herr vor Ort nahm manchmal das Beste). In manchen Bezirken betrug der von der Kirche geforderte Preis bis zu einem Drittel des gesamten Besitzes des Verstorbenen.

Diese „Gebühr im Todesfall“ wurde oft auch dann kassiert, wenn der Pfarrbewohner arm war. Und die Kirche hatte auch noch ein sehr wirksames Mittel zur Eintreibung des Geldes: In vielen Fällen wurde der Tote einfach nicht begraben, bis die Gebühr bezahlt war.

Stellen Sie sich vor, in welch eine prekäre Lage die trauernde Mutter oder Witwe gebracht wurde. Der Hauptversorger des Haushalts war gerade verstorben und man teilte der Familie mit, dass der Mann oder Vater nicht begraben werden konnte, wenn sie der Kirche nicht eine bedeutende Summe spendete. So würde er auch keine Gebete und Segnungen erhalten und vielleicht lange Zeit im Fegefeuer verbringen oder sogar auf ewig in der Hölle schmoren müssen. Die gerade verwitwete Frau war gezwungen, sich zwischen dem Überleben ihrer Familie und dem Seelenheil ihres Mannes zu entscheiden.

Wenn die Familie sich weigerte zu zahlen, würde sich die Kirche vielfach selbst dessen bemächtigen, was sie für angemessen betrachtete.

Eine Zeit lang war die Katholische Kirche der erfolgreichste Schutzgelderpresser der Geschichte. „Während der Zeit der Päpste in Avignon verwandelte sich die zentral gesteuerte Maschinerie der Kirche in eine Organisation zur Geldbeschaffung“, schrieb Johnson. „In England machte der Klerus etwa ein Prozent der Gesamtbevölkerung aus, verfügte aber über 25 Prozent des nationalen Bruttosozialprodukts. Das ist nur ein Durchschnittswert. In manchen Teilen Frankreichs und Deutschlands war die Kirche noch wohlhabender und besaß ein Drittel bis zur Hälfte des gesamten Grundbesitzes.“

Die Katholische Kirche ist eine der reichsten Institutionen der Welt. Millionen Menschen staunen über ihre prunkvollen Besitzungen und ehrfurchtgebietende materielle Pracht. Aber wie viele erkennen, wie sie zu diesem Reichtum kam? 

Fortgesetzt in Napoleon – ein Sohn Roms (Erster Teil)

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