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Nur eine Geschichte der Bibel? Die Sintflut

Ist dieser klassische Bericht nur auf die Schöpfungsgeschichte des Buches Genesis beschränkt?

Die Sintflut ist eine der bekanntesten Berichte der Bibel. Sie war schon das Thema von Bibelklassen bis zu Mitternachtsgeschichten, aber auch von vielen wissenschaftlichen Untersuchungen und hitzigen Debatten. Sie hat auch zu vielen Expeditionen zur Auffindung der Arche geführt. Manche halten die Sintflut für eine historische bewiesene Tatsache. Viele andere halten sie für eine Legende, die über die Jahrtausende aufrechterhalten wurde.

Allerdings wissen nicht allzu viele Leute, dass die Geschichte von der Sintflut durchaus nicht nur in der Bibel zu finden ist.

Wenn man die Bibel wörtlich nimmt, heißt das, man auch glaubt , dass die Sintflut kein lokal begrenztes Phänomen war. „Denn siehe, ich will eine Sintflut kommen lassen auf Erden, zu verderben alles Fleisch, darin Odem des Lebens ist, unter dem Himmel. Alles, was auf Erden ist, soll untergehen. … Ich [will] ...vertilgen von dem Erdboden alles Lebendige, das ich gemacht habe.“ (Genesis (1. Buch Moses) 6, Vers 17; Genesis 7, Vers 4). Abgesehen von Noah, seiner Familie, der Tiere in der Arche und allen das Wasser bewohnenden Lebewesen, die die Flut überlebten, war das eine weltweite Ausrottung allen Lebens „unter dem Himmel“.

„Und die Wasser nahmen überhand und wuchsen so sehr auf Erden, dass alle hohen Berge unter dem ganzen Himmel bedeckt wurden. Fünfzehn Ellen hoch gingen die Wasser über die Berge, so dass sie ganz bedeckt wurden. … Allein Noah blieb übrig und was mit ihm in der Arche war“ (Verse 19-20, 23). Das war eine Katastrophe, die sich über den ganzen Erdball erstreckte.

Wenn so ein weltweites Ereignis passierte, das alles menschliche Leben beeinträchtigte, erwartet man doch eigentlich, dass die nachfolgenden Generationen alle ihre eigenen Erinnerungen, Berichte und Legenden von diesem epochalen Ereignis haben.

Bemerkenswerterweise finden wir genau das überall auf der Welt vor.

Das Gilgamesch-Epos

Verschiedene Beschreibungen einer großen, verheerenden Flut in der Antike haben in vielen Ländern erstaunliche Gemeinsamkeiten. Diese weit verbreiteten Vorstellungen deuten auf ein gemeinsames Grundereignis hin. Der Bericht über die Flut findet sich nicht nur bei den Israeliten, die eigentlich erst 700 Jahre nach dem Zurückweichen der Fluten auf der Weltbühne erschienen. Wenn wir die Berichte aus anderen Quellen überprüfen, sagt das viel über die Verlässlichkeit der biblischen Berichte aus.

Der bekannteste nichtbiblische Bericht ist das Gilgamesch-Epos. Es ist auf einer Reihe von Steintafeln aus der antiken Stadt Ninive eingraviert. Die am vollständigsten erhaltenen Tafeln stammen etwa aus dem Jahre 650 v.Chr., aber man weiß, dass diese Tafel nur Kopien wesentlich älterer Tafeln sind, (die teilweise auch gefunden wurden) und etwa bis zu dem Jahr 2000 v.Chr. zurückdatieren. Man nimmt an, dass selbst diese 4000 Jahre alten Tafeln wiederum von noch älteren Quellen stammen. Chronologisch stammt also der sumerische Bericht aus derselben Zeit, die auch in der Bibel angegeben wird.

Das Gilgamesch-Epos beschreibt eine Noah ähnliche Gestalt namens Utnapischtim. Nach dem Epos baute Utnapischtim ein Boot, in dem er, seine Verwandten und alle Tierarten die Flut überlebten, die die ganze Menschheit vernichtete. Genau wie in der Bibel bekundet auch Gilgamesch, dass der Grund für die Flut die Verruchtheit der Menschen war. Wie in der Bibel lief das Boot am Ende auf einem Berg auf Grund. Beide Berichte beschreiben, dass Vögel freigelassen wurden, um zu prüfen, ob das Wasser sich schon ausreichend zurückgezogen hatte. Tatsächlich beschreiben beide Berichte den Einsatz der gleichen Vogelarten, die Taube und den Raben. Beide Berichte sprechen von Opfern, die nach der Flut dargebracht wurden und beide sagen auch, dass die Männer (Utnapischtim und Noah) danach gesegnet waren.

Die Beschreibung im Gilgamesch-Epos unterscheidet sich von dem biblischen Bericht in einer Reihe von Einzelheiten, aber allein die oben erwähnten Gemeinsamkeiten sind zu auffällig, um einfach übersehen zu werden.

Die Tafel der Arche und andere Geschichten

Ein weiterer antiker Bericht von der großen Flut ist die babylonische Tafel der Arche. Sie wird auf 1900 bis 1700 v.Chr. datiert. Der Gott, der auf dieser Tafel beschrieben wird, gibt Atrahasis die Anweisung, ein Boot für ihn selbst und die Tiere zu bauen, um die bevorstehende Flut zu überleben. Es beschreibt auch genau, dass immer zwei Tiere von jeder Art in das Boot gehen sollten. Die Bibel sagt dasselbe: Die Tiere kamen paarweise an Bord. (Genesis 7, Verse 2 und 8-9).

Auch die Beschreibung auf der Tafel der Arche unterscheidet sich etwas von der biblischen Erzählung (zum Beispiel wird das Boot als vollkommen rund beschrieben), trotzdem sind die Gemeinsamkeiten mit der Bibel bei anderen Einzelheiten bemerkenswert.

Der griechische Mythos des Deukalions erzählt, dass nach ihrer Erschaffung die Menschen den Göttern nicht gehorchten. Es wurde daher entschieden, sie wieder zu vernichten. Der rechtschaffene Deukalion und seine Frau wurden in einer Arche von den Fluten verschont, die die Menschheit vernichteten. Deukalions Arche landete ebenfalls auf einem Berg und nachdem er die Flut überlebt hatte, brachte er ein Opfer dar. Interessanterweise hieß Deukalions Urenkel Ion. Ion ist mit Noahs Enkel Javan vergleichbar, dessen Name tatsächlich mit den hebräischen Buchstaben I/E, O, N geschrieben wird.

Im antiken China erzählten viele Mythen von Überschwemmungen und einige davon erzählen von Fluten, die „bis zum Himmel reichten“. In einigen dieser Legenden ist die Hauptfigur eine Frau namens Nüwa (dieser Name ist Noah auffallend ähnlich). Sie bevölkert die Erde neu und stellt den zerbrochenen Himmel wieder her. In Bildern, die an den Regenbogen der Genesis erinnern, flickt sie den zerbrochenen Himmel mit geschmolzenen Steinen in fünf Farben.

Dann gibt es noch die Hindu-Fabel von Manu, der vor einer Flut gewarnt wird und ein Boot baut, dass den Samen des Lebens enthält, um damit die Erde neu zu bevölkern. Sein Boot, das von einem Fisch gezogen wird, kommt auf einem Berg zum Stehen und Manu bringt auch ein Opfer dar.

Sie können noch weiter über irische und walisische Mythen nachlesen, über finnische und altnordische Sintflut-Mythen und auch über afrikanische, pazifische und antike amerikanische Überflutungsmythen.

Das wirft die Frage auf: Wie konnten alle diese vollständig verschiedenen Völker überall auf der Welt dieselben allgemeinen – und teilweise ganz konkreten –Vorstellungen haben?

Eine gemeinsame Erfahrung

In einem Artikel mit dem Titel „Warum hatten fast alle Kulturen eine Tradition einer weltweiten Flut?“ beschreibt Dr. John Morris seine Sammlung und Analyse von mehr als 200 Berichten über die Flut, die ursprünglich von Missionaren, Anthropologen und Ethnologen stammten.

„Während die Unterschiede nicht immer ganz unbedeutend sind“, schrieb er, „ist doch der gemeinsame Kern der Geschichten recht aufschlussreich, wie nachstehend zusammengestellt wurde“:

• Gibt es eine bevorzugte Familie? 88%

• Wurden sie vorgewarnt? 66%

• Kommt die Flut wegen der Schlechtigkeit der Menschen zustande? 66%

• Ist die Katastrophe nur eine Flut? 95%

• War diese Flut weltweit? 95%

• Ist der Grund für das Überleben ein Boot? 70%

• Wurden auch Tiere gerettet? 67%

• Spielten Tiere irgendeine Rolle? 73%

• Strandeten die Überlebenden auf einem Berg? 57%

• War die Geografie lokal? 82%

• Wurden Vögel losgeschickt? 35%

• Wurde ein Regenbogen erwähnt? 7%

• Haben die Überlebenden ein Opfer dargebracht? 13%

• Wurden genau acht Menschen gerettet? 9%

Morris zieht folgende Schlussfolgerung: „Die einzige glaubhafte Möglichkeit, diese weitverbreiteten, gleichartigen Legenden über eine Flut zu verstehen, ist daher, dass alle heute lebenden Menschen, auch wenn sie durch Geografie, Sprachen und Kulturen getrennt sind, tatsächlich von Menschen abstammen, die eine reale globale Flut auf einem tatsächlich existierenden Boot überlebten, das auf einem wirklich existierenden Berg strandete. Ihre Nachkommen, die heute die gesamte Weltbevölkerung bilden, haben dieses reale Ereignis nie vergessen.“

Diese Schlussfolgerung ist einfach und fundiert. Eine gemeinsame Vorstellung weist auf eine gemeinsame Erfahrung hin. Und die Geschichte von der großen Flut muss wohl die am weitesten verbreitete Geschichte in der Menschheitsgeschichte sein.

Viele Leute machen sich über die biblische Geschichte der Sintflut lustig. Aber die Berichte darüber wurden von so vielen antiken Zivilisationen überall auf der Welt bewahrt. Dieses Ereignis kurzerhand abzustreiten wäre entweder naiv oder intellektuell unehrlich. Was muss da wohl passiert sein, damit solche Geschichten so lange in Erinnerung bleiben? Vielleicht ist diese große weltweite Flut ja tatsächlich passiert – eine Überschwemmung, die so bedeutende historische und kulturelle Spuren hinterlassen hat – nicht nur bei den Israeliten, sondern bei der ganzen Menschheit. Und wenn die Bibel mit der Sintflut Recht hat, womit hat sie dann noch Recht? 

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