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Majid Korang beheshti/Unsplash

Das Fußvolk des Islamismus

Die terroristen von Morgen? Viele Madrasas (islamische ­Seminare) sind in den letzten Jahren mehr politisch orientiert.

Westliche Medien haben ziemlich viel Drama aus der Geschichte gezogen, nämlich dass islamische Radikale arm, ungebildet, einfach und leicht zu beeindrucken sind. Aber könnten solche Menschen eine Bewegung steuern, die bestimmt zu sein scheint, die vorhandene Weltordnung zu stürzen? Die Realität ist, hinter den extremistischen Gruppen stehen sehr gebildete, vermögende und privilegierte Personen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeiteten viele von den neuen selbstständigen, moslemischen Staaten daran, eine obligatorische Ausbildung einzuführen und den Massen das Lesen und Schreiben zu lehren. Einige prominente Analytiker sehen die Studenten, die aus diesem Bildungsboom hervorkamen, als die führenden Verantwortlichen im modernen Islamismus.

Während diese Radikalen klug und ehrgeizig sind, sind sie am Rande geblieben. Außerhalb des Iran und Sudan, wo die regierende Klasse auch religiöse Positionen innehat, sind die Regierungen von moslemisch dominierten Ländern (wie Saudi-Arabien, Ägypten und Syrien) säkular. Und während solche Länder in ihren Verbindungen mit westlichen Nationen immer vorsichtig sein werden, sogar abweisend, kommt für Extremisten jedes Ausmaß von Kooperation mit dem dekadenten Westen einem Massenverrat am islamischen Glauben gleich.

Weltweit sind die Islamisten im Bestreben zur religiösen Reinheit vereinigt. Somit haben sie einige grundlegende Ambitionen gemeinsam: ihre korrupten Regierungen, die in ihrer Außenpolitik Kompromisse eingehen, zu stürzen; in ihren Ländern ein strengeres islamisches Gesetz durchzusetzen; und das Territorium, über das fromme Moslems regieren, zu erweitern.

Um ihre Muskel zu stärken, „haben sich die Islamisten an zwei potentielle Verbündete gewendet: an das fromme Bürgertum, um die Mittel bereitzustellen; und an die Massen der städtischen Armen, um die Reihen zu füllen“ (National Interest, Sommer 2002). Hier also liegt der Ursprung der Geschichte der Medien. Denn unter den ungebildeten, verarmten Massen, finden die Islamisten eine Goldmine der Unterstützung. Wie Daniel Pipes es ausdrückt: „Die Armen bilden ein wertvolles Fußvolk“ (ibid., Winter 2001/2002).

Islamisten können dank eines Bevölkerungsbooms innerhalb der moslemischen Gemeinschaft viele von diesem potentiellen Fußvolk zu Hilfe nehmen. Vor zwanzig Jahren waren vielleicht 18 Prozent der globalen Population Moslems; bis 2025 erwartet man, dass diese Zahl auf 30 Prozent anwachsen wird. Wie Samuel Huntington bemerkt: „Für die kommenden Jahre wird die moslemische Bevölkerung eine relativ junge Bevölkerung sein, mit einer beachtenswerten Zunahme von Teenagern und Leuten in ihren 20ern“ (The Clash of Civilizations). Und wie er weiter darlegt neigen junge Menschen dazu, die wichtigsten Werkzeuge von „Protesten, Unbeständigkeit, Reform und Revolution zu sein“.

Bedenken Sie auch, dass die von islamischen Madrasas oder Seminaren angebotene spartanische, religiöse Ausbildung im Vergleich zur regulären Ausbildung meist kostenlos ist. Die Länder, die für die staatliche Ausbildung am wenigsten zuschießen, haben die höchsten Einschreibziffern in den Madrasas.

„In gewisser Weise sind Madrasas Zentren von Bürgerkriegsideen in der islamischen Welt“, sagt Husain Haqqani, ein Moslem und ehemaliger Madrasa Student. „Verwestlichten und gewöhnlich wohlhabenden Moslems fehlt das Interesse an religiösen Dingen. Aber religiöse Gelehrte, die durch die Modernisierung eingeengt sind, versuchen ihre eigene Bedeutung durch ein Beharren auf der Orthodoxie geltend zu machen. … Arme Schüler, die Madrasas besuchen, finden es leicht zu glauben, dass der zu gleichgültigen und unnahbaren Führern loyale Westen, für ihr Elend verantwortlich ist und dass der Islam, wie er in seiner frühesten Form praktiziert wurde, sie retten kann“. (Foreign Policy, November/Dezember 2002).

Die Ausbildung, die diese Menschenmassen erhalten, ist in einer ständig zunehmenden Anzahl von Fällen, erschreckend militant.

Haqqani besuchte unlängst seine ehemalige Madrasa und sagte, dass er sie kaum wieder erkennen konnte. Er interviewte einen neunjährigen Schüler namens Tahir, der ihm sagte: „Die moslemische Glaubensgemeinschaft ist in den Augen Gottes die beste, und wir müssen dasselbe in den Augen der Menschen bewirken, durch Gewalt. Wir müssen die Ungläubigen bekämpfen, einschließlich derer, die moslemische Namen tragen, aber die Wege der Ungläubigen angenommen haben. Wenn ich erwachsen werde möchte ich den Jihad in jeder nur möglichen Form ausführen“. Dann bemerkte Haqqani: „Tahir glaubt nicht, dass die Al Kaida für den 11. September verantwortlich ist, weil seine Lehrer ihm gesagt haben, dass die Angriffe eine Verschwörung der Juden gegen die Taliban waren. Er glaubt auch, dass Mullah Omar und Osama bin Laden große Moslems sind, da sie die Macht der Ungläubigen herausfordern“. (ibid).

Solche oberflächlichen und aufwieglerischen Ideen finden Zuflucht in den Köpfen einer zunehmenden Anzahl junger Menschen, sehr zum Schrecken von älteren moslemischen Rechtsgelehrten und Lehrern. Richard W. Bulliet sagt in der Winter 2002 Wilson Quarterly, dass die innovativen radikalen Figuren, wie bin Laden, die traditionellen Lehrer einer früheren Generation überschatten – und zwar so sehr, dass die „Triebkraft tatsächlich bei den neuen Autoritäten zu liegen scheint. Dies hat eine ungewöhnliche Dynamik innerhalb der moslemischen Welt erzeugt. Während die neuen Autoritäten sich selten den alten fügen (das heißt, den mehr konservativen, pazifistischen), fühlen sich die alten gezwungen, einigen Ideen ihrer Rivalen zuzustimmen, um modern zu erscheinen und um ihren Einfluss zu bewahren“ (meine Betonung).

In anderen Worten, um mit der Zeit mitzugehen, tendiert sogar die Hauptrichtung des islamischen Bildungswesens dazu, sich dem Politischen – dem Radikalen anzulehnen. Und die Reihen des Fußvolkes wachsen. 

Tb Ad De