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Pepi Stojanovski/Unsplash

Die Verantwortung liegt letztlich hier

Die Wirtschaft der Nation quält sich dahin. Das Hauptproblem des Landes ist der Rückgang bei den traditionellen Exportindustrien. Es ist eine Nation von Verbrauchern geworden, die immer weniger produziert und das daraus resultierende Zahlungsbilanzproblem ist wie eine Schlinge um den Hals. Die Nation verlässt sich auf Importe um den Lebensstil seiner Bürger, die über ihre Verhältnisse leben, aufrecht zu erhalten. Gleichzeitig fließt Kapital aus dem Land, was für die nationale Industrie einen Mangel an Investitionen bedeutet. Langzeitarbeitslosigkeit ist ein eskalierendes Problem. Die Währung verliert immer mehr an Wert, und es entsteht eine wirtschaftliche Konkurrenz aus anderen Ländern, während sie den technologischen Rückstand verringern.

Nein, das sind nicht die Vereinigten Staaten; das beschreibt Großbritannien vor achtzig Jahren, im Dämmerlicht des Pfund Sterlings Vormachstellung als Weltwährung.

Der US-Dollar hat für lange Zeit denselben Ruhm genossen, den der Pfund Sterling zu Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts hatte. Für mehr als ein halbes Jahrhundert hatte der Dollar die absolute Vormachtstellung und ermöglichte den Vereinigten Staaten dadurch ein endloses Konsumieren im Austausch gegen kleine grünliche Papierscheine. Ungefähr 70 Prozent der Währungsreserven der Weltbanken sind US-Dollar. 50 Prozent des Welthandels wird in US-Dollars abgewickelt. Die Preise der wichtigsten Welthandelswaren sind in Dollar angegeben.

Über die letzten Monate jedoch hat der Wert des Dollars ständig abgenommen. Wirtschaftsanalysten und die Medien haben ein Ende der Dollardominanz und dessen Status als Weltwährung als möglich erachtet. Könnte es sein, dass die auf dem US-Dollar basierende finanzielle Vormachtstellung bald zu Ende ist? Wird der US-Dollar das gleiche Schicksal wie der Pfund-Sterling erleiden? Wenn die Geschichte ein Leitfaden ist, dann ist die Antwort „Ja.“

Der Fall des Pfund-Sterling  

Großbritannien befand sich einstmals in einer Weltdominierenden wirtschaftlichen Position, etwa wie die USA dies seit dem Zweiten Weltkrieg genossen haben. Das britische Imperium breitete sich um die ganze Welt aus, und es wies eine dynamische, jedoch solide, auf Handel beruhende Wirtschaft auf. Vom Gold gestützt, besaß der Sterling das Vertrauen der ganzen Welt – buchstäblich „so gut wie Gold“. Für mehr als ein Jahrhundert war es der „Lebenssaft der Weltwirtschaft“, wie der London Telegraph es formulierte. Es muss sicher den Anschein gehabt haben, als ob das Pfund nie ins Wanken kommen würde. So ist es auch heute, viele können sich ein Ende der Dollardominanz nicht vorstellen.

Was zum Rückgang des Sterlings führte, waren Großbritanniens gigantische Defizite. Der Zweite Weltkrieg versetzte der schon erkrankten Wirtschaft Großbritanniens einen zusätzlichen Schlag, was die Nation und sein Imperium mit einem Schuldenberg in der Höhe von 30 Milliarden Dollar zurückließ. „Die Defizite erreichten astronomische Höhen, dass es war unmöglich war, den Sterling abzusichern“ (Spectator, 18. Oktober 2003).

Heute hat das 600 Milliarden Dollar Handelsdefizit der USA (das sich in fünf Jahren buchstäblich verdoppelt hat) – zusätzlich zu seinem gewaltigen Haushaltsdefizit – alle Rekorde überholt.

Zur selben Zeit, während Großbritannien vor dem Zweiten Weltkrieg durch sein riesiges Defizit niedergedrückt war, schrumpfte seine industrielle Kapazität und die Kohleindustrie scheiterte. Amerikas beispiellose Defizite sind auch mit einer dramatischen schrumpfenden Industriebasis verknüpft.

Und wieder einmal, so wie Großbritanniens technologische Überlegenheit von industrialisierenden Ländern herausgefordert worden war, genauso sind die USA heute mit technologischer Konkurrenz konfrontiert, vor allem aus Europa. In einem Artikel mit der Überschrift: „Kampf um die Reservewährung der Welt“, beschrieb die Independent wie Langzeittrends in wissenschaftlichen und mathematischen Gebieten eine Richtungsänderung von den USA nach Europa zeigen (21. Okt., 2003).

Schließlich schwand das Vertrauen in den Sterling als die Nation ihre finanziellen Verpflichtungen nicht mehr erfüllen konnte. Gleichermaßen Amerikas Gewohnheit, die Waren und Dienstleistungen der Welt gegen Dollarnoten zu konsumieren (was in Wirklichkeit nur das Defizit erhöht), wird immer mehr als untragbar angesehen. So wie Investoren sich von Großbritannien abgewandt haben, so „beginnen globale Investoren ihr Vertrauen in den Dollar zu verlieren“ (Spectator, op.cit.). Dies ist bedeutungsvoll, weil die Rolle der Reservewährung letztendlich auf Vertrauen basiert.

Howard Wachtel, Wirtschaftsprofessor auf der American University, beschrieb die Obligationen einer Reservewährung als zweifach: Um eine „weltweite Liquidität zu bieten, [das] erfordert einen vorhersehbaren wirtschaftlichen Wachstumspfad“; und ein „Verleiher als letzte Rettung zu sein, um Schuldenprobleme in Ordnung zu bringen“. Gleichzeitig muss das Land „eine ziemlich stabile Anlage interner und externer Währungswerte“ aufrechterhalten“. Wachtel sagt: „Fehlen diese stabilen Konditionen, dann werden Länder unwillig, diese Währung als Reserve zu halten …“ (Le Monde diplomatique, Oktober 2003).

Entwickeln sich also Zustände in der Wirtschaft der USA, dass Länder unwillig werden, ihre Währung als Reserve zu halten? Beachten Sie einige gegenwärtige Indikatoren, die das bestätigen, was die Geschichte lehrt.

Flucht vom Dollar

In die USA einfließende Investitionen sind in einigen Gebieten bereits ins Stocken gekommen. Das höchst dramatische Beispiel involviert direkte ausländische Investitionen (FDI), die von 2000 bis 2001 um 56 Prozent gefallen sind, und dann noch weitere 64 Prozent das darauf folgende Jahr (Investment Dealers Digest, 11 Aug. 2003).

Der Wert der Dollarreserven im Ausland nimmt ab (Le Monde diplomatique, op. cit.). Der Euro wird zunehmend als Reservewährung verwendet, wobei globale Devisenreserven laut Ulrich Preuss, dem Vizepräsidenten der Sektion Berlin und Brandenburg der Deutschen Bundesbank, „über die letzten Jahre beträchtlich zugenommen haben“.

In einer Ansprache vor dem Wirtschaftsklub von New York, im November letzten Jahres, verwies Europa-Kommissionspräsident Romano Prodi, wie „in bloß einigen Jahren der Euro sich als die zweitwichtigste Währung nach dem US-Dollar auf den Finanzmärkten der Welt etabliert hat“. Er gab dann einige ziemlich verblüffende Zahlen bekannt. Bei Mitte 2003 ist der in Euros ausgegebene Anteil an Wertpapieren und Noten auf 41 Prozent der Weltausgaben angestiegen, wobei der Anteil des Dollars mit nur 43 Prozent knapp darüber lag. Darüber hinaus haben zur selben Zeit in Euros benannte Instrumente des Geldmarktes, mit fast 46 Prozent der Weltausgaben, die in Dollar ausgegebenen überholt, welche auf 30 Prozent gefallen sind. Vor weniger als fünf Jahren haben die dem Euro vorangegangenen Währungen nur 17 Prozent des Weltanteils ausgemacht, im Vergleich zu 58 Prozent des Dollars.

Zufolge der pakistanischen Zeitung Dawn wird im Handel bei Geschäften zwischen europäischen Unternehmen und nicht-U.S. Firmen, der Dollar durch den Euro ersetzt (17. März, 2003). Es gibt Gespräche, dass der Dollar den Euro bei Ölgeschäften ersetzen könnte, wobei Russland seinen Wunsch, seine Ölverkäufe in Euros zu benennen, bekannt gibt. In einer ominösen Nachricht an die USA äußerte der Daily Telegraph, dass historisch gesehen, „als Saudi-Arabiens Ölfirma ankündigte, dass es seine Abrechnungen nur in Dollars abwickeln würde, anstatt in Dollars und Sterlings, die Auswirkung auf das Pfund unmittelbar und nahezu katastrophal war. Es war das Ende des Sterlings als Reservewährung“ (11. Okt., 2003). Der Dollar ist vom gleichen Schicksal bedroht.

Eine führende südafrikanische Finanzierungsgruppe warnte letztes Jahr: „Obwohl eine Änderung eines Währungssystems schwer vorstellbar scheint, so ist es dennoch in der Vergangenheit passiert und könnte wieder geschehen“ (www.StenhamGestinor.com), August, 2003). Stenham Gestinor fuhr fort, ihre Besorgnis über die finanzielle Lage der USA zu erklären und hat Kapitalanlegern zu Alternativen geraten. „Es würde untragbar erscheinen, dass die Währung der weltgrößten Schuldnernation auch den Währungsstandard von heute darstellen sollte. An einem bestimmten Punkt könnten die Käufer der Dollar innehalten, um den blinden Glauben, den sie bis heute gezeigt haben, in Frage zu stellen“. Genauso wie Aktionäre irgendeiner Firma aussteigen wollen, wenn ihre Aktien ständig an Wert verlieren, so wollen es letztendlich auch die Besitzer einer rückläufigen Währung.

Die Geschichte ist Zeuge für die Unfähigkeit eines Landes, eine Reservewährung und ein großes Defizit unbefristet zu stützen. Eines Tages wird Amerika herausfinden, dass die Freunde des Dollars fliehen werden. Wie die Dawn vorhersagte, es wird ein Tag der Abrechnung kommen: „Dieser Tag könnte in ungefähr fünf Jahren kommen“ (op. cit.).

Tag der Abrechnung

Heute ist die Lage des Dollars bestens bekannt, während er Rekordtiefen gegenüber dem Euro erreicht, und regelmäßig Schlagzeilen rund um die Welt macht. „Der Dollar liegt auf den Knien“, sagte Merrill Lynch, Ökonom von Andrew Roberts (Daily Mail, London, 9. Dez. 2003). Der Mail sagte weiter: „Wenn der Fall des Dollars andauert, wird das Druck auf seinen Status als die einzige Reservewährung der Welt ausüben.“ In der Tat, wie der Spectator berichtet, „die US-Währung ist unter Druck wie nie zuvor“ (op. cit.).

Die Geschichte warnt vor dem Ende der Dollar-Vormachtstellung – aber nur, wenn eine andere Währung in der Lage ist, ihn zu ersetzen. Es wird viel darüber gesprochen, dass der Euro den Dollar in Zukunft verdrängen würde. Zu diesem Zeitpunkt strafen verschiedene Realitäten diese Möglichkeit Lügen, nämlich die relative Stärke der amerikanischen und europäischen Wirtschaften. Aber Europas wirtschaftlicher Einfluss nimmt zu und wird in Zukunft vorherrschend werden (siehe, „Trading Places“, in der November 2003 Trumpet).

Die Euro-Dominanz auf den Weltmärkten war ein Ziel der EU seit dem Inkrafttreten des Euros gewesen. Virendra Singh, eine ehemalige Wirtschaftswissenschaftlerin der Weltbank und des US-Finanzministeriums, verweist darauf, dass „die politische Führung der Eurozone ziemlich freimütig mitteilt, dass sie einen starken Euro will, und dass sie den Euro als Reservewährung will …“ (Investment Dollars, op. cit.).

Gleichzeitig sehen wir den Nobelpreisgewinner und Wirtschaftswissenschaftler Robert Mundell, der die Vorarbeit für den Euro geleistet hat, der nach einer neuen internationalen Währung verlangt, um den Dollar zu ersetzen (www.EUobserver.com, 5. Jan. 2004).

In der Tat, wir wissen nicht, ob es der Euro sein wird, der in Zukunft den Dollar verdrängen wird, aber wir wissen, wie die Posaune oftmals prophezeit hat, dass das finanzielle System der USA zusammenbrechen und durch ein von Europa beherrschtes System ersetzt werden wird.

Wenn ein lebensfähiger Ersatz auftaucht, dann wird die Vormachtstellung des Dollars Geschichte sein.  

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