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Ein königlicher Palast

Nachdruck-Artikel aus der Philadelphia Trumpet, Oktober-November 2013

Kritiker haben seit langem behauptet, dass die Bibel eine unzuverlässige Quelle für die Geschichte ist. Dass sie geladen ist mit Übertreibung, Legenden und Fabeln, was die Bedeutung von Israels Vergangenheit aufbauscht.

Eine bestimmte Quelle des Spotts sind die fantastischen Beschreibungen des goldenen Zeitalters von Israels Monarchie, der Regentschaften von König David und König Salomo. Revisionistische Historiker behaupten, dass die Erzählung die Bedeutung ihrer Regentschaft überbewertet.

Doch dann, im Jahr 2005, wurde etwas ausgegraben, was viele Archäologen als den „Fund des Jahrhunderts“ bezeichneten, und was der biblischen Erzählung neue Glaubwürdigkeit schenkte. Und interessanterweise war es eine Anerkennung für die Bibel, die die Entdeckung herbeiführte.

Was die Bibel sagt

König David war der Poet, Kämpfer und Bezwinger Goliaths im 10. Jahrhundert v. Chr., von dem die Bibel sagt, dass er das alte israelitische Königreich zu einer Regionalmacht vereinigte und ausbreitete. Um das Jahr 1000 v. Chr. eroberte König David Jerusalem und machte es zu seiner Hauptstadt.

Der biblische Bericht über die Eroberung Jerusalems ist bemerkenswert. Bevor David Israels Hauptstadt dort gründete, war Jerusalem eine Hochburg der Jebusiter (Josua 15, 8). David regierte sieben Jahre lang in Hebron, bevor er diese gegnerische Festung im Herzen von Israels Territorium angriff. Die Jebusiter waren sich so sicher, dass sie sich gegen Davids Angriff verteidigen könnten, dass sie den jungen König verhöhnten ­– sie prahlten, dass sogar die Blinden und Lahmen die Stadt verteidigen könnten (2. Samuel 5, 6). Als Belohnung bot David demjenigen, der die Festung einnehmen würde, Befehlsgewalt über das Feldheer an. Joab ergriff die Gelegenheit. Er führte einen Überraschungsangriff durch, indem er durch ein Wasserleitungssystem in die befestigte Stadt hochkletterte, was zu deren Eroberung führte (Verse 7-8; Artikel Seite 12).

Die Erzählung fährt fort: „So wohnte David auf der Burg und nannte sie Stadt Davids. Und David baute ringsumher, vom Millo an nach innen zu. Und Davids Macht nahm immer mehr zu, und der Herr, der Gott Zebaoth, war mit ihm“ (Verse 9-10). Dadurch wurde das Königreich Israel unter Davids Herrschaft laut der Bibel zu einem weltbeherrschenden Reich.

Zu diesem Zeitpunkt wurde laut Darstellung der Bibel Davids Palast errichtet – von Arbeitern, die vom phönizischen König von Tyrus als eine Geste der Freundschaft gesandt wurden (Vers 11).

Ein weiterer Punkt, auf den in dieser Textstelle hingewiesen werden sollte, ist in Vers 17: „Als die Philister hörten, dass man David zum König über Israel gesalbt hatte, zogen sie alle herauf, um sich Davids zu bemächtigen. Sobald das David erfuhr, zog er hinab nach der Bergfeste“ – bzw. Festung. Vor allem dieser Vers hatte eine tiefgreifende Auswirkung auf Eilat Mazar von der Hebräischen Universität.

‚Ein fantastisches Haus‘

Woher ist David herabgekommen?“, fragte Dr. Mazar, wobei sie an 2. Samuel 5, 17 dachte. Sie überlegte, dass er von seinem Palast herabgekommen sein musste – der oben auf der Bergkuppe gelegen war, unmittelbar außerhalb der ursprünglichen Stadt der Jebusiter.

Viele Archäologen hatten angenommen, dass der Palast Davids sich innerhalb der befestigten Stadt befunden haben musste. Aber warum würde der König von Israel seinen Palast innerhalb der beengten Stadtmauern der alten Jebusiter-Stadt errichten, fragte sich Dr. Mazar. Die alte Stadt hatte nur eine Fläche von 0,036 km². Unter Berufung auf die in 2. Samuel aufgezeichnete Geschichte machte die Lage des Palastes nördlich der Stadt jedoch Sinn: Als David vom Herannahen der Philister erfuhr, verließ er seinen Palast oben am Berg Zion und ging „hinunter“ zur Festung, d.h., er begab sich in die befestigte Stadt.

Mit dieser bibelbezogenen Theorie im Auge, begann Dr. Mazar mit den Ausgrabungen unmittelbar nördlich der Stadt Davids, ganz oben am Berg Zion. Und nach nur einer Grabungssaison entdeckte sie eine gewaltige Mauer – mit einer Breite bis zu 3 Metern an manchen Stellen und einer Länge von 30 Metern, von Osten nach Westen verlaufend.

Unterhalb der Mauern fand Frau Mazar Töpferwaren aus dem 11. Jahrhundert v. Chr. Dann, innerhalb eines Raumes über dem Füllmaterial aus dem 11. Jahrhundert, fand ihr Team Töpferwaren aus dem 10. Jahrhundert – zurückgehend auf die Zeit von König David und frei von Material aus irgendeiner anderen Periode.

In der darauffolgenden Grabungssaison erweiterte Dr. Mazar die Ausgrabungsstätte und entdeckte dabei eine viel größere Mauer mit einer Breite von über 5 Metern, die die Bedeutung und Erhabenheit des Gebäudes bezeugt. Wie sie sagte: Das war „nicht nur ein Haus, sondern ein fantastisches Haus“.

Ein Haus – so könnte man sagen – passend für den König einer mächtigen Nation. Genauso wie die Bibel sagte. Und an dem Ort, den die biblische Erzählung nahelegte.

Dr. Mazar glaubt, dass nur 20 Prozent des Palastes freigelegt wurden. Pläne für weitere Ausgrabungen in naher Zukunft sind bereits im Gange.