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Chapter3

Das unheilige Römische Reich

Deutschland und das heilige römische reich - kapitel drei

Irgendwo auf dem Bücherregal eines durchschnittlichen Heims steht eingereiht zwischen Werken der Weltliteratur und Teilen eines Lexikons, die Heilige Schrift, so gut wie neu, mit einer dünnen Staubschicht bedeckt, weil sie nicht benützt wird. Die Mehrheit der Menschen, die sich als „Christen“ bezeichnen, liest und studiert die Bibel einfach nicht. Die beste Entschuldigung für das Nichtlesen der Bibel ist, dass „sie keinen Sinn ergibt“. Wie kann ich die Bibel verstehen, ist das häufigste Argument, wenn so viel von den großen Bildnissen, unheilvollen Tieren und heuchlerischen Huren, auf bildliche Weise beschrieben wird?

Es stimmt, dass die Bibel voll von prophetischen Visionen und Aussagen ist. Tatsächlich ist ein Drittel der Bibel Prophezeiung, wovon der größte Teil für die Endzeit ist. Aber die Bibel beinhaltet auch viele Prophezeiungen, die, genau wie vorhergesagt bereits in Erfüllung gegangen sind. Diese erfüllten Prophezeiungen sollten uns dazu bewegen, den Staub von unseren Bibeln zu blasen und sie zu studieren. Leider tun dies die meisten Menschen nicht.

Vieles vom bekanntesten prophetischen Text in der Bibel dreht sich um ein System aufeinanderfolgender, weltbeherrschender heidnischer Königreiche, die dem zweiten Kommen Jesu Christi vorangehen. Diese aufeinanderfolgenden „Tiere“, wie sie genannt werden, werden durch die ganze Bibel hindurch erörtert, besonders aber in vier prophetischen Kapiteln: Daniel 2 und 7, sowie Offenbarung 13 und 17. Wenn sie in dieser Reihenfolge studiert werden, fügt jedes Kapitel dem vorangehenden noch einige Details hinzu. Zusammen bilden sie eine vollständige und dennoch einfache Grundlage für die gesamte Bibelprophezeiung.

In Daniel 2 finden Sie den besten, in einem einzelnen Kapitel behandelten Überblick über die Prophezeiungen der gesamten Bibel. Darin offenbart Gott durch Daniel eine Vision von einem großen Standbild, das diese vier aufeinanderfolgenden Königreiche darstellt. Die Geschichte beweist, dass es das Chaldäische Reich darstellt, gefolgt vom Persischen, danach das Griechisch-Makedonische und schließlich das Römische Reich. Diese vier sollten in aufeinanderfolgender Reihe direkt zum zweiten Kommen Jesu Christi führen.

In Daniel 7 beschreibt der Prophet vier Tiere, die abermals vier heidnische Königreiche repräsentieren, diesmal mit speziellem Schwerpunkt auf dem vierten – dem Römischen Reich. Dieses Tier hat zehn Hörner, die, wie der Prophet sagt, „zehn Könige sind, die emporkommen werden“ aus bzw. nach dem Römischen Reich (Vers 24). Daniel beschreibt auch ein „kleines Horn“, das zwischen den zehn Hörnern wuchs und die ersten drei entwurzelte (Vers 8). Die Bedeutung dieser Prophezeiung wird im Buch der Offenbarung erklärt.

Im Unterschied zu Daniel 7 erörtert Offenbarung 13 nur ein Tier – welches das vierte und letzte Königreich darstellt, das Römische Reich. Weil Johannes zur Zeit der Herrschaft des Römischen Reiches lebte, als er das Buch der Offenbarung schrieb, hatte er wenig über die drei vorangegangenen Königreiche zu sagen. Sie waren bereits erfüllte Prophezeiung!

In Kapitel 13 beschreibt Johannes ein Tier mit sieben Häuptern und zehn Hörnern, von denen ein Haupt eine tödliche Wunde erhielt. Historiker stimmen überein, dass das Römische Reich von 31 v. Chr. bis 476 n. Chr. existierte und dass es zu diesem Zeitpunkt seinen Untergang fand. Es erlosch. Aber seine tödliche Wunde wurde geheilt, genauso wie Johannes es prophezeit hatte (Vers 3). Es sollten zehn Auferstehungen dieses Römischen Reiches erfolgen (genau wie Daniel sagte), von denen die ersten drei mitsamt den Wurzeln von dem „kleinen Horn“ ausgerissen wurden – was darauf hindeutet, dass sie nicht gänzlich römisch waren, aber trotzdem innerhalb des alten römischen Gebiets herrschten, nachdem das Imperium zusammengebrochen war. Und genau das geschah. Drei barbarische Stämme beherrschten die Region, bevor Justinian das Römische Reich im Jahr 554 n. Chr. wiederherstellte und die tödliche Wunde wirksam heilte.

Offenbarung 17 fügt die restlichen Details ein. In diesem Kapitel beschreibt Johannes abermals ein Tier mit sieben Häuptern, aber keines dieser Häupter ist verwundet. Diesmal reitet eine Frau – in der Bibel stets Symbol für eine Kirche – das Tier. Sie wird in Vers 1 als Hure bezeichnet und symbolisiert deshalb eine große falsche Kirche, die dieses politische Tier reitet oder stark beeinflusst.

Ein Vergleich der geschichtlichen Darstellung mit diesen Prophezeiungen macht die Bedeutung vollkommen klar. Als Justinian 554 die Souveränität des Papstes anerkannte, war das Römische Reich wiederhergestellt. Und aufgrund seiner engen Verbindung mit der großen falschen Kirche erhielt dieses Reich schließlich den Namen Heiliges Römisches Reich. Wenn man Justinians Reich mitzählt, gab es sechs bedeutende, geschichtlich dokumentierte Auferstehungen des so genannten Heiligen Römischen Reiches – von denen jede einzelne vom Vatikan massiv beeinflusst, einige sogar dominiert worden sind.

Diese historischen Tatsachen werfen Licht auf die prophetischen Bibelstellen, die wir kurz behandelt haben. So wie die Frau, die in Offenbarung 17 das Tier reitet, repräsentiert auch das „kleine Horn“ in Daniel 7 die große falsche Kirche. Das kleine Horn entwurzelte die drei nicht-religiösen Königreiche, die innerhalb des Gebietes herrschten, und fuhr dann fort, die sieben verbleibenden Hörner bzw. Auferstehungen zu leiten. In gleicher Weise beherrscht die Frau, die das Tier reitet, alle sieben Häupter, die die letzten sieben Auferstehungen dessen repräsentieren, was als Heiliges Römisches Reich bezeichnet wurde.

Das bringt uns zum Zweck dieses Kapitels. Es hat bisher sechs Auferstehungen des Römischen Reiches gegeben mit der auf allen von ihnen rittlings sitzenden, großen falschen Kirche. Die siebente formt sich jetzt. Diese Vereinigungen waren, obwohl religiös stark beeinflusst, alles andere als heilig. Bibelkenner sind über diese Tatsache nicht überrascht, weil die Bibel diese politische Macht als eine schreckliche Bestie und die große Kirche als die Mutter der Huren beschreibt, trunken vom Blut der Heiligen Gottes. Aber die meisten Menschen lesen die Bibel nicht.

Wie sieht es mit der Geschichte aus? Bedauerlicherweise studieren die Meisten auch nicht Geschichte. Wir wollen in diesem Kapitel einen näheren Blick auf die historische Beziehung zwischen den europäischen Kaisern und dem päpstlichen Thron im Mittelalter werfen. Was sind die historischen Früchte dieser Union von Kirche und Staat? Und wie stimmen diese Verbindungen mit der Bibelprophezeiung überein?

Während wir auf diese historischen Geschehnisse eine kurze Rückschau halten, werden Sie feststellen, dass Deutschland während eines Großteils des Mittelalters die einflussreichste Macht in Europa war.

Gipfel und Täler

Johannes verweist auf die sieben Auferstehungen des Römischen Reiches in Offenbarung 17, 9-10 als „Berge“. Aber zwischen jedem „Berggipfel“ gab es Täler. Obwohl prophezeit war, dass diese Auferstehungen aufeinanderfolgend sein würden bis hin zur Rückkehr Christi, gab es zwischen jeder von ihnen einen gewissen Verfall. H.G. Wells beschreibt dieses „Auf und Ab“ Szenario eindrucksvoll in seinem Buch The Outline of History: „Das Römische Reich wankt, liegt am Boden, ist vom Schauplatz verdrängt, und erscheint wieder, und – wenn wir das Bild einen Schritt weiter verfolgen – es ist die Kirche von Rom, die die Rolle des Zauberkünstlers spielt und diese Leiche am Leben erhält“ (S. 544).

Einst war das Römische Reich in zwei Teile geteilt. Rom war die westliche Hauptstadt, Konstantinopel die östliche. Verblüffenderweise verweist das Abbild von Daniel 2 auf die zwei Schenkel aus Eisen, die das Römische Reich verkörpern. Um 476 n. Chr. war Rom von kriegerischen barbarischen Stämmen germanischen Ursprungs geplündert worden (erinnern Sie sich, die Römer haben diese grimmigen Kämpfer als Germani bezeichnet). Das östliche Reich in Konstantinopel war praktisch kraftlos. Das Römische Reich war offiziell ausgelöscht.

Um 554 hatte der Katholizismus genügend Stärke gewonnen um die Welt zu beherrschen. Auf des Papstes Geheiß verlegte Justinian, der berühmteste aller Kaiser des Ostens, seine Regierung aus dem abgestorbenen östlichen Teil in den Westen – nach Rom. Das Reich war vorläufig als „Heiliges Römisches Reich“ wiederhergestellt – eine Union von europäischen Nationen mit einem römischen Papst, der diese Union ritt wie eine Frau auf einem Tier.

Justinians Regentschaft in Westeuropa war kurzlebig. Er starb 565, und das Reich siechte dahin. Getreu der Prophezeiung von Johannes in Offenbarung 17, fiel das Tier von seinem Sitz auf einem Berggipfel in ein Tal, wo es in einen Winterschlaf fiel. Doch nicht für lange. Noch bevor Justinian starb, zeichnete sich eine andere, noch grauenvollere politische Erscheinung ab, die das Erscheinungsbild von Politik und Religion in Europa für immer verändern sollte.

Karl der Große

Die Franken waren der erste barbarische Stamm, der den Katholizismus annahm, doch es geschah aus politischer Gewinnsucht und nicht aus religiöser Motivation. Hauptsächlich germanischen Ursprungs, benutzten die Franken die Kirche, um ihre Expansionspolitik abzusichern, während die Kirche sich auf den Schutz der fränkischen Herrscher verließ. Es war eine Verbindung, die ausschließlich auf Politik basierte.

Das fränkische Königreich erreichte den Höhepunkt seiner Macht während der Regentschaft von Karl dem Großen. Vor dem Aufstieg Karls des Großen zum Weltherrscher war der politische Schauplatz in Europa sehr zerteilt. Deutschland war in viele verschiedene Stämme aufgeteilt. Ein Großteil Italiens war von den Lombarden besetzt. Und Byzanz war als Nachfolger des östlichen Teils des alten Römischen Reichs anerkannt. Karl der Große, in Verbindung mit dem päpstlichen Thron, änderte schließlich all das – jedoch nicht ohne erheblichem Blutvergießen.

Karl der Große betrachtete es als seine Pflicht, die Kirche zu verteidigen. Auf das Ersuchen von Papst Leo III. fiel er im Jahre 774 in Norditalien ein und besiegte das Lombardische Königreich, wobei Italien zum ersten Mal seit Jahrhunderten vereinigt wurde. Im Jahre 799 kam er dem Papst abermals zu Hilfe, der von einer Schar von Verschwörern angegriffen, brutal geschlagen und ins Gefängnis geworfen worden war. Mit der militärischen Hilfe Karls und seiner fränkischen Truppen wurde der Papst von allem Fehlverhalten entlastet und wieder in sein geistliches Amt eingesetzt.

Im darauffolgenden Jahr in Rom, als Karl der Große während einer Weihnachtsfeier im Petersdom kniend im Gebet verweilte, setzte der Papst ihm eine Krone auf sein Haupt und erklärte ihn zum „73. Kaiser des Vierten Weltreichs.“

An dieser Stelle sollten wir vermerken, dass während des gesamten Mittelalters hindurch viele Gelehrte, Theologen und sogar Päpste wussten, dass das Römische Reich das vierte weltbeherrschende Königreich war. Viele von ihnen identifizierten dieses vierte Weltreich sogar mit jenem, von dem Daniel in seiner Prophezeiung sprach. Deshalb hielten Europäer und Katholiken an ihrem Bemühen fest, das Reich wiederherzustellen! Die Bibel erklärte, dass es nur vier Reiche geben würde. Mehr davon später.

Als König der Franken war Karl der Große in der Lage, jeden einzelnen deutschen Stamm zu unterwerfen, mit Ausnahme von einem: die Sachsen. Die Sachsen hielten an ihrem Glauben fest und lehnten es sogar unter Androhung der Todesstrafe ab, sich dem römischen Katholizismus zu fügen. Karl der Große beschloss, ihnen sein Zeichen der Christenheit mit dem Schwert aufzuzwingen. Jahrelang widerstanden die Sachsen hartnäckig. Einmal, aus reiner Frustration heraus, ließ Karl der Große 4.500 sächsische Gefangene hinrichten. Diese barbarische Tat erzürnte die Sachsen nur noch mehr.

Es dauerte 30 Jahre, bis Karl das „sächsische“ Problem völlig ersticken konnte, aber nicht bevor viele Tausende wegen ihrer religiösen Überzeugungen hingerichtet worden waren. Nach mehr als 18 Eroberungszügen gegen die Sachsen erlangte Karl schließlich die Oberhand. Am Ende konnten die Sachsen sich entweder der Herrschaft Karls unterwerfen, oder ihr Widerstand endete mit dem Tod.

Als Kaiser des „Heiligen“ Römischen Reiches betrachtete Karl es als seine Pflicht, den christlichen Glauben unter Anwendung aller nötigen Mittel zu verbreiten. The New Encyclopedia Britannica sagt: „Die gewaltsamen Methoden, mit denen diese missionarischen Aufgaben durchgeführt wurden, waren bis zum frühen Mittelalter unbekannt gewesen, und die grausame [blutige] Bestrafung, die jenen zuteil wurde, die das kanonische Gesetz brachen oder sich weiterhin mit heidnischen Praktiken beschäftigten, löste in Karls eigenem Umfeld Kritik aus” („Charlemagne, Emperor,“ Band 4).

Die Gewalt, die Karl der Große anwandte, um seinen Untertanen die katholische Religion aufzuzwingen, war in den früheren Kaiserreichen schlichtweg unbekannt gewesen. Er zwang jedermann sein Zeichen der Christenheit auf. Sein Reich mag eindeutig Verbindungen mit den alten Römern gehabt haben, aber es war mit Sicherheit nicht „heilig“ – auch wenn es von einer großen Kirche geführt wurde.

Und dennoch, in den kommenden Jahrhunderten war es das Ziel der nachfolgenden Kaiser, die Traditionen von Karl dem Großen wiederherzustellen, in ihrem Bestreben, das Römische Reich wieder aufleben zu lassen!

Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation

Das Reich Karls des Großen, eines der größten, das je in Europa herrschte, überlebte nicht einmal seinen Sohn und Nachfolger. Als es sich auflöste, wurden die Völker auf der westlichen Seite seines Reiches schließlich als Franzosen bekannt. Die deutschsprachigen Völker zwischen dem Rhein und den Slawen im Osten entwickelten sich zu Deutschland. Die Tatsache, dass er über beide Völker herrschte, ist der Grund, warum sich einige um das nationale Erbe von Karl dem Großen streiten.

Während es so manche Kontroverse bezüglich der Wurzeln Karls des Großen geben mag, gibt es keine darüber, wenn es um die nächste römische Wiederbelebung geht. Otto der Große, 936 als deutscher König gesalbt, war der erste in einer langen Reihe von deutschen Kaisern, die die politische Arena in Europa beherrschen sollten. Der Papst krönte Otto im Jahre 962 mit der Reichskrone zum Kaiser. Für die nächsten 800 Jahre nannten sich die deutschen Könige selbst „Römische Kaiser Deutscher Nation“.

Wie so viele, die in seinen Fußstapfen folgten, war Otto ein skrupelloser Krieger. Gewaltsam verbreitete er das „Christentum“ mit dem Schwert. Die Encyklopedia Britannica sagt, dass er „gewalttätigen Ausbrüchen der Leidenschaft unterworfen“ war, und dass „seine Politik darin bestand, alle Tendenzen zur Unabhängigkeit zu unterdrücken“ („Otto I.“, 11. Auflage, Band 20).

In jedem neuen Gebiet, das er eroberte, gründete Otto mit Bedacht neue deutsche Kolonien. Dies kennzeichnete den Beginn des deutschen Nationalismus. Vor dieser Zeit waren die Deutschen immer noch weitgehend nach Stämmen aufgeteilt. „Als aber ihre Könige das Recht erwarben, zu römischen Kaisern gekrönt zu werden, wurden auch sie zur kaiserlichen Rasse. Sie begannen deshalb stolz zu sein auf den gemeinsamen deutschen Namen. Ein Gefühl der Staatszugehörigkeit wurde dadurch erweckt, welches die Deutschen danach niemals mehr verließ, nicht einmal in ihren dunkelsten Zeiten“ (Henry Northrop, History of the World, Band 1 S. 529).

Dieser weltbeherrschende, nationalistische Geist war es, der so viele deutsche Könige über die Alpen nach Italien trieb, auf der Suche nach dem römischen Wesen. Obwohl die Beziehungen zwischen deutschen Kaisern und katholischen Päpsten nicht frei waren von Konkurrenzkampf und einem Ringen um die Vorherrschaft, ist es dennoch klar, warum das Verhältnis die Zeiten überdauert hat. Den deutschen Kaisern war stets bewusst, dass der Weg zur Weltherrschaft durch Rom führt. Gleichermaßen war dem Papsttum seit langem bekannt, dass die einzige Möglichkeit zur gewaltsamen Ausbreitung seiner Religion darin bestand, sich rittlings auf das furchterregende, schwertschwingende politische Tier zu setzen.

Die Vereinigung aufrechterhalten

Obwohl der Platz dafür nicht ausreicht, um auf jeden Kaiser, der während der dritten Wiederbelebung des Heiligen Römischen Reiches herrschte, näher einzugehen, ist es wichtig, uns zumindest die Anstrengung vor Augen zu führen, die viele deutsche Könige unternahmen, um enge Beziehungen mit dem Papsttum zu festigen. Die nächsten zwei Nachfolger von Otto dem Großen, sein Sohn und sein Enkel, verbrachten viel Zeit ihres Lebens in der Nähe Roms, wo sie schließlich auch starben. Später wartete Heinrich IV. (1056-1106), nachdem er von der Kirche exkommuniziert worden war, drei Tage lang frierend außerhalb der Burg des Papstes, ehe der Papst herauskam, um ihm Vergebung zu gewähren. Friedrich Barbarossa (1152-1190) verbrachte 15 Jahre in Norditalien während sechs verschiedener Kriegszüge. Auch er war eifrig bemüht, den alten Ruhm und die alte Macht des Römischen Reiches am Leben zu erhalten.

Barbarossas Enkel Friedrich II. (1212-1250), sollte der letzte große Kaiser sein, der in dieser deutsch-dominierten Wiederbelebung des Römischen Reiches regierte. Friedrich war überhaupt einer der bemerkenswertesten deutschen Kaiser. Für ihn war ein totalitärer Staat die bestmögliche Regierungsform.

Wie die Kaiser vor ihm, hielt sich auch Friedrich für ziemlich religiös. Im Jahre 1224 führte er Gesetze ein, die es erlaubten, Ketzer auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen. Papst Honorius III. und sein Nachfolger Gregor IX. waren entzückt über dieses Gesetz.

Nach Friedrichs Tod fiel das Römische Reich erneut in Schlaf – ein weiteres Tal zwischen den sieben „Berggipfeln“. Die Weichen waren gestellt worden für eine andere deutsche Familie in ihrem Streben nach Weltherrschaft, die Gunst des Vatikans zu gewinnen. Ihre königliche Linie sollte sich letztendlich über 600 Jahre der Geschichte erstrecken!

Die Habsburg-Dynastie

Eine Zeit lang war das Römische Reich ohne Kaiser. 1273 wurde der Österreicher Rudolf von Habsburg in Aachen zum König gekrönt, nicht aber zum Kaiser. Anfänglich schien es, als ob das Haus Habsburg mehr um die Macht seiner eigenen Dynastie in Deutschland und Österreich besorgt war, als um die Weltherrschaft.

Erst ab dem 15. Jahrhundert sollte das Kaisertum in den Bestrebungen deutschsprachiger Könige wieder eine Schlüsselrolle spielen. Das war, als Friedrich V., der habsburgische König von Deutschland, vom Papst zum Kaiser des Heiligen Römischen Reichs gekrönt wurde. Dieser Titel blieb bis 1806 in der Familie, als die Dynastie endete.

Die Bedeutung der Habsburg-Dynastie liegt mehr in ihrem Fortbestehen, als in ihren dynamischen Führern. Dennoch brachte sie zumindest zwei herausragende Könige hervor, die im 16. Jahrhundert aufeinanderfolgend regierten – Maximilian I. (1493-1519) und Karl V. (1519-1556).

Maximilian legte die Grundlage für ein internationales Reich, indem er zwei Ehen mit dem spanischen Haus von Kastilien und Aragonien arrangierte. In dem einen Fall ehelichte Maximilians Sohn Philipp Johanna, die Tochter von Ferdinand und Isabella. Der Stammbaum der Habsburger Dynastie teilte sich folglich in eine deutsche und in eine spanische Linie.

Es war Karl, der Sohn von Philipp und Johanna, der 1520 als Karl V. zum Römischen Kaiser gekrönt wurde. Er wurde zu einem der größten deutschen Kaiser in der Geschichte. Wie Friedrich II. glaubte auch Karl, dass der Kaiser der uneingeschränkte Herrscher war. Es war während seiner Regentschaft, dass diese vierte Wiederbelebung des Heiligen Römischen Reiches ihren Gipfel erreichte.

Im Alter von 19 Jahren wurde Karl zum Herrscher über spanische und deutsche Gebiete, einschließlich Deutschland, Burgund, Italien und Spanien, zusammen mit erheblichem überseeischen Besitz. Sein Königreich wurde bekannt als „das Reich, in dem die Sonne niemals unterging“. Seit den Tagen Karls des Großen hatte kein deutscher Kaiser mehr über ein solch gewaltiges Gebiet geherrscht.

Vor seiner Krönung in Aachen wurden Karl die traditionellen Fragen vom Kurfürsten von Köln gestellt: „Willst Du den heiligen Glauben, wie er katholischen Männern überliefert wurde, halten und mit allen geeigneten Mitteln verteidigen? Willst Du der getreue Schild und Beschützer der heiligen Kirche und ihrer Diener sein? Willst Du jene Rechte des Reiches und die Besitzungen des Kaiserreichs, die widerrechtlich annektiert wurden, aufrechterhalten und wiederherstellen? … Willst Du gegenüber dem Römischen Papst und dem Heiligen Römischen Reich die gebührende Untertänigkeit geloben“?

„Ich will“, antwortete Karl.

Zehn Jahre später wurde er in Rom vom Papst zum Kaiser gekrönt, und die Liebesaffäre zwischen Kirche und Staat entflammte aufs Neue. Obwohl Karl geschworen hatte, die katholische Kirche zu verteidigen, unternahm er einige nutzlose Versuche, die Spaltung in der religiösen Welt zu kitten, die durch Luthers Rebellion im Jahre 1517 ausgelöst wurde. Nichtsdestoweniger ist seine Verfolgung gegen Araber und Juden gut dokumentiert. Tatsächlich erreichte er den Gipfel seiner Macht während der Zeit, als die spanischen und römischen Inquisitionen in Europa wüteten.

Nach dem Tod Karls trennte sich die Habsburger Dynastie in eine spanische und österreichische Linie. Die österreichische Linie der Habsburger übernahm weiterhin den Titel „Römische Kaiser Deutscher Nation“, genau wie ihre Vorgänger fünf Jahrhunderte zuvor, außer dass sie nicht mehr nach Rom pilgerten, um vom Papst gekrönt zu werden. Das kaiserliche Amt wurde innerhalb der Habsburger Linie vererbt.

Von diesem Zeitpunkt an begann die Kraft und Macht der vierten Wiederbelebung des Heiligen Römischen Reiches zu schwinden. Die protestantische Reformation schwächte die einst dominierende Kirche in Rom beträchtlich. Auf weltlicher Seite begann die Strömung der Macht sich in Richtung Frankreich zu verschieben. Die vierte Wiederbelebung des „Heiligen“ Römischen Reiches befand sich kurz vor dem Aus.

Als schließlich Napoleon das zerschlug, was im 19. Jahrhundert vom Habsburgerreich übrig geblieben war, schien es, dass der letzte Überrest des „Heiligen“ Römischen Reiches vernichtet war. Was die Historiker allerdings übersehen ist die Tatsache, dass, als Napoleon großspurig die Kaiserkrone aus den Händen des Papstes ergriff und sich 1804 selbst krönte, das Heilige Römische Reich lediglich in die Hände dieses ehrgeizigen Franzosen überging.

Nach Jahrhunderten der deutschen und österreichischen Herrschaft erblühte das Heilige Römische Reich neuerlich für eine kurze Zeitspanne unter französischer Herrschaft. Es war das Römische Reich in Verschleierung. Napoleon machte sich daran, mit den Idealen von Karl dem Großen fortzufahren, allerdings in einer moderneren Welt. Wie die deutschen Kaiser vor ihm, sah sich Napoleon als Herrscher der Welt – und dies einmal mehr mit Hilfe des Vatikans.

Die französische Herrschaft war kurzlebig. Im 20. Jahrhundert richtete dasselbe Römische Reich sein hässliches Haupt ein sechstes Mal auf, wieder mit einem deutschen „Kaiser“ und der katholischen Kirche als Hauptakteure. Obwohl durch modernen Fortschritt getarnt, war es ein weiteres Mal von Anfang an das Mittelalter – nur diesmal in einem viel größeren Rahmen und mit hoch entwickelten Waffen. (Mehr dazu in Kapitel 4).

Der große Fehler des Mittelalters

Während der Herrschaft von Rudolf von Habsburg im 13. Jahrhundert schrieb ein Mann namens Jordan von Osnabrück ein Buch darüber, wie das Römische Reich auf die Deutschen übertragen wurde. Er war nicht der einzige im Mittelalter, der solch eine Ideologie vertrat. Viele dachten, es sei die monumentale Aufgabe der Deutschen, das Heilige Römische Reich zu regieren und zu erhalten. Aber warum?

Denken Sie daran, als Karl der Große gekrönt wurde, dass der Papst ihn als Kaiser des vierten Weltreichs bezeichnete. Die Vorstellung, dass das Römische Reich das vierte Weltreich war, stammte nicht von diesem Papst. Vielmehr dachten Jahrhunderte zuvor die meisten Juden und Christen – während das alte Römische Reich noch existierte – es würde das letzte Königreich der Welt sein, weil es so in den Schriften des Propheten Daniel steht.

Viele Gelehrte wussten von der Prophezeiung, dass das Römische Reich das vierte und letzte Weltreich sein würde. Doch abgesehen davon legten sie die Bibelprophezeiungen tragischerweise falsch aus. Und dieser Umstand war es, der zu so viel Gewalt und Blutvergießen im Mittelalter führte.

Die Menschen nahmen fälschlicherweise an, dass der Antichrist auf der Weltbühne erscheinen würde, sobald das Römische Reich erloschen war. In Wirklichkeit aber besagt die Bibel, dass, nachdem das vierte Reich die Weltbühne verlassen hat, das Reich Gottes errichtet werden wird (Daniel 2, 44).

Diese Fehlinterpretation kam auch deshalb zustande, weil die Menschen während des Mittelalters angenommen hatten, das Heilige Römische Reich sei das Reich Gottes auf Erden! Das erhob ihre Gesetze und ihr Streben nach einer Weltregierung über die göttlichen Gesetze. Somit war die Grundlage für die Tragödie des Mittelalters auf einer von Satan inspirierten, groben Fehlinterpretation von Gottes Wort errichtet – und nicht auf einem Heiligen Reich.

Mehr als jedes andere Volk betrachteten es die Deutschen als ihre göttliche Pflicht, dieses „Heilige“ Römische Reich am Leben zu erhalten, um das Erscheinen des „Antichristen“ zu verhindern. So würde das Reich, wenn es in den Tiefen des Verderbens versank, immer wieder auf irgendeine Art genügend Kraft aufbringen, um sich wieder zu erheben – normalerweise hinter einem mächtigen Führer, oftmals ein Deutscher, mit der Unterstützung von einem machtvollen religiösen Haupt in Rom.

Was die Menschen dieser Reiche auch nicht verstehen konnten war die Tatsache, dass selbst jede einzelne dieser Römischen Auferstehungen in Gottes Heiliger Schrift prophezeit waren! Die Bibel prophezeit vier, und nur vier Weltreiche. Aber wie wir gesehen haben, sollte dieses letzte Reich, nachdem es im Jahre 476 n. Chr. zerstört worden war, zehn weitere Male auferstehen, die letzten sieben davon in Verbindung mit der päpstlichen Autorität in Rom als das wiedererstandene „Heilige Römische Reich“.

Es ist dasselbe Römische Reich unter neuen Namen und Bezeichnungen, welches im vergangenen Jahrhundert unter deutscher Herrschaft wieder auferstand, und das jetzt auf ein letztes „Hurra“ wartet, abermals angetrieben von einer starken europäischen Hand, wahrscheinlich Deutschland.

Ein Aufruf zur Erinnerung

Am 8. Mai 1997 wurde dem früheren deutschen Präsidenten Roman Herzog in Würdigung seines unermüdlichen Eintretens für die Einigung Europas der internationale Karlspreis verliehen. In seiner Dankansprache bekundete Dr. Herzog: „Seit tausend Jahren ist es die Schicksalsfrage unseres Kontinents, ob er in Einheit oder in Zerrissenheit leben will. Karl der Große, dessen Namen unser Preis trägt, hat darauf seine Antwort gegeben: die erste Einigung Europas. Es wäre nicht redlich, in einer Stunde wie dieser zu verschweigen, dass er sein Ziel nur in einem Meer von Blut, Schweiß und Tränen erreicht hat …“

Und tatsächlich, die Geschichte der europäischen Einigung war eine mit viel vergossenem Blut. Und Deutschland war Europas größter Übeltäter in der Anstiftung dieses Blutvergießens.

Roman Herzog war lange Zeit einer von Deutschlands größten Förderern für die europäische Einigung gewesen. Er und viele andere europäische Führer horchen häufig zurück auf Karl den Großen als Quelle der Inspiration für die neuzeitliche Vereinigung.

Schon sehr bald werden sich zehn Nationen, bzw. Gruppen von Nationen, in Europa zu einer Gemeinschaft zusammenschließen, die von einer großen Kirche beeinflusst wird. Alles in Bezug auf diese Gemeinschaft wird richtig scheinen. Die Religion, der Wohlstand, die militärische Macht. Aber das Endergebnis dieser Gemeinschaft wird entsetzlich sein. Die Geschichte belegt dies. Verschwörung, Verrat, Blutvergießen, Intoleranz, Hinrichtung. Diese Worte sind die beste Beschreibung für das „Heilige“ Römische Reich des Mittelalters.

Ungefähr 40 Millionen Menschen wurden während der so genannten Heiligen Inquisition abgeschlachtet – der grauenhafte Impfstoff des Papsttums gegen den Virus der „Ketzerei“! Die römischen und spanischen Inquisitionen eliminierten praktisch den Protestantismus in Italien und Spanien! Die Welt hat wahrscheinlich niemals eine abscheulichere Periode als jene dunklen und beklagenswerten Jahre des 14., 15. und 16. Jahrhunderts gesehen.

Die historischen Früchte dieser Gemeinschaft zwischen einem mächtigen politischen Tier und einer großen falschen Kirche waren nicht heilig – vielmehr unheilig. Und wenn diese verdorbenen Früchte ein letztes Mal offenbart werden, wird die Welt schockiert sein. Wie könnte etwas, das so richtig, so religiös scheint – so verwerflich sein? Die Antwort findet man geschrieben auf Tausenden von Seiten der Geschichte. Noch wichtiger, Gott prophezeite es lange vorher in den Seiten des Buches, das fast niemand liest und studiert – die Heilige Bibel. Vielleicht ist es an der Zeit, dass wir dieses Buch vom Bücherregal herunternehmen, den Staub davon wegblasen und es aufschlagen. Sie werden schockiert sein, wie genau Gott die Zukunft vorhersagt.