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Wird China seine wirtschaftlichen „Nuklearoptionen“ nutzen?

14.05.2018  •  Aus diePosaune.de
Die große Frage zu dem drohenden Handelskrieg ist: Könnte China nicht seine wirtschaftliche „Nuklearoption“ nutzen? Was zu einer anderen großen Frage führt: Was für Nuklearoptionen?
 

Seit ich vorige Woche über die steigenden Risiken eines Handelskriegs schrieb, haben sich die Dinge weiter aufgeheizt. Die Vereinigten Staaten haben angekündigt, sie würden Zölle in Höhe von zusätzlichen 100 Milliarden Dollar auf chinesische Waren erheben. Das heißt, auf die Güter drohen Zölle von jährlich insgesamt 150 Milliarden Dollar. China kann das nicht mit gleicher Münze zurückzahlen – es importiert nämlich gar nicht so viel aus den Staaten. Es wird daher nach anderen Wegen suchen, um zurückzuschlagen.

China spricht sicherlich starke Worte. „Wenn die Vereinigten Staaten ihren eigenen Weg gehen und auf dem einseitigen Protektionismus des Handels bestehen, wird die chinesische Seite das entschieden bekämpfen und diesen Kampf auch bis zum Ende durchziehen“, ließ ein Sprecher des chinesischen Handelsministeriums heute verlauten. Das kommt eine Woche nachdem das Ministerium angekündigt hatte, es würde um jeden Preis bis zum Ende gegen Amerika vorgehen.

Aber von was für einem entschiedenen Kampf spricht China da? Was könnte es tun, um den USA zu schaden? Eine ganze Menge.

US-Schuldverschreibungen billig abstoßen

Schätzungen zufolge will Amerika dieses Jahr eine Billion Dollar an Krediten aufnehmen. China hat Amerika bereits 1,2 Billionen Dollar geliehen. Die chinesische Regierung könnte einfach Amerikas Schuldverschreibungen ausverkaufen und sich weigern, weitere US-Anleihen zu übernehmen.

Das nennen viele Leute Chinas „Nuklearoption“. Solche enormen Mengen US-Schuldverschreibungen billig abzustoßen, würde den Wert dieser Anleihen stark verringern und das allgemeine Interesse der Investoren am Ankauf von US-Anleihen erheblich mindern. Die Vereinigten Staaten müssten dann den Investoren mehr zahlen, um sie dazu zu bringen, ihnen ihr Geld zu leihen. Sich Geld zu leihen, würde dann für Amerika erheblich teurer werden. Wenn der gesamte Zinssatz nur um ein paar Prozentpunkte steigt, würde Amerika im Jahr mehr für Zinsen ausgeben als für die Verteidigung. Historisch ist das dann vielfach der Punkt, an dem diese Länder der kompletten finanziellen und nationalen Vernichtung anheimfallen.

Die Firma SHG Macro Advisers, die sich mit der Analyse von Investitionen beschäftigt, berichtete, dass „China dem Weißen Haus bereits eine aggressive und möglicherweise verhängnisvolle Eskalation in dem sich entwickelnden Handelskrieg signalisiert hat.“ Die Firma warnte:

Soweit wir wissen, hat die chinesische Regierung den Erwerb von US-Anleihen gestoppt. Trotz der direkten Aufforderung Chinas durch den amerikanischen Staatssekretär im US-Finanzministerium Steve Mnuchin, „am Ball zu bleiben“, hat Peking nach chinesischen Quellen offenbar „in den letzten paar Wochen“ keine weiteren Ankäufe von US-Anleihen mehr getätigt.

Das ist noch nicht ganz die „Nuklearoption“. Nur den weiteren Erwerb einzustellen, ist nicht ganz so schlimm wie auch noch die zu verkaufen, die man schon hat. Aber es ist ein Warnschuss. Seinen wichtigsten Käufer für US-Anleihen zu verlieren, würde unserem hochverschuldeten Land wirklich schaden.

Andere „Nuklearoptionen“

Aber China hätte noch andere Methoden von nuklearem Kaliber in petto, um die US-Wirtschaft zu treffen. Eine davon ist, mehr Yuans zu drucken. Das würde die chinesische Währung entwerten, was im eigenen Land negative Auswirkungen hätte, aber es würde alle Waren, deren Preis in Yuan festgelegt ist, verbilligen. Das würde einer verborgenen Subvention für chinesische Güter sowie einer verborgenen Steuer auf alle amerikanischen Güter gleichkommen. „China prüft gerade die möglichen Auswirkungen einer allmählichen Abwertung des Yuans, während die Anführer des Landes ihre Optionen in einem Handelsstreit abwägen“, sagen die mit dem Thema vertrauten Leute (Bloomberg News vom 9. April).

„Sie können sich noch nicht entspannen, denn eine mögliche Abwertung des Yuans ist noch nicht vom Tisch“, warnte Shuli Ren von Bloomberg.

Eine weitere potentielle „Nuklearoption“ besteht darin, dass China die Versorgung Amerikas mit seltenen Erden einstellt. Sie haben vielleicht noch nicht viel davon gehört, aber Sie selbst benutzen diese Mineralien bereits. Metalle wie Cer, Neodym und Gadolinium werden in kleinen Mengen für Flachbildschirme und elektronische Geräte benutzt – prinzipiell für alles, was „Smart“ in seinem Namen führt, von Smartphones bis Smart Bombs. Seltene Erden sind ein wesentlicher Bestandteil von allen möglichen Apparaten für Handel, Industrie und Militär. Und so ziemlich der gesamte amerikanische Import von seltenen Erden kommt aus China.

„Im Grunde genommen bräuchte China, wenn es sich denn wirklich mit Amerika anlegen wollte, diese Exporte einfach nur konsequent zu stoppen“, schrieb die Week. „Das würde nicht nur Amerikas Versorgungskette für Hightech-Konsumgüter blockieren, ganz zu schweigen von den vielen unentbehrlichen Materialien für unsere hochentwickelten militärischen Waffensysteme.“ Dieser Artikel hat den unheilvollen Titel „Wie China einen Handelskrieg in nur einem Zug gewinnen kann.“

China verfügt noch über andere potentielle Waffen – es könnte zum Beispiel alle Importe amerikanischen Schieferöls stoppen. Aber an diesem Punkt angelangt ist die wichtigste Frage: Würde China tatsächlich auf die eine oder andere Weise „nuklear“ werden?

Werden sie das wohl tun?

Ein Atomkrieg ist ein sehr bedeutender Schritt – und ein großes Risiko. Ein Grund, warum diese Aktionen als „Nuklearoptionen“ bezeichnet werden, ist, dass sie auch der chinesischen Wirtschaft schaden würden, genau wie die darauf folgenden Vergeltungsmaßnahmen Amerikas. Wirtschaftswissenschaftler diskutieren sogar schon darüber, wer wohl mehr darunter leiden würde, wenn China seine US-Anleihen billig abstößt. Amerikas Markt von den seltenen Erden abzuschneiden, würde die Amerikaner treffen, aber China würde dabei auch einen seiner wichtigsten Kunden verlieren, denn es würde die Amerikaner dazu bringen, ihre Produkte mit eigenen Vorkommen an seltenen Erden herzustellen. China hat viele amerikanische Bergwerke erworben und geschlossen, aber die Vereinigten Staaten würden schon Mittel und Wege finden, wieder selbst seltene Erden abzubauen

Wenn China Europa dazu bringen könnte, sich dem Angriff anzuschließen, könnte es Amerika in ein wirtschaftliches Armageddon stürzen.

Sollte China alle seine US-Anleihen verkaufen, würde das der US-Wirtschaft schaden. Wenn jedoch China, Europa und Japan (der zweitgrößte Inhaber amerikanischer Schuldverschreibungen) alle ihre US-Anleihen verkauften, könnten sie die amerikanische Wirtschaft vollständig ruinieren. Ein mit den Europäern abgesprochener Angriff, bei dem Amerika von der Versorgung mit seltenen Erden abgeschnitten würde, um gleichzeitig auch andere amerikanische Sektoren zu schädigen, wäre mit Sicherheit verheerend.

China fordert Europa heute schon auf, sich ihm anzuschließen. Der Chef der chinesischen Mission bei der europäischen Union, Zhang Ming, rief den Block auf, Amerika gegenüber eine „klare Haltung“ einzunehmen und forderte die EU auf, sich China anzuschließen, um „gemeinsam die auf klaren Regeln basierende multilaterale Handelsordnung aufrecht zu erhalten“.

Obwohl die EU die gleichen Probleme mit China hat, die auch der US Präsident Donald Trump deutlich zum Ausdruck brachte, hat sie andererseits auch gute Gründe, sich auf die Seite Chinas zu schlagen. Ferdinando Giugliano schrieb am 10. April für Bloomberg:

In diesem Krieg liegt das strategische Hauptinteresse der EU darin, das Überleben des multilateralen Handelsnetzwerks zu sichern – inklusive der Welthandelsorganisation. Im Moment wird dieses Anliegen am meisten von Peking geteilt, nicht aber von Washington.

Trump hat auch besonders Deutschland (zu Recht) wegen seiner unfairen Handelspraktiken angegriffen. Deutschland könnte sich entschließen, China beizustehen, anstatt zu riskieren, dass Amerika den Handelskrieg gegen China gewinnt und danach Berlin aufs Korn nimmt, um so seinen nächsten Treffer zu landen.

Die Asia Times schrieb heute, dass China diesen Handelsstreit als Chance versteht. „Trotz Trumps konfrontativer Vorgehensweise gegen China könnte die Tatsache, dass Trump seine Verbündeten inzwischen schon abspenstig gemacht hat, das schönste Geschenk sein, das er Peking machen konnte“, hieß es in der Zeitung. China, so das Argument, befürchtet, dass die Vereinigten Staaten und die EU sich zum Nachteil der Chinesen zusammentun. Jetzt aber glaubt es, es könne Europa auf seine Seite ziehen.

Philipp Liesenhoff bemerkte im Handelsblatt, dass „China versucht habe, Europa für seine Vision einer nicht von Amerika angeführten Weltordnung zu gewinnen.“

Der frühere italienische Botschafter Stefano Stefanini sagte, wenn Amerika „der Welthandelsorganisation und dem internationalen Handelssystem den totalen Krieg erklärt, während China zu seinem Beschützer wird“, dann „würde die EU unvermeidlich auf Chinas Seite gedrängt.“

Im Moment marschieren China und die EU noch nicht im Gleichschritt. Es macht daher Sinn, dass China seine wirtschaftlichen Massenvernichtungswaffen noch zurückhält, solange es in Europa noch keinen klaren Verbündeten hat und die beiden ihre wirtschaftlichen Angriffe koordinieren, um Amerika den größten Schaden zuzufügen, während sie sich selbst am wenigsten schaden. Ein massiver Verkauf von US-Anleihen, eine Abwertung des Yuan und ein Embargo der seltenen Erden: All das sind Waffen, die nur einmal eingesetzt werden können.

Dieser koordinierte Angriff ist genau das, wovor die Bibel uns warnt. Wie ich in den meisten der vor kurzem gedruckten Artikel in der Posaune schrieb, sagt Jesaja 23, 3 einen „Markt der Nationen“ voraus. Das Kapitel 23 ist voller Hinweise auf Schiffe, Ozeane und überseeischen Handel. Es beschreibt ein Handelsbündnis, zu dem auch Tyros gehört, eine antike wirtschaftliche Großmacht und die Art von Wirtschaftsmacht, wie sie jetzt in Europa entsteht. Auch China wird unter Benutzung seines antiken Namens Chittim erwähnt. Japan ist ebenfalls ein Teil dieser Gruppe.

Die Bibel prophezeit, dass Europa und China beim Handel zusammenarbeiten werden. Andere Prophezeiungen beschreiben eine Gruppe von Ländern, die einen verheerenden Handelskrieg gegen diejenigen Länder führen werden, die vom antiken Israel abstammen – das prominenteste davon – die Vereinigten Staaten.

Dieser Angriff hat bereits begonnen, wenn auch nur in begrenztem Maße. Aber er wird noch viel schlimmer werden.

Der Autor der Posaune Robert Morley entwarf 2013 ein nur zu plausibles Beispiel dafür, wie ein kombinierter wirtschaftlicher Angriff der Chinesen und der Europäer sich abspielen könnte. So ein Angriff erscheint heute sogar noch plausibler. Lesen sie seinen Artikel Todesstoß für den Dollar , ein mitreißender Bericht darüber, was bei diesem Handelskrieg alles auf dem Spiel steht. Und wenn Sie noch mehr über den kommenden Handelskrieg wissen wollen und wer ihn wohl gewinnen wird, dann lesen Sie doch bitte meinen Artikel Wie wir in einen Handelskrieg geraten

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