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Gary Dorning/Posaune

Steht der Yuan kurz davor, eine Reservewährung zu werden?

Was bedeutet die Hochstufung der chinesischen Währung für den Dollar?

Am 30. November nahm der Internationale Währungsfonds (IWF) den chinesischen Yuan in den elitären Kreis der Sonderziehungsrechte (SZR), einer künstlichen Währung des IWF, auf, ein Schritt, der Chinas Aufstieg zur internationalen Supermacht anerkennt. Der chinesische Yuan schließt so auf zum Euro, zu Japans Yen, dem englischen Pfund und zum US-Dollar.

Und doch ist dieser Schritt mehr als eine Bestätigung dafür, dass China als wirtschaftlicher Riese auf die Bühne getreten ist. Er ist ein Zeichen dafür, dass Amerikas Macht abnimmt und dass die Rolle des Dollar als Reservewährung der Welt immer stärker infrage gestellt wird.

Die Aufnahme des Yuan in den Währungskorb des IWF war seit Jahren eines der politischen Ziele Chinas im Streben Pekings nach größerem Einfluss in der Welt. Die Vereinigten Staaten widersetzten sich konsequent diesem Ziel.

Die dominante Währung des internationalen Handels zu besitzen – und sie somit zu kontrollieren – bringt enorme Vorteile. Die Welt nutzt den Dollar für den Handel. Das sorgt für eine immense Nachfrage nach dieser Währung, was es wiederum Amerikas Zentralbank ermöglicht, die Zinsen deutlich niedriger zu halten, als anderen Ländern dies möglich ist. Somit werden Kredite für Amerikas Banken, Unternehmen und Konsumenten günstiger, was sie gegenüber internationalen Konkurrenten in eine vorteilhafte Situation versetzt, ohne dass es zu der ansonsten zu erwartenden Währungsentwertung käme. Das ermöglicht es Amerika zudem, Geld für seine Regierungsausgaben zu drucken – ohne dass hierbei der Dollar zu wertlosem Konfetti würde.

Der Hauptgrund, warum Amerikas Wirtschaft seit der Krise 2008 den Rest der Welt überholt, besteht darin, dass der Reservewährungs-Status es den Amerikanern ermöglicht, sich mehr Geld zu leihen und mehr Geld auszugeben als alle anderen.

Die Leitwährung ist, was Valery Giscard d’Estaing, der französische Finanzminister und spätere Präsident, als Amerikas „unverschämtes Privileg“ bezeichnete. Es ist ein Privileg, um das die Welt Amerika beneidet – das China möchte – und das Amerika unter keinen Umständen zu verlieren bereit sein sollte.

Unzufriedenheit

Im vergangenen März verloren die USA den Kampf mit China um die Eröffnung der Asiatischen Infrastruktur-Investitionsbank (AIIB) nach intensiven diplomatischen Bemühungen. Amerika verwahrte sich gegen diese Bank, da sie als Versuch gewertet wurde, den amerikanischen Einfluss in Asien zu untergraben. Verhindern konnte Amerika es nicht. Selbst Amerikas engste Verbündete in Europa wie Großbritannien und Deutschland schlossen sich dieser von den Chinesen geführten Initiative an, ein klares Zeichen für Amerikas schwindenden Einfluss.

Die Aufnahme des Yuan in den Korb der SZR zeigt, wie die Weltstimmung sich gegen Amerika wendet.

Die verlässlichste Basis, um vorherzusagen, ob ein Land in Yuan investieren wird, ist das Maß an Unzufriedenheit, das dieses Land im Blick auf die von den USA angeführte Ordnung hegt, sagen die Analysten Michael Bailey, Anton Strezhnev und Erik Voeten. Sie sagen zudem, dass Chinas Aufstieg als Amerikas geopolitischer Rivale eine große Rolle dabei spielt, dass die Welt Interesse an dem Einsatz des Yuan im Handel hat.

Hierbei handelt es sich nicht um einen neuen Trend. Mindestens 37 Zentralbanken fügten laut der Washington Post zwischen 2010 und 2014 den Yuan zu ihren Devisenreserven hinzu. Das geschah vor der erst vor Kurzem erfolgten Bekanntgabe des IWF, es werden also bald weitere folgen.

Viele dieser Zentralbanken befinden sich in Ländern, die politisch weniger auf US-Kurs liegen. Erschreckenderweise gibt es nun auch Anzeichen dafür, dass Amerikas Verbündete ebenso nach Alternativen zum Dollar Ausschau halten.

Überbewertet?

Zurzeit beläuft sich der Gesamtwert aller SZR nur auf etwa 280 Milliarden US-Dollar, und die meisten Ökonomen schätzen, dass die Aufnahme des Yuan nur um die 10 Prozent des Wertes des Währungskorbs ausmachen wird. Aus diesem Grund sind manche Analysten der Meinung, die Aufnahme des Yuan in den Korb der SZR werde überbewertet. Von Bedeutung ist hierbei jedoch nicht allein die Entscheidung des IWF. Vielmehr ist es das Handeln der weltweiten Zentralbanken und das der Investoren. Schätzungen des Vermögensverwalters Alliance Bernstein zufolge könnten in den nächsten Jahren bis zu 3 Billionen US-Dollar nach China fließen.

Analysten gehen davon aus, dass schlussendlich die wirtschaftliche Attraktivität des Yuan die größte Rolle dabei spielen wird, ob der Dollar in seiner Rolle als Reservewährung wird herausgefordert werden können. In einem gewissen Maße trifft das zu, und China unternimmt alles, um den Yuan als attraktive Investition erscheinen zu lassen.

Es zeigt sich jedoch zunehmend, dass nicht nur rein ökonomische Anreize, sondern auch geopolitische Präferenzen einen Einfluss auf die Entscheidungen der Zentralbanken im Bezug auf zu haltende Währungen haben. Dies ist ein verhängnisvolles Zeichen für Amerika.

Sollte der Dollar seinen Status als Reservewährung verlieren, hätte das massive Auswirkungen auf Ihre Brieftasche und die gesamte geopolitische Ordnung. Ob langsam, Stück um Stück, oder plötzlich, das Ergebnis bleibt dasselbe – Kaufkraftverlust. Die einzige Frage ist, ob es plötzlich geschieht oder langsam beginnt und in der Folge hereinbricht.

Die nächste Krise

Der Status des Dollar als Reservewährung half Amerika, die Wirtschaftskrise 2008 zu meistern. Es steht eine weitere Wirtschaftskrise bevor. Dieses Mal wird Amerika womöglich nicht mehr in der Lage sein, einfach Geld zu drucken, um seine Schulden zu begleichen.

Wie Herbert W. Armstrong 1968 schrieb: „Sollte der Dollar abgewertet werden, wird so gut wie sicher Inflation die Folge sein – und daraus folgend der wirtschaftliche Zusammenbruch der Vereinigten Staaten. Die unter Ihnen, die ernsthaft an die Prophezeiungen der Bibel glauben, wissen, dass ein solcher wirtschaftlicher Zusammenbruch vorhergesagt worden ist!“ (Brief an die Mitarbeiter, 26. März 1968).

Auch wenn die Aufnahme des Yuan in den Korb der SZR in sich selbst nicht garantiert, dass es so kommt, ist es ein offensichtlicher Schritt in Chinas nicht ganz so geheimem Plan, den Yuan zu einer Reservewährung werden zu lassen. Das wird zu Kosten des Dollar geschehen, da der Großteil des internationalen Handels mit China in Dollar abgewickelt wird.

Der weltweite Status des Dollar wird herausgefordert. Amerika mag der Ansicht sein, weiterhin unangefochten als Supermacht an der Spitze der Weltwirtschaft zu stehen – nun verbünden sich allerdings andere Länder in der Absicht, das zu ändern.