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Britanniens vergessener Veteran

Königin Elisabeth II hätte als die erste Würdenträgerin am 6. Juni in die Normandie eingeladen werden müssen, nicht als die letzte.

Die führenden Politiker von Frankreich, Kanada und den Vereinigten Staaten, landeten am 6. Juni auf eine viel friedlichere Weise in der Normandie, als die 150.000 Soldaten der Alliierten an diesem Tag im Jahr 1944. Sie feierten den 65. Jahrestag von D-Day, der Invasion der Alliierten von Hitlers Europa. Achthundert britische Veteranen von der Normandie schlossen sich den Würdenträgern an, zusammen mit ehemaligen Soldaten von Kanada und den Vereinigten Staaten, einem Schwall von Reportern und unzähligen Touristen aus aller Welt.

Man würde annehmen, dass irgendjemand einen Sitzplatz für Britanniens Staatsoberhaupt reserviert hätte, für die 83-jährige Matriarchin der unermüdlichen Institution im Herzen von Britanniens Kriegs-Spannkraft, die selbst eine Überlebende und Veteran des zweiten Weltkriegs ist.

Keinesfalls.

Königin Elisabeth II. war nicht auf der ursprünglichen Gästeliste zur Gedenkfeier. Statt Schulter an Schulter mit den Veteranen in der Normandie zu stehen, um der Opfer und des Dienstes von Freunden und Familien zu gedenken, hätte die Königin Herrn Obama, Herrn Sarkozy und Herrn Brown – von denen keiner bis nach dem Krieg nicht einmal gezeugt war – über das Fernsehen beobachten können, wie sie den Anlass mit nüchterner Empathie feierten. Schande.

Zeremonien wie diese geben Anlass zum Nachdenken – in diesem Fall über die Opfer und den Mut der Krieger, die im zweiten Weltkrieg kämpften; über den Charakter und die Selbstlosigkeit ihrer Familien, die sie unermüdlich im Gebet aus der Ferne unterstützten; und über das immense nationale Opfer, das es den Alliierten kostete, um schließlich den Sieg gegen Hitler zu erzwingen.

Ehrlich gesagt, niemand kann mehr über diese Dinge aussagen als Königin Elisabeth II.

Ein Kind im Krieg

Kurz nachdem der Krieg im September 1939 begann, wurde König Georg VI. und seiner Frau von besorgten Beamten vorgeschlagen, dass Elisabeth und Margret als Thronerben sich den Kindern von Britanniens Reichen anschließen sollten, um zu den weit entfernten friedlichen Küsten von Kanada evakuiert zu werden. Die kurze Antwort der Königsgemahlin auf diesen Vorschlag war Patriotismus in seiner reinsten Form: „Die Kinder werden nicht ohne mich gehen. Ich werde den König nicht verlassen. Und der König wird niemals gehen.“ Damit war der Fall erledigt. Der König und seine Familie würden am Steuer des Schiffes bleiben.

Elisabeth war ein Teenager als der Krieg ausbrach und zusammen mit ihrer jüngeren Schwester verbrachte sie die größte Zeit des Krieges in Abgeschiedenheit in Windsor Castle. Im Grunde genommen schliefen sie oftmals allein in den Verliesen, jedes Mal wenn man es für zu gefährlich hielt, oben zu schlafen. Sie mögen innerhalb dieser schützenden Mauern sicher verborgen gewesen sein, aber die Mädchen wussten wie man sich fühlte, wenn man Eltern und Angehörige beobachten konnte, wie sie im Dienste von Britannien dem Tod auswichen.

Gleich zu Beginn des Krieges hatten König Georg und seine Frau beschlossen in London zu bleiben in der Hoffnung, dass ihr unverwüstliches Beispiel ein Land in den Fängen des Todes ermutigen könnte. Sie beschlossen sogar weiter im Buckingham Palace zu wohnen, dem Sitz der königlichen Macht und Mitte der Zielscheibe von Hitlers Luftwaffe. Der Palast wurde neunmal bombardiert, wobei in einem Fall zwei Bomben weniger als 73 Meter von dem Ort, wo der König und die Königin saßen, explodierten. Inzwischen hatten König George und seine Frau keine Angst, ihre Hände schmutzig zu machen und ihre Kinder, zusammen mit dem ganzen Land, beobachteten ihre tapferen Eltern bei deren Rundgängen durch die von Trümmern übersäten Straßen Londons und deren Mut und Widerstandsfähigkeit im Zusammenhalten ihres verstörten Volkes.

Im Oktober 1940, als sie gerade mal 14 Jahre alt war, hielt Elisabeth ihre erste Live-Radioansprache an Großbritannien und die Vereinigten Staaten. „Tausende von ihnen in diesem Land haben ihre Heimat verlassen müssen und sind getrennt von ihren Vätern und Müttern“, sagte sie zu den Zuhörern in klaren und einfühlsamen Worten. „Meine Schwester Margret Rose und ich haben sehr starkes Mitgefühl mit ihnen, weil wir aus Erfahrung wissen, was es bedeutet, denen, die wir am meisten lieben, fern zu sein“. Die Welt war berührt. Es war zu Beginn des Krieges, aber die amerikanischen Herzen begannen sich danach zu sehnen, Großbritanniens unschuldige Prinzessinnen zu retten.

Die Mädchen lernten schnell, dass sie trotz – und tatsächlich aufgrund – ihrer Position auch Opfer bringen mussten. Während des Krieges folgten sie dem Beispiel ihrer Mutter und strickten Kleidung für die Soldaten in der Armee, Marine und Luftwaffe. Als ihnen das Material im Juli 1941 ausging, arrangierten die Prinzessinnen persönlich ein Konzert und traten darin auf, um Geld zum Kauf von Wolle zu beschaffen, sodass sie Ihren Dienst wieder aufnehmen konnten. Immer wieder opferten die königlichen Erben ihre Zeit und ihr Privatleben für Fotos, öffentliche Ansprachen und anstrengende öffentliche Verpflichtungen speziell dafür, um die britische Bevölkerung zu inspirieren und zu motivieren.

Elisabeth und ihre Schwester lernten sparsam zu sein und gaben bereitwillig königliche Privilegien auf. Es gibt immer noch Geschichten über die königliche Familie, wie sie Kleidercoupons sparten und wie die Königsgemahlin persönlich ihre eigenen Kleider für Elisabeth und später auch für Margret änderte. Im Jahr 1941 veröffentlichte die Presse eine Geschichte über Elisabeth, dass ihr 5 Schilling in der Woche als Taschengeld zugeteilt waren, wovon sie mehr als die Hälfte für Kriegsdienste spendete.

„Dies war nicht für die Öffentlichkeit bestimmt“, berichtet Ben Pimlott in seiner Biographie über Elisabeth. „Als Eleanor Roosevelt spät im Jahr 1942 den Buckingham Palace besuchte, fand sie, dass die Einhaltung von Heizungs-, Wasser- und Lebensmitteleinschränkungen fast schon ein Fetisch war. Zerbrochene Fensterscheiben in ihrem Schlafzimmer waren durch Holzplatten ersetzt worden und ihre Badewanne hatte eine aufgemalte schwarze Linie, über die sie das Wasser nicht steigen lassen sollte“.

Natürlich waren Elisabeth und ihre Schwester Mitglieder des Königshauses und genossen Vorteile während des Krieges, die die meisten britischen Kinder nicht hatten. Aber diese Vorteile kamen mit einer schwerwiegenden Verantwortung, die die Schwestern in bewunderungswürdiger Weise mit Entschlossenheit, Aufopferung und ohne Beschwerde trugen.

Als Elisabeth erwachsener wurde, forderte der Krieg, ihre sorgenfreieren Teenagerjahre zu überspringen und schnell königliche Staatsverantwortungen zu übernehmen. Sie besuchte Krankenhäuser und Schiffswerften, leitete Festakte und Paraden und führte verfassungsmäßige Pflichten durch. Als sie 18 war und nach jahrelanger Erfüllung königlicher Funktionen, um mithelfen, die Öffentlichkeit zu beflügeln, hatte die Prinzessin es geschafft, ihren Vater und ihre Mutter zu überzeugen, ihr zu erlauben, sich freiwillig beim Militär zu melden. Im Februar 1945 wurde sie als No. 230873 Second Subaltern Elizabeth Alexandra Mary Windsor registriert. An der Militärakademie in Aldershot wurde Elisabeth zur Automechanikerin und Kraftfahrerin in der britischen Armee ausgebildet und stieg auf zum Rang eines Junior Commanders. Königin Elisabeth II. ist das einzige lebende Staatsoberhaupt, das während des zweiten Weltkriegs in Uniform diente.

Der Krieg berührte Elisabeth in vielerlei Hinsicht. Der junge Prinz Philip, ihr zukünftiger Ehemann, war ein Offizier in der Royal Navy. Ihr Onkel, der Herzog von Kent, starb während des aktiven Dienstes bei einem Flugzeugabsturz.

Als König Georg VI. im Jahr 1952 starb, hielt Winston Churchill eine Rede in Erinnerung an seinen alten Freund und Kampfgenossen: „Es gibt keinen Zweifel, dass von allen Institutionen, die sich im Verlauf der Jahrhunderte unter uns entwickelt haben oder in unserer Lebenszeit zustande kamen, die konstitutionelle Monarchie, die zutiefst begründete und innigst geschätzte in der ganzen Gemeinschaft unser Völker ist“.

Als sie im Jahre 1952 Königin wurde, nahm Elisabeth dieses königliche Erbe des Dienens und der Opferbereitschaft an. „Ich kann euch nicht in den Kampf führen“, sagte Elisabeth zu ihrem Volk am Tag ihrer Krönung. „Ich gebe euch keine Gesetze oder Rechtsprechungen, aber ich kann etwas anderes tun. Ich kann diesen alten Inseln und allen Völkern unserer Bruderschaft der Nationen mein Herz und meine Hingabe geben“.

Und sie hat es getan – seit 56 Jahren!

Nachlassender Respekt

Darum ist es solch eine Travestie, dass die Königin nicht zur Gedenkfeier in der Normandie eingeladen wurde. Obwohl Downing Street Frankreich für diese Taktlosigkeit verantwortlich machte und sagte, dass es verabsäumte, eine Einladung an den Buckingham Palace zu schicken, liegt die Schuld vielmehr beim britischen Premierminister Gordon Brown. Britannien war eingeladen. Herr Brown hatte die Einladung an die Königin – Britanniens Staatsoberhaupt – einfach nicht weitergegeben bzw. nicht einmal daran gedacht, sicherheitshalber bei den Franzosen nachzufragen, ob ein Sitzplatz sowohl für ihn selbst als auch für ihre Majestät reserviert war.

Wie konnte er das vergessen?

Herr Brown, zusammen mit den meisten führenden Politikern, versteht oder schätzt die historische Rolle und Verantwortung der Monarchie nicht mehr. Das Brüskieren der Königin Elisabeth II. ist, selbst wenn es unabsichtlich war, ein Zeichen für den schwindenden Respekt und die nachlassende Würdigung unter den führenden britischen Politkern für das unvergängliche Opfer der Monarchie während des zweiten Weltkriegs.

Dank einer verspäteten Einladung des französischen Präsidenten an den Buckingham Palace nahm Prinz Charles teil an der D-Day Gedenkfeier. Aber die Mentalität der führenden britischen Politiker war eindeutig bloßgestellt. Indem sie in den multikulturellen Sumpf abgleiten, verlieren Britanniens Führer die prächtige Geschichte ihrer Monarchie aus den Augen und kehren Königin Elisabeth II., Britanniens vergessenem Veteran, den Rücken. 

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