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ROBERT MICHAEL/AFP/GettyImages

Der deutsche Innenminister: Besser als Multikulti ist es, die „Leitkultur“ zu akzeptieren.

Einwanderer müssen sich in Deutschland an die deutsche Kultur anpassen. Das schrieb der Innenminister Thomas de Maizière am Sonntag in der deutschen Tageszeitung Bild. Die Deutsche Welle fasste de Maizières Artikel zusammen, der für eine „Leitkultur in Deutschland“ eintritt.

De Maizière entfachte in der beliebtesten Tageszeitung Deutschlands eine Debatte darüber, was Deutschlands dominierende Kultur ausmacht. Sein Vorschlag: Eine Leitkultur statt der multikulturellen Gesellschaft. Wenn die Deutschen erst einmal wissen, wer sie sind und wer sie sein wollen, wird Integration und Einheit die Folge sein. Seine zehn Thesen haben sehr kontroverse Diskussionen ausgelöst, nicht zuletzt, weil Deutschland in der Vergangenheit eine Nation war, die ihre Kultur für überlegen hielt, was soweit ging, dass es gewaltsam und systematisch andere Kulturen zerstörte.

In seinem Artikel mit dem Titel: „Wir sind nicht Burka“ stellt de Maizière seine Grundsätze vor, die den Deutschen helfen sollen zu definieren, woraus die „Leitkultur“ besteht. Einige der diskutierten Punkte enthielten folgendes: Die Deutschen zeigen ihr Gesicht, die Deutschen legen großen Wert auf Leistung und Qualität und die Deutschen haben hohe kulturelle Werte, die die ganze Welt beeinflusst haben. Die Deutschen haben einen aufgeklärten Patriotismus und sie leben in einem vorherrschend christlich geprägten Land, in dem die Religion zur Einigung des Volkes beiträgt.

De Maizière schreibt, dass der deutsche Patriotismus in der Vergangenheit fehlgeleitet wurde. Nazi-Deutschland benutzte den Patriotismus, um die Leute dazu zu bringen, gegen andere Völker und Rassen zu kämpfen. In den Jahrzehnten nach dem zweiten Weltkrieg trauten sich die Leute oft nicht, stolz auf ihr eigenes Land zu sein. Beide Auffassungen sind verkehrt, schrieb er: Die Deutschen müssen ihr Land lieben, aber das heißt nicht, dass sie die anderen hassen müssen. Was Deutschland heutzutage definiert, ist ein äußerst umstrittenes Thema, über das die Deutsche Welle in einem anderen Artikel berichtet:

Deutschland hat nach dem zweiten Weltkrieg erfolgreich seine ausgebombten und zerstörten Städte wiederaufgebaut, aber es war nicht so erfolgreich bei der Heilung der tiefen Wunden, die die deutsche Kultur und das Nationalbewusstsein nach zwölf Jahren Naziherrschaft davongetragen hatten.

Jahrzehntelang hielt man den Ausdruck „deutscher Stolz“ für einen Widerspruch in sich, für etwas, das nach Ausschwitz ausradiert worden war. Aber nach der Wiedervereinigung änderte sich das und im Jahr 2000 stellte der konservative Politiker Friedrich Merz öffentlich die Frage: Können die Deutschen auf ihre Errungenschaften stolz sein und müsste es nicht kulturelle Leitlinien geben, nach denen die Leute leben sollten? Das hatte einige ärgerliche Erwiderungen zur Folge.

Heute sagen jedoch hochrangige deutsche Minister, dass die Deutschen eine Leitkultur brauchen, damit sie wissen, wer sie sind und um mit der Krise fertig zu werden, mit der sie konfrontiert sind. Richtig angewendet wird sie den Einwanderern zeigen, was sie akzeptieren müssen, um ein Teil Deutschlands zu werden. De Maizière schrieb: „Wenn wir klar verstanden haben, was uns ausmacht, was unsere Leitkultur ist, wer wir sind und wer wir sein wollen, dann wird der Zusammenhalt stabil bleiben und die Integration wird erreicht – sowohl heute als auch in Zukunft“. Die Leitkultur wird nicht nur in Deutschland geborene Deutsche anleiten, sondern auch diejenigen, die neu nach Deutschland kommen.

Maizière weist darauf hin, dass das die Toleranz der Deutschen gegenüber anderen Völkern steigern würde. Darin sehen seine Gegner einen klaren Widerspruch. Politiker der Oppositionsparteien sagen, dass so eine präzise definierte Leitkultur genau das Gegenteil bewirken würde: Sie würde nämlich nur den Hass auf die anderen zu wecken. Genau das ist in der Vergangenheit passiert, als die Deutschen ihre Kultur für überlegen hielten. Die Idee von der deutschen Leitkultur wird jedoch am stärksten von der größtenteils katholischen, christlich-sozialen Union (CSU) befürwortet und vorangetrieben, die in Bayern regiert.

Die Debatte ist nicht nur kontrovers, sondern auch gefährlich. Zu Beginn der Flüchtlingskrise schrieb der Kolumnist der Posaune Brad Macdonald:

Toleranz wird durch Vorurteile ersetzt, die multikulturelle Gesellschaft durch Patriotismus und der Gemeinschaftssinn durch größere Entschlossenheit zur Selbsterhaltung und zur persönlichen Entwicklung.

Die Dämonen der Vergangenheit sind wieder da und bewirken die bedeutendsten Veränderungen in Europa seit dem zweiten Weltkrieg.

Im letzten Jahr kam es in Deutschland zu einer Reihe von Terroranschlägen und verschiedentlich zu sexueller Gewalt von Seiten der Flüchtlinge. Wir von der Posaune hatten erwartet, dass sich die Stimmung gegenüber den Nachbarn in Europa ändern würde – und zwar dramatisch, was dazu führen könnte, dass Europas alte Dämonen zurückkehrten.

In Deutschlands Geschichte ist es auch schon vor Hitler vorgekommen, dass anderen die deutsche Kultur mit Gewalt aufgezwungen wurde und das war immer grausam und blutbefleckt. Um besser verstehen zu können, welche Rolle die Religion und die herrschende Kultur in der Vergangenheit Europas gespielt haben, bestellen Sie bitte ein kostenloses Exemplar unserer Broschüre Das Heilige Römische Reich in der Prophezeiung

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